Volkswagen, Mercedes, BMW und Porsche: Sind deutsche Auto-Aktien massiv unterbewertet?
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Volkswagen, Mercedes, BMW und Porsche: Sind deutsche Auto-Aktien massiv unterbewertet?

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Simeon Koch

Fast fünf Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung stammt aus der Automobilindustrie. Mit einem jährlichen Verdienst von mehr als einer halben Billion Euro ist sie die umsatzstärkste Branche der Bundesrepublik, sie zählt rund 800 000 Beschäftigte. Da ist es kaum vermessen, die Auto-Branche als Rückgrat der deutschen Wirtschaft zu bezeichnen. Genau das aber wird gerade zum Problem. Denn seit Monaten schwächeln die großen heimischen Autobauer, leiden unter enttäuschendem Absatz, komplizierten Lieferketten und politischen Streitereien. Volkswagen erlitt im zweiten Quartal einen Umsatzrückgang von mehr als fünf Prozent, Tochter Audi verzeichnete sogar ein Minus von mehr als elf Prozent. Bei Mercedes leidet ausgerechnet der Luxussektor, zumindest BMW konnte zuletzt dezentes Wachstum vermelden. Das Problem ist aber kein kurzfristiges – und nicht nur in Deutschland zu spüren: In den viereinhalb Jahren seit Beginn der Corona-Krise im Frühjahr 2020 wurden in der Europäischen Union 20 Millionen weniger Neuwagen verkauft als im selben Zeitraum vor der Pandemie. Deutschland spürt das wegen der Abhängigkeit vom Auto-Sektor besonders. Geht das Autoland also den Bach runter? Oder sind die niedrigen Aktienkurse eine historische Chance?

Schlechte Zahlen für Volkswagen, Mercedes und Audi

Deutschlands Wirtschaft strauchelt weiter. Noch im ersten Quartal sorgte ein Mini-Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 0.2 Prozent für leise Hoffnung – im Juli aber gab das Statistische Bundesamt bekannt, dass man das nächste Minus zu beklagen habe. Demnach schlossen die drei Monate von April bis Juni wieder um 0.1 Prozent schwächer ab als der Frühling. EU-weit lag das durchschnittliche Wachstum der Mitgliedsstaaten bei 0.3 Prozent, wie die Statistikbehörde Eurostat vor wenigen Stunden mitteilte. Vom Vorzeigeschüler scheint Deutschland mit seiner Stagnation zum Klotz am Bein der Staatenfamilie zu werden. Begründet liegt diese Misere zu großen Teilen in der Auto-Branche. Besonders betroffen sind namhafte Hersteller wie Volkswagen, Audi und Mercedes, die im ersten Halbjahr 2024 mit sinkenden Verkaufszahlen kämpfen mussten. Ein besonders düsteres Bild zeigt sich bei den Elektroautos, deren Absatz schwächelt, während die hohen Investitionen in die Elektromobilität die Bilanzen der Konzerne belasten. Das ist auch auf dem Aktienmarkt zu spüren. Das zweite Quartal brachte für die Wertpapiere der großen deutschen Autobauer tiefrote Zahlen.

Die VW-Aktie dürfte das Tief der blauen Korrekturwelle (II) bald erreichen und den nächsten Aufwärts-Impuls einleiten. Ein tieferes Tief bleibt zu 36% wahrscheinlich.

Bei Audi sanken die Verkaufszahlen im zweiten Quartal um 11.3 Prozent, während die Kernmarke Volkswagen einen Rückgang von 5.2 Prozent verzeichnete. Mercedes-Benz musste ebenfalls einen Absatzrückgang von vier Prozent hinnehmen. Einzig BMW konnte den Absatz leicht steigern, allerdings um lediglich 2 Prozent. Die sinkende Nachfrage, besonders nach Elektrofahrzeugen, wird durch konjunkturelle Sorgen und zunehmende Konkurrenz, insbesondere aus China, verschärft. Ein zentrales Problem für Volkswagen ist der chinesische Markt, auf den rund ein Drittel der Verkäufe des Konzerns entfällt. Im zweiten Quartal 2024 brachen die Verkaufszahlen dort um rund 20 Prozent ein. Trotz Zuwächsen in Westeuropa konnte dieser Einbruch nicht ausgeglichen werden. Besonders die VW-Tochter Audi leidet unter der schwachen Nachfrage nach dem Elektro-SUV Q8 e-tron, was sogar zur Überlegung führte, die Produktion dieses Modells im Brüsseler Werk vorzeitig einzustellen. Das Werk steht vor einer Umstrukturierung, könnte aber auch vollständig geschlossen werden. Zwar stieg der Verkauf der reinen Elektromodelle bei Audi im vergangenen Quartal leicht um 1.3 Prozent. Doch von dem starken Wachstum im vergangenen Jahr hat man sich weit entfernt: Noch vor einem Jahr betrug das Absatzplus der reinen E-Autos stolze 51 Prozent.

Historische Chance im „Ramschladen“ Deutschland?

Die schwierige Lage betrifft jedoch nicht nur die Hersteller selbst, sondern auch deren Zulieferer. Unternehmen wie Bosch und Continental haben angekündigt, Tausende von Arbeitsplätzen abzubauen. Beim Zulieferer ZF Friedrichshafen stehen sogar bis zu 12 000 Stellen auf der Kippe. Laut Constantin Gall, Mobilitätsexperte beim Wirtschaftsberater EY, wird „diese dauerhafte Unterauslastung für die Autokonzerne zunehmend zu einem erheblichen Problem“. Ein weiteres Hindernis für die deutschen Hersteller ist die zunehmende Konkurrenz aus China, insbesondere im Bereich der Elektrofahrzeuge. Die chinesischen Autobauer gewinnen Marktanteile, während die westlichen Hersteller in China an Boden verlieren. Gall fasst die Situation für westliche Importeure zusammen: „Die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten in China sind schon lange vorbei.“ Verstärkt werden die Unsicherheiten durch kürzlich bestätigte EU-Strafzölle auf chinesische Elektroautos verstärkt. Gerhard Hillebrand, Präsident des ADAC, warnte kürzlich gegenüber der Tagesschau vor den möglichen negativen Auswirkungen solcher Zölle: „Strafzölle könnten den Wettbewerb verzerren und die Innovationskraft der gesamten Branche zum Nachteil der Verbraucher beeinträchtigen.“

Auch die BMW-Aktie befindet sich in der blauen Korrekturwelle (II). Hier dürfte der Kurs aber noch einen deutlich weiteren Weg vor sich haben als bei VW.

Gerade in der Auto-Branche dürften die Unternehmen künftig „den Gürtel enger schnallen“ und sich „auf Gegenwind einstellen“ müssen, wie Constantin Gall prognostiziert. Andere namhafte Beobachter sind in ihren Urteilen weniger zurückhaltend. So warnte Siegfried Russwurm, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) kürzlich in einer Rede vor einem deutschen „Abstieg ins globale Mittelfeld“. Theodor Weimer, Chef der Deutschen Börse, verglich den heimischen Aktienmarkt in einer denkwürdigen Rede gar mit einem „Ramschladen“. Und genau hier sollten Anleger hellhörig werden. Schließlich verspricht ein Ramschladen immer auch das eine oder andere Schnäppchen – vorausgesetzt natürlich, man kauft Qualität. Und genau diese Qualität ist trotz der jüngsten wirtschaftlichen Schwierigkeiten im deutschen Auto-Sektor unbestreitbar. Zumal die deutschen Auto-Größen schon jetzt an einem Comeback arbeiten: So will der neue VW-Chef Oliver Blume den Volkswagen-Konzern und seine Tochtermarken um Porsche und Audi durch stärkeren Fokus auf E-Mobilität zukunftsfähiger machen. BMW wurde zur neuen Bundesliga-Saison offizieller Partner von Ex-Pokalsieger RB Leipzig und auch Mercedes setzt auf Innovation: Gemeinsam mit dem chinesischen Internet-Giganten Tencent arbeitet man emsig an In-Car-Gaming.

Wann ist die Korrektur der Auto-Riesen vorbei?

Ist jetzt aber der richtige Zeitpunkt, um bei den größten deutschen Autobauern einzusteigen? Aufschlüsse darüber liefert unsere technische Analyse mithilfe der Elliott-Wellen-Methode. Seit Monaten weisen wir sowohl bei Volkswagen und Porsche als auch bei Mercedes und BMW auf übergeordnete Korrekturbewegungen hin, die zuletzt deutlich Fahrt aufgenommen haben. Dabei sind die einzelnen Aktien unterschiedlich weit fortgeschritten. Bei Mercedes und BMW etwa rechnen wir noch mit langen Abverkäufen, bis die aktuelle Korrekturstruktur abgeschlossen wird. BMW dürfte zwar schon ein gutes Drittel der übergeordneten blauen Abwärtswelle (II) durchlaufen haben – bis zu deren Tiefpunkt und dem damit verbunden Übergang in den nächsten Aufwärtsimpuls dürfte der Kurs aber noch einmal einige Prozente einbüßen. Bei Volkswagen und Porsche hingegen rechnen wir laut Primärszenario alsbald mit einer Bodenbildung und einer bullischen Trendwende. So dürfte die VW-Aktie kurz vor dem Tief der blauen Welle (II) stehen und bald über die ehemalige Unterstützung bei 97.83€ zurückkehren. Ein deutlich tieferes Tief avisiert hier lediglich unsere bärische Alternative (36% wahrscheinlich). Auf beiden abgebildeten Charts finden sich für unsere Abonnenten konkrete Zielzonen für lukrative Einstiege, die wir an dieser Stelle ausgeblendet haben. Alle relevanten Preisbereiche für Ein- und Ausstiege sowie mögliche Long- und Short-Positionen erhalten Sie in unserem DAX40-Paket – aktuell für kurze Zeit mit 20 Prozent Rabatt auf fast alle Laufzeiten!

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Simeon Koch

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