USA verunsichern Brennstoffmärkte – und ärgern sich über China
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USA verunsichern Brennstoffmärkte – und ärgern sich über China

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Simeon Koch

Die Unruhen im Roten Meer kochen nach einem erneuten Bombardement von Stellungen der Huthi-Milizen durch das nordamerikanische Militär wieder hoch – ebenso wie weltweite Bedenken über die Versorgung mit Erdgas, das bisher zu großen Teilen durch den Suezkanal in den Westen kam. Innenpolitisch übten die Vereinigten Staaten kürzlich weiteren Druck auf das eigene Gasangebot aus, ein Exportstopp lässt treue Abnehmer amerikanischer Kraftstoffe bangen. Auch die Ölmärkte bleiben von der Brennstoffpolitik des Weißen Hauses nicht verschont: Vor wenigen Stunden gab die nordamerikanische Energiebehörde (engl.: Energy Information Administration; kurz: EIA) bekannt, dass die Fördermengen für amerikanisches Rohöl in den kommenden Monaten gedrosselt werden. Im Nahen Osten wird indes der entgegengesetzte Weg eingeschlagen: Die Vereinigten Arabischen Emirate wollen ihre Produktion in den nächsten Jahren fast verdoppeln, in den letzten zehn Jahren hatte man sich an vereinbarte Fördergrenzen der OPEC gehalten. China wiederum kauft fleißig Öl aus dem Iran und investiert Millionen in die afghanische Ölproduktion. Den USA gefällt das gar nicht.

USA bremsen Ölförderung

In den Vereinigten Staaten sind 140 Förderstationen für Öl und Gas weniger in Betrieb als noch vor einem Jahr. Die texanische Erdöl-Service-Gesellschaft Baker Hughes zählte vergangene Woche 619 Anlagen, zum Vergleichszeitpunkt vor zwölf Monaten waren es noch 759 gewesen. Der vergangene Monat war ohnehin turbulent für die nordamerikanische Öl-Industrie: In der Woche bis zum 26. Januar stieg die Rohölproduktion um 700 000 Barrel pro Tag auf durchschnittlich gut zwölf Millionen Einheiten. Eine Woche zuvor war die Produktion um eine Million Barrel pro Tag eingebrochen, weil ein Kälteeinbruch die Förderstätten weitgehend außer Betrieb setzte – was angesichts des steigenden Bedarfs an Heizmaterial gerade in einer solchen Wetterphase natürlich alles andere als gelegen kommt. Trotzdem sinken die Produktionsraten in den USA seit Jahresbeginn stetig, zuletzt stand ein tägliches Minus von 200 000 Barrel zu Buche. Und auch offiziell kündigte die nordamerikanische Energiebehörde an, die Zuwächse in der Ölförderung künftig zu drosseln. Demnach werde die Ölproduktion nur noch um 170 000 Barrel pro Tag zunehmen, deutlich weniger als bisherige Ankündigungen, die im Bereich von 300 000 Einheiten lagen.

Der vergangene Dezember hatte mit einem Volumen von 13.3 Millionen Barrel am Tag noch einen historischen nordamerikanischen Rekord aufgestellt, im aktuellen Monat will man dieses Niveau noch einmal erreichen, hieß es von der Energiebehörde EIA: „Wir prognostizieren, dass die Produktion im Februar auf das Niveau von nahezu 13.3 Millionen Barrel pro Tag zurückkehren, dann aber bis Mitte 2024 abnehmen wird“. Das Allzeithoch aus dem Dezember 2023 werde trotz global steigenden Ölbedarfs „bis zumindest Februar 2025 nicht wieder erreicht“. Zusätzlichen Druck auf die Ölmärkte übt die Verschärfung der Situation im Roten Meer aus, bis zum Beginn der Unruhen rund um die Huthi-Milizen eine der zuverlässigsten Handelsrouten für rund acht Millionen Barrel Rohöl am Tag – fast zwei Drittel des nordamerikanischen Produktionsvolumens. Erst am Wochenende bombardierte das Militär der USA mehr als 85 Ziele im Irak, im Jemen und in Syrien. Zuzuordnen sind die angegriffenen Stellungen iranischen Truppen, deren Verbündeten und den Huthi-Milizen, die in den vergangenen Monaten mehrfach Schiffstransporte durch den Suezkanal angegriffen hatten. Tanker mussten um das Horn von Afrika geleitet werden oder horrende Versicherungen bezahlen, was den Ölpreis in die Höhe trieb.

Iran mit Rekord-Exporten – VAE drehen Ölhahn auf

Eine Beruhigung der Lage ist vorerst nicht in Sicht. Michael Hewson vom britischen Finanzdienstleister CMC Markets kommentierte: „Die Rohölpreise steigen, wenn die Kampfhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und den Huthi-Rebellen weitergehen. Die Huthis greifen mehr Schiffe im Roten Meer an und die USA haben angekündigt, auch künftig mit neuen Vergeltungsschlägen zu antworten“. Sorgen kommen auch mit Blick auf den Iran auf, wie Bob Yawger, Geschäftsführer der Investmentbanken-Gruppe Mizuho Americas bemerkte: „Das kommt einem Tritt ins Hornissennest des Iran gefährlich nahe – wie lange können sie dasitzen, während ihre Verbündeten einer nach dem anderen angegriffen werden?“ Eine erste Antwort gab der Iran auf wirtschaftlicher Ebene: Im vergangenen Jahr nahmen die iranischen Rohöl-Exporte um rund die Hälfte zu und erreichten mit knapp 1.3 Millionen Barrel am Tag ein Fünfjahreshoch. Der Großteil dieses Außenhandels wird mit China abgewickelt, dort ist der Preisdruck durch die Verwerfungen im Roten Meer folglich kaum zu spüren. Auch in Richtung des ölreichen Usbekistan hat China seine Fühler ausgestreckt, auch aus Afghanistan fließt das Schwarze Gold in die Volksrepublik: Bis 2026 hat China sich die Förderrechte im Wert von rund $540 Millionen gesichert, erst kürzlich flossen weitere $50 Millionen in die afghanische Ölproduktion.

In einem spitzen Kommentar zum Rückzug der nordamerikanischen Truppen aus dem Land sagte Michael McCaul, Vorsitzender des Außenpolitischen Ausschusses im Repräsentantenhaus, einer der Kammern des nordamerikanischen Parlaments: „Ratet mal, wer heute in Afghanistan ist? Genau, China!“ Thomas West, der Sonderbeauftragte für Afghanistan, antwortete schmallippig: „Wir sehen Afghanistan nicht als einen Ort, wo wir mit China oder den Russen konkurrieren müssen“. Und doch fasst man Chinas starkes Engagement im Nahen Osten in den Vereinigten Staaten als Warnsignal auf – nicht zuletzt wegen des florierenden Ölhandels mit dem Iran, vorbei an den ausgesprochenen Sanktionen. Erst kürzlich hatte die Internationale Energie-Agentur (IEA) ihre globale Nachfrageprognose für Rohöl nach oben korrigiert, auch die OPEC-Staaten erwarten höheren weltweiten Bedarf. Wenig überraschend kommt dabei die Ankündigung der Vereinigten Arabischen Emirate, die Vereinbarungen zur Produktionskürzung innerhalb der erdölexportierenden Staaten im Nahen Osten (engl.: Organization oft Petroleum Exporting Countries; kurz: OPEC) künftig weiter auszureizen. Bisher lag die Ölproduktion der Emirate bei weniger als drei Millionen Barrel pro Tag, bis 2027 sollen es rund fünf Millionen sein. Andere Mitgliedsstaaten reduzierten ihre Förderraten dafür, und auch die Emirate wollen ihre Produktion im ersten Quartal 2024 noch einmal freiwillig kürzen, um das globale Rohöl-Angebot zu senken.

Wie geht es weiter mit Öl und Gas?

Etwas Erleichterung kam aus der Politik dann doch noch für die Brennstoffmärkte, als vor wenigen Stunden bekannt wurde, dass Israel und die Hamas sich offenbar auf eine Feuerpause verständigt haben. Weitere Entspannung wird es laut der nordamerikanischen Energiebehörde im zweiten Quartal des aktuellen Jahres geben, „da die weltweiten Ölvorräte allgemein ansteigen werden. Die anhaltenden Risiken von Versorgungsunterbrechungen im Nahen Osten schaffen jedoch das Potenzial, dass die Rohölpreise diese Prognose übersteigen“. Versorgungsunterbrechungen befürchten momentan auch die wichtigsten Brennstoff-Abnehmer der USA – und zwar in Sachen Erdgas. Vor zwei Wochen kündigte die nordamerikanische Regierung um Präsident Joe Biden an, neue Exportpläne für verflüssigtes Erdgas (engl.: Liquified Natural Gas; kurz: LNG) auf Eis zu legen, um die Umweltverträglichkeit entsprechender Anlagen zu prüfen. Kritiker vermuteten dahinter eine politische Kampagne zur Steigerung von Bidens Chancen auf eine Wiederwahl im Rennen um die Präsidentschaft kommenden Herbst. Kritik kommt nicht nur aus verbündeten Staaten, sondern auch aus dem eigenen Parlament: Mehrere Abgeordnete warnten kürzlich in einem offenen Brief, dass eine drastische Reduktion der LNG-Exporte nicht nur die heimische Wirtschaft schädige, sondern auch Konkurrenten wie China, dem Iran und Russland in die Karten spiele und damit nicht nur befreundete Regierungen, sondern auch den ganzen Brennstoffmarkt verunsichere.

Während sich Japan besorgt um seine Gasversorgung zeigte, gerät auch die deutsche Wirtschaft in die Bredouille: In den letzten beiden Jahren wurden mehrere LNG-Terminals in der Nord- und Ostsee sowie der Elbmündung gebaut, um Importe von Flüssigerdgas aus den Vereinigten Staaten zu fördern. Investoren aus dem Bankensektor und der Lobby der fossilen Energie laufen Sturm und warnen vor nachhaltigen Wirtschaftsschäden durch die Ausfälle. Auf den Brennstoffmärkten zeigte sich in den vergangenen Wochen entsprechende Volatilität: Mitte Dezember fielen die Preise für Brent und West Texas Intermediate (WTI) auf ein Mehrmonatstief, legten bis Ende Januar aber wieder stramme gut 16 Prozent zu. In der ersten Februarwoche ging es dann wieder knapp neun Prozent abwärts, die bisherige Performance in dieser Woche ist aber grün, der Abverkauf scheint vorerst beendet. Laut unserer Elliott-Wellen-Analyse durchläuft der Ölmarkt gerade eine Korrekturphase, deren erste Etappe mit dem Tief Mitte Dezember bei $72.27 (Brent) respektive bei $67.71 (WTI) abgeschlossen wurde. Eingesetzt hatte die dreiteilige Korrekturstruktur mit dem Hoch Mitte September 2023 bei knapp $100, aktuell erleben die Kurse nach den deutlichen Abverkäufen der letzten Monate eine aufwärtsgerichtete Gegenbewegung, die wir als Teil dieser dreiteiligen Korrekturstruktur werten.

Für das Top dieser aktuellen Gegenbewegung haben wir eine Zielzone deutlich weiter oben im Chart hinterlegt, in naher Zukunft könnte sich der Kurs nämlich wieder in Richtung der $100-Marke aufmachen. Um lukrative Einstiegs- und Ausstiegsmöglichkeiten wahrnehmen zu können, weisen wir unsere Kunden in den täglichen Updates regelmäßig auf entsprechende Zeitfenster oder Kursregionen hin. Gleiches gilt natürlich auch langfristig. Auf Mehrjahresebene sehen wir die beiden Werte in einer übergeordneten Impulswelle, die deutliche Kursgewinne einspielen sollte. Langfristig erwarten wir sowohl bei WTI als auch bei Brent Preisziele im Bereich der $200 pro Barrel, exakte Preiskoordinaten sind den Zielzonen aus unseren Analysen zu entnehmen. Auch beim Erdgas-Preis sahen wir nach dem zwischenzeitlichen Hoch Mitte Januar bei $3.40 starke Volatilität, kombiniert mit deutlichem Abwärtsdruck. Insgesamt gab der Markt in den letzten drei Wochen um drastische 40 Prozent nach. Hier ist eine übergeordnete Korrekturstruktur zu erkennen, eine gegenläufige (korrektive) Aufwärtsbewegung sollte aber nicht mehr lange auf sich warten lassen. Auf Mehrmonatsebene sollte auf diesem zuletzt sehr lebhaften Markt die Makro-Korrektur des aktuellen Zyklus abgeschlossen werden. Unser Anspruch ist es, Ihnen in diesen Sektoren mit unseren täglichen Analysen den maximalen Mehrwert zu liefern – sowohl für Rohöl als auch für Erdgas.

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Simeon Koch

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