Nach monatelangen Verhandlungen haben die Vereinigten Staaten und die Ukraine ein als "historisch" bezeichnetes Wirtschaftsabkommen unterzeichnet. Das Abkommen soll den Wiederaufbau der Ukraine fördern und gleichzeitig wirtschaftliche Vorteile für beide Länder schaffen. Es markiert einen wichtigen Schritt in den bilateralen Beziehungen und sendet ein klares Signal an die internationale Gemeinschaft.
Die wichtigsten Punkte des Deals:
Unterzeichnung: Am 1. Mai 2025 unterzeichneten die USA und die Ukraine ein gemeinsames Wirtschaftsabkommen in Washington, D.C.
Ziel des Abkommens: Aufbau eines Investitionsfonds zur Förderung des wirtschaftlichen Wiederaufbaus der Ukraine.
Kontrolle: Die Ukraine behält die volle Kontrolle über ihr Staatsgebiet, ihre Infrastruktur und ihre Rohstoffe.
Strategische Rohstoffe: Fokus auf den Abbau von sogenannten seltenen Erden und anderen kritischen Rohstoffen, die für die Produktion von Hightech-Produkten wichtig sind.
Stimmen zum Abkommen:
• US-Finanzminister Scott Bessent sieht es als Anerkennung der amerikanischen Unterstützung für die Ukraine.
• Präsident Selenskyj nennt es eine faire und partnerschaftliche Zusammenarbeit.
Was wurde genau vereinbart?
Am 1. Mai 2025 haben die Vereinigten Staaten und die Ukraine in Washington, D.C. ein gemeinsames Wirtschaftsabkommen unterzeichnet. Ziel dieses Abkommens ist es, einen Investitionsfonds zu gründen, der den wirtschaftlichen Wiederaufbau der Ukraine unterstützen soll. Der Fonds wird Geldmittel gezielt in Projekte investieren, die sich mit der Förderung von Mineralien, Öl, Gas, seltenen Erden und der dazugehörigen Infrastruktur befassen.
Ein zentrales Element der Vereinbarung ist, dass in den ersten zehn Jahren sämtliche Gewinne des Fonds nicht ausgezahlt, sondern vollständig reinvestiert werden. Auf diese Weise soll ein nachhaltiger wirtschaftlicher Aufschwung in der Ukraine ermöglicht werden. Erst nach Ablauf
dieser zehn Jahre können die Partnerländer – die USA und die Ukraine – erzielte Einnahmen untereinander aufteilen.China kontrolliert fast 70 Prozent der weltweiten Produktion Seltener Erden. Auch deshalb ist das Ukraine-Abkommen für die USA wirtschaftlich wichtig.
Das Abkommen verfolgt zwei Hauptziele: Einerseits soll die wirtschaftliche Situation der Ukraine stabilisiert und verbessert werden, andererseits sichern sich die Vereinigten Staaten durch diese Partnerschaft einen privilegierten Zugang zu wichtigen Rohstoffen wie den sogenannten Seltenen Erden. Diese Rohstoffe sind für die Produktion moderner Technologien wie Elektrofahrzeuge, Smartphones oder Raketensysteme unverzichtbar. Seltene Erden sind für die USA besonders wichtig, weil China große Teile des globalen Marktes kontrolliert.
Zusammengefasst soll der Fonds durch gemeinsame Entscheidungen beider Staaten verwaltet werden, während die Ukraine die vollständige Kontrolle über ihre natürlichen Ressourcen behält. Kritiker werfen den USA vor, sich mit der strategischen Positionierung und möglichen Vorkaufsrechten auf ukrainische Rohstoffe ungebührliche Vorteile im internationalen Handel mit seltenen Rohstoffen zu verschaffen. Vertreter der Trump-Regierung loben den Deal als wichtigen Meilenstein für die ökonomische Sicherheit der Vereinigten Staaten und angemessene Belohnung für die US-Unterstützung der Ukraine im Krieg gegen Russland.
Wie funktioniert der Ukraine-Fonds?
Ein Fonds ist im Allgemeinen ein gemeinsamer Geldtopf, in den mehrere Partner Geld einzahlen, um daraus bestimmte Projekte zu finanzieren. Gewinne oder Verluste aus diesen Projekten werden später unter den Partnern verteilt. In diesem Fall gründen die USA und die Ukraine gemeinsam einen solchen Fonds, der speziell auf den Wiederaufbau und die wirtschaftliche Entwicklung der Ukraine ausgerichtet ist.
Der Investitionsfonds wird mit Geld oder militärischer Unterstützung (wie Luftabwehrsystemen) gefüllt. Die Ukraine beteiligt sich, indem sie einen Teil der Einnahmen aus neuen Rohstoffprojekten einzahlt. Die USA können entweder Geld beisteuern oder Sachleistungen wie Waffen und Technologie einbringen. Für die Vereinigten Staaten ist das ein guter Deal: Unterstützungsleistungen werden dadurch unmittelbarer belohnt und Rückzahlungen durch die Absicherung über Rohstoffprojekte gesichert.Militärlieferungen der USA zur Unterstützung der Ukraine gegen den russischen Angriffskrieg werden ebenfalls in den Fonds eingerechnet.
Das eingezahlte Kapital wird dann gezielt in Projekte investiert, zum Beispiel in den Bau neuer Bergwerke, Ölförderanlagen oder den Ausbau von Infrastruktur wie Straßen oder Häfen. Gewinne entstehen, wenn diese Projekte später Erträge erwirtschaften – etwa durch den Verkauf geförderter Rohstoffe wie Lithium oder Seltenen Erden. In den ersten zehn Jahren werden alle erzielten Gewinne wieder in neue Projekte investiert. Erst danach dürfen die Partner beschließen, Gewinne aus dem Fonds aufzuteilen. Das bedeutet: Der Fonds soll zunächst wachsen, bevor die Beteiligten davon finanziell profitieren.
Ein einfaches Beispiel: Wenn der Fonds 100 Millionen Dollar in den Bau eines neuen Rohstoffwerks investiert und dieses Werk später jährlich 20 Millionen Dollar Gewinn erzielt, würden diese 20 Millionen in den ersten zehn Jahren vollständig wieder in neue Projekte gesteckt werden. Nach zehn Jahren könnten USA und Ukraine beschließen, den Gewinn aufzuteilen – zum Beispiel je zur Hälfte.
Ukraine-USA-Fonds: Wer hat Kontrolle?
Ein zentraler Punkt des Abkommens ist, dass die Ukraine die vollständige Kontrolle über ihr Staatsgebiet, ihre Infrastruktur und ihre Rohstoffvorkommen behält. Entscheidungen darüber, ob Rohstoffe wie Mineralien, Öl oder Gas gefördert oder Lizenzen vergeben werden, trifft die Ukraine weiterhin eigenständig.
Anders verhält es sich bei der Verwaltung des gemeinsamen Investitionsfonds: Dieser wird von den Vereinigten Staaten und der Ukraine gleichberechtigt geführt. Entscheidungen über Investitionen können nur dann umgesetzt werden, wenn beide Seiten zustimmen. Sowohl die USA als auch die Ukraine haben somit faktisch ein Vetorecht: Wenn eine Seite einer Maßnahme nicht zustimmt, kann sie nicht realisiert werden.Im Rohstoff-Deal bezeichnete die US-Regierung die russische Invasion in der Ukraine als Angriffskrieg: Der Ton zwischen Putin und Trump wird schärfer.
Die Ukraine wird ihren Beitrag nicht aus bestehenden Rohstoffprojekten leisten. Stattdessen fließen 50 Prozent der Einnahmen aus künftigen Förderlizenzen und Rohstoffverkäufen in den Fonds. Die Vereinigten Staaten können ihren Anteil wahlweise durch Geldzahlungen oder durch militärische Unterstützung – etwa Luftabwehrsysteme – einbringen. In beiden Ländern werden auf die Einnahmen des Fonds keine Steuern erhoben.
US-Finanzminister Scott Bessent betonte, das Abkommen sei ein Zeichen der Anerkennung für die "große finanzielle und materielle Unterstützung" der amerikanischen Bevölkerung an die Ukraine. Ganz so altruistisch ist das Projekt dann aber doch nicht. Denn ein besonderer Fokus des Abkommens liegt auf sogenannten Seltenen Erden. Diese Rohstoffe sind für die Herstellung von Hightech-Produkten wie Elektroautos, Raketensystemen und Smartphones unverzichtbar. Laut Schätzungen verfügt die Ukraine über mindestens 22 der 34 von der EU als kritisch eingestuften Rohstoffe.
Die genaue Menge der verfügbaren Ressourcen ist jedoch unsicher, da viele Erkundungsdaten noch aus der Zeit der Sowjetunion stammen. Zudem befinden sich einige der Rohstoffvorkommen in von Russland kontrollierten Gebieten. Für den Westen sind die Vorkommen in der Ukraine von großer politischer Bedeutung. China kontrolliert aktuell 69 Prozent der weltweiten Produktion von Seltenen Erden und hat damit einen starken Hebel im wirtschaftlichen und militärischen Konkurrenzkampf mit den Vereinigten Staaten. Daher ist der Deal mit der Ukraine auch von stark von eigenen Sicherheitskalkülen der USA getrieben.
Russlands Invasion – und Kritik an Trump
Das Abkommen enthält keine klassischen militärischen Beistandserklärungen. Dennoch wird darin die "umfassende Invasion" Russlands klar benannt – eine Wortwahl, die eine Verschärfung der bisherigen Rhetorik der US-Regierung darstellt. Präsident Donald Trump betonte, dass eine starke wirtschaftliche Präsenz der USA in der Ukraine auch eine Form der Sicherheitsgarantie darstelle. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte: "Das ist eine Zusammenarbeit mit Amerika zu Bedingungen, bei denen sowohl der ukrainische Staat als auch die Vereinigten Staaten partnerschaftlich Geld verdienen können".
Die internationalen Reaktionen auf das Abkommen sind gemischt. Während Selenskyj es als „fair“ bezeichnete und auf die Bedeutung für den Wiederaufbau hinwies, kritisierten einige ukrainische Abgeordnete den Mangel an Transparenz und die fehlende parlamentarische Zustimmung. Russlands ehemaliger Präsident Dmitri Medwedew verurteilte das Abkommen scharf und warf den USA vor, die Ukraine zu zwingen, nationale Ressourcen als Gegenleistung für Militärhilfe zu veräußern. Präsident Trump verteidigte das Abkommen als „Billionen-Dollar-Deal“ und betonte, dass der amerikanische Steuerzahler sein Geld zurückbekomme.
In den USA gab es schon bei Bekanntwerden der Pläne zum Rohstoffdeal Ende Februar Kritik. Demokratische Politiker wie Gregory Meeks warfen Präsident Trump vor, wirtschaftliche Hilfe an strategische Rohstoffinteressen zu knüpfen, ohne Sicherheitsgarantien für die Ukraine zu bieten. Meeks bezeichnete das Abkommen als „Erpressung“. Auch der Demokratische Senator Chris Murphy aus Connecticut äußerte Bedenken, dass das Abkommen vor allem den Interessen reicher US-Unternehmen diene und die Ukraine unter Druck setze, ihre Ressourcen zu teilen.
Fazit. Win-Win für USA und Ukraine?
Das neue Abkommen zwischen den USA und der Ukraine schafft eine enge wirtschaftliche Verbindung, die weit über finanzielle Investitionen hinausgeht. Es soll nicht nur den Wiederaufbau der Ukraine vorantreiben, sondern auch eine stabile Grundlage für langfristige Partnerschaften schaffen. Gleichzeitig setzt es ein klares Zeichen an Russland und verstärkt die ablehnende Haltung der US-Regierung gegen die russische Invasion in der Ukraine. Dennoch gibt es innenpolitische und internationale Kritik an dem Deal: Den USA wird vorgeworfen, die Notlage der Ukraine auszunutzen, um sich teilweise Kontrolle über Rohstoff-Vorkommen und Förderprojekte zu sichern.




