Trump droht Deutschland: „Wir nehmen ihnen die Arbeitsplätze weg“
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Trump droht Deutschland: „Wir nehmen ihnen die Arbeitsplätze weg“

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Simeon Koch

Donald Trump liebt die deutsche Auto-Industrie und würde die deutschen Marktführer am liebsten alle nach Amerika umsiedeln. Bei einem Wahlkampfauftritt im Swing-State Georgia erklärte Trump am Dienstag, dass er bei einem Wahlsieg deutsche Fahrzeugproduzenten und andere Automobil-Riesen in die Vereinigten Staaten locken werde: „Ich will, dass deutsche Autokonzerne zu amerikanischen Autokonzernen werden“, gab Trump vollmundig zu Protokoll und fügte an: „Ich will, dass sie ihre Fabriken hier bauen.“ Das ist auf den ersten Blick ein schönes Kompliment, auf den zweiten aber ein akutes Risiko für den deutschen Markt und  seine Arbeitnehmer.

Schon jetzt brodelt es heftig in der Autobranche, seit Wochen schwelen Streitigkeiten zwischen VW, BMW und Co. auf der einen und den Arbeitern und Angestellten ihrer Fabriken auf der anderen Seite. Der Grund: Durch die Bank planen Autobauer und Zulieferer groß angelegte Entlassungen, um die spürbaren Rückgänge beim internationalen Absatz durch harte Sparprogramme zu kompensieren. Trumps Lockrufe kommen zur Unzeit. Sind sie gefährlich für die deutsche Wirtschaft?

 „Wir werden ihre Fabriken übernehmen“

„Wir werden anderen Ländern die Arbeitsplätze wegnehmen“, sagte Trump unverhohlen bei seinem Auftritt in Giorgia. Über Jahre hinweg habe man „dem Diebstahl unserer Arbeitsplätze durch andere Länder“ zugesehen – jetzt aber wolle man den Spieß umdrehen. „Wir werden ihre Fabriken übernehmen“, drohte Trump vor allem in Richtung Deutschland, an dessen Regierung der Republikaner kein gutes Haar ließ. Bundeskanzler Olaf Scholz baue „jede Woche ein neues Kohlekraftwerk in Deutschland“, behauptete Trump fälschlicherweise.

Auch kritisierte Trump die Klima- und Umweltpolitik der Bundesrepublik, die deutsche Unternehmen in Zukunft dazu bewegen werde, in die USA zu „flüchten“, wie der Republikaner es formulierte. Insbesondere große Automobilkonzerne wie etwa Volkswagen, Mercedes-Benz oder BMW werde man unter seiner Präsidentschaft mit offenen Armen in den Vereinigten Staaten empfangen, versicherte Trump. Dafür plane er Sonderwirtschaftszonen, die „die niedrigsten Steuern, die niedrigsten Energiekosten, die geringste Regulierungslast und freien Zugang zum besten und größten Markt der Welt“ bieten werde.

Deutsche Auto-Aktien liefen seit Jahresbeginn schlechter als der europäische Auto-Index und der EURO STOXX 600, der die 600 größten europäischen Unternehmen abbildet.

Um sich dieses Privileg zu erkaufen, müssten international agierende Autobauer aber in die USA übersiedeln und ihre Fahrzeuge zu großen Teilen dort produzieren, machte Trump deutlich. Die vermeintlich freundliche Einladung verband Trump mit einer handfesten Drohung gegen ausländische Mitbewerber, die er schon in vergangenen Auftritten in Richtung der internationalen Autobranche geäußert hatte. Wer nicht in den USA fertige, habe bei Verkäufen in die Vereinigten Staaten mit hohen Importzöllen, also empfindlicher Benachteiligung im Wettbewerb mit US-Herstellern zu rechnen.

Fokussierte sich Trumps Auto-Protektionismus zunächst primär auf Fahrzeuge aus China, so schießt sich der Republikanische Präsidentschaftskandidat nun auch auf westliche Konzerne ein. Bereits in seiner ersten Amtszeit hatte Trump auf protektionistische Handelspolitik gesetzt – also Waren aus dem Ausland durch hohe Zölle verteuert, um dadurch den Absatz inländischer Unternehmen zu steigern. Auch sein Vize-Kandidat J.D. Vance setzt sich für hohe Zölle auf Importe ein, um den Markt in den USA zu stärken.

Dilemma für VW, BMW und Mercedes: USA oder Deutschland?

Trumps geplanter Zoll-Feldzug richtet sich aber nicht nur gegen ausländische Unternehmen, sondern auch gegen Firmen aus den USA, die ins Ausland abgewandert sind. So ätzte der 78-Jährige, dass Konzerne wie der Computer-Gigant IBM oder auch der milliardenschwere Mischkonzern General Electric, die in den vergangenen Jahren wichtige Standbeine in anderen Ländern aufgebaut haben, „voller Reue zu unseren Ufern zurückkehren“ würden. Amerika stilisierte Trump in seiner Rede gleich mehrfach zum gelobten Land für jeglichen Industriesektor, vor allem aber für die Auto-Branche: „Wir werden Autos auf einem Niveau herstellen, das ihr noch nie zuvor gesehen habt. Wir werden Autos herstellen, größer, besser, schöner, stärker und schneller als je zuvor.“

Dazu lade er vor allem deutsche Marken ausdrücklich ein – unter der Bedingung, dass die Produktion in großen Teilen in die USA verlagert werde: „Wenn sie ihr Produkt nicht hier herstellen, müssen sie einen Zoll bezahlen – einen sehr hohen Zoll, wenn sie ihr Produkt in die Vereinigten Staaten schicken.“ Sollte Trump tatsächlich wiedergewählt werden und seine restriktive Zollpolitik umsetzen, könnten deutsche Autokonzerne in die Zwickmühle geraten. Nach dem teilweisen Verlust des chinesischen Marktes könnte die deutsche Autoindustrie damit gleich auch noch einen zweiten wichtigen Absatzmarkt verlieren. Gleichzeitig steigt der Druck durch erboste Arbeitnehmer in Deutschland.

Während Trump lockt, streitet VW mit seinen Angestellten. Betriebsrats-Chefin Daniel Cavallo kritisierte: „Volkswagen krankt daran, dass der Vorstand seinen Job nicht macht.

2023 importierten die Vereinigten Staaten Kraftfahrzeuge im Gesamtwert von rund $37 Milliarden aus Deutschland, gefolgt von China mit einem Import-Volumen von knapp $26 Milliarden. Deutsche Hersteller wie BMW, Mercedes und VW fertigen teils seit Jahrzehnten in den USA, aber eben nicht primär. Sollten die Brancheführer ihren Heimatmarkt verlassen, hätte das schwerwiegende Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft und den Arbeitsmarkt. Schon jetzt hagelt es etwa bei Volkswagen harsche Kritik seitens der Belegschaft, vor einer Woche wurde bekannt, dass die Wolfsburger in Deutschland bis zu 30 000 Stellen streichen wollen.

Gestern sorgte der Beginn der Tarifverhandlungen mit der IG Metall bei VW für weitere Proteste, der erste Verhandlungstag endete mit einem Patt, bei dem sich beide Seiten kaum näherkamen. Einhellig mit dem VW-Betriebsrat ruft nun auch die IG Metall zum offenen Widerstand gegen die Spar- und Verschlankungspläne der Manager auf. Ab Dezember könnte es zu breit angelegten Streik-Aktionen kommen, wenn bis dahin keine Einigung gefunden ist. Trumps bittersüße Offerten in Richtung der deutschen Automobil-Industrie sorgen bei all diesen Turbulenzen nicht unbedingt für Beruhigung.

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Simeon Koch

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