Die wichtigsten Punkte
Warren Buffetts Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway hat ihre Beteiligung am chinesischen Elektroautobauer BYD nach 17 Jahren vollständig beendet. Der Ausstieg fällt in eine Phase, in der BYD erstmals seit Jahren mit sinkenden Gewinnen und rückläufigen Inlandsverkäufen zu kämpfen hat und sein Jahresziel senken musste. Gleichzeitig treibt der Konzern seine Expansion in Europa voran: Bis 2028 sollen alle für Europa bestimmten Fahrzeuge lokal produziert werden, mit ersten Werken in Ungarn ab 2025 und in der Türkei ab 2026. Besonders in Spanien gewinnt BYD durch günstige Preise und ein schnell wachsendes Händlernetz rasant Marktanteile und übertrifft beim Absatz von Elektro- und Hybridautos deutlich den europäischen Durchschnitt.
Was passiert ist
Warren Buffetts Berkshire Hathaway hat seine Position beim chinesischen Autohersteller BYD vollständig geschlossen. Das geht aus einer Meldung hervor, die das Ende einer 17-jährigen Beteiligung bestätigt. Berkshire war 2008 für rund 230 Mio. US-Dollar mit circa 225 Mio. Aktien (damals etwa 10 Prozent) eingestiegen und hatte seit 2022 schrittweise verkauft.
In den offiziellen Unterlagen von Berkshires Energiesparte wurde der Wert der BYD-Beteiligung Ende 2024 noch mit 415 Millionen Dollar angegeben, wenige Monate später, zum 31. März 2025, stand dort plötzlich null. Das heißt nicht, dass die Aktien wertlos geworden sind, sondern dass Berkshire sie komplett verkauft hat und deshalb in den Unterlagen kein Wert mehr aufgeführt wird. Eine Begründung für den Ausstieg gab Berkshire laut Reuters nicht ab.
Der lange Bogen der Beteiligung
Buffetts Engagement in BYD war eines der prominentesten US-Investments in Chinas E-Mobilität. Der Kurs vervielfachte sich über die Jahre, bevor Berkshire im Jahr 2022 mit Verkäufen begann, vor dem Hintergrund eines zwischenzeitlich mehr als zwanzigfach gestiegenen Aktienpreises.
BYDs Kommunikationschef Li Yunfei dankte Berkshire öffentlich für 17 Jahre „Begleitung“ und bezeichnete den Ausstieg als normalen Börsenvorgang.
Marktumfeld: Gegenwind im Heimatmarkt
BYD steht in China aktuell vor einem härteren Umfeld. Die Regierung geht gegen Preiskämpfe vor, gleichzeitig verzeichnete BYD den ersten Gewinnrückgang seit dreieinhalb Jahren. Die Inlandsverkäufe, fast 80 Prozent der weltweiten Auslieferungen, sanken im August den vierten Monat in Folge. BYD kappte zudem das Jahresziel um bis zu 16 Prozent auf 4.6 Mio. Fahrzeuge.
Diese Daten liefern Kontext zum Timing des Berkshire-Ausstiegs, sagen jedoch nichts über die internen Motive des Investors aus; Berkshire äußerte sich dazu nicht.
Offensive in Europa: Produktion vor Ort statt Import
Parallel baut BYD seine Präsenz in Europa aus und will bis 2028 sämtliche für Europa bestimmten Elektroautos lokal fertigen. Ein Werk in Ungarn soll Ende 2025 anlaufen; für die Türkei ist der Produktionsstart 2026 vorgesehen. Strategisch hilft dies, EU-Zölle zu umgehen und Lieferketten zu verkürzen.
Laut BYD-Vizechefin Stella Li werden in Europa kurzfristig Plug-in-Hybride die Verkäufe dominieren. Zudem plant BYD, die Luxusmarke Yangwang 2027 nach Europa zu bringen.
Spanien als Gradmesser: Preis, Händlernetz und Tempo
Besonders in Spanien gewinnt BYD schneller Marktanteile. Aggressive Preise. teils rund 10 000 Euro unter europäischen Rivalen und eine Expansion des Händlernetzes auf nahezu 100 Standorte treiben den Absatz. Im Juli kletterte BYDs Anteil am EV/PHEV-Markt in Spanien auf über 10 Prozent und lag damit mehr als doppelt so hoch wie im europäischen Durchschnitt und etwa dreimal so hoch wie Teslas Anteil.
Auch im Gesamtmarkt macht BYD Boden gut: 1.8 Prozent Marktanteil bis August, nach 0.3 Prozent im Vorjahr; die Verkäufe stiegen bis August um 675 Prozent auf über 14 000 Fahrzeuge.
Was der Spagat bedeutet
Der gleichzeitige Berkshire-Ausstieg und die Europa-Offensive zeigen zwei Ebenen: Auf Investorenseite endet eine langjährige Wette, ohne öffentliche Begründung. Auf Unternehmensebene versucht BYD, Abhängigkeiten vom chinesischen Markt zu reduzieren und Erlöse in Europa zu steigern, wo PHEVs aktuell besser ankommen als rein batterieelektrische Fahrzeuge. Die lokale Fertigung soll Kosten und Zölle senken und die Marke europäischer machen. Das erhöht den Wettbewerbsdruck auf Hersteller wie Volkswagen, Stellantis und Renault, gerade in preissensiblen Segmenten.




