Tesla, VW, Mercedes, Nio: Warum Auto-Aktien weltweit schwächeln
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Tesla, VW, Mercedes, Nio: Warum Auto-Aktien weltweit schwächeln

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Simeon Koch

42 Prozent weniger Gewinn als letztes Jahr, ein Umsatzrückgang von sieben Prozent beim Verkauf von Fahrzeugen: Zum zweiten Mal hintereinander vermeldete Tesla im abgelaufenen zweiten Quartal ein dickes Minus bei den wichtigsten Geschäftszahlen. Der Umsatz wuchs zwar hauchzart, die Gewinnmarge aber ist so gering wie lange nicht. Während bei Tesla spekuliert wird, ob Elon Musks offene Unterstützung für den Republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump wichtige Tesla-Kunden vergraulen könnte, geraten große Automobil-Konzerne auf der ganzen Welt aktuell in ähnliche Turbulenzen. Das betrifft auch das Autoland Deutschland: Seit den ersten Aprilwochen brach etwa die Porsche-Aktie um 30 Prozent ein, bei Volkswagen und Mercedes waren es rund 20 Prozent. In den Vereinigten Staaten schwand das Anlegervertrauen in die Branche ebenfalls: Die Ford-Aktie verlor in den letzten drei Monaten fast ein Viertel an Wert, General Motors büßte im selben Zeitraum sechs Prozent ein, rutschte allein in den letzten zwei Wochen um deutliche 13 Prozent ab.

Selbst in China, dem aggressivsten Mitbewerber um den globalen E-Auto-Markt, strauchelten die Marktführer gehörig: Seit Mitte März knickte der Shanghaier Elektroauto-Konzern Nio um heftige 32 Prozent ein, der etwas kleinere Konkurrent Geely kam mit einem Minus von 24 Prozent nur marginal besser weg. Im Vergleich dazu performte der Marktführer BYD mit einem Kursverlust von gut vier Prozent seit Anfang Mai noch relativ gut – möglicherweise auch dank starker Präsenz während der Fußball-EM in Deutschland. In vergleichbare Schwierigkeiten gerieten der südkoreanische Konzern Hyundai, der allein in der letzten Woche um zeitweise rund 20 Prozent korrigierte und der weltgrößte Automobilhersteller Toyota aus Japan, dessen Börsenwert seit Ende März um 25 Prozent fiel. Gleich zwei wichtige Gründe für die globale Autobauer-Schwäche sind politischer Natur – und auf beiden Seiten des Pazifiks zu finden: Sowohl die Vereinigten Staaten als auch China könnten bald höhere Zölle auf Autos und entsprechende Bauteile erheben, Europa hat bereits vor einigen Wochen Strafabgaben auf chinesische Auto-Importe beschlossen. Aber auch der schwächelnde Markt für Elektroautos bereitet den Herstellern Sorge. Der Stromer-Boom stockt vielerorts seit Monaten.

E-Auto-Krise in den USA und Deutschland

Der vergangene Donnerstag war ein schwarzer Tag für den traditionsreichen Autohersteller Ford. Zum zweiten Mal infolge verfehlte der nordamerikanische Konzern mit seinen Quartalszahlen fast alle Erwartungen der Wall Street. Statt $0.68 pro Aktie erzielte man lediglich einen Gewinn von $0.47 pro Anteilsschein, mit $1.8 Milliarden war der Nettogewinn um rund $100 Millionen niedriger als im zweiten Quartal des Vorjahres. Dass Ford seinen Gesamtumsatz leicht steigern konnte, stellte die Anleger nicht zufrieden, die Aktie rasselte allein am Donnerstag um gute 18 Prozent abwärts und erlebte den heftigsten Tages-Abverkauf seit 2008. Und das, obwohl man in Sachen Elektroauto-Marktanteil in den Vereinigten Staaten deutlich zum immer noch unangefochtenen nationalen Marktführer Tesla aufschließen konnte. Allerdings ist der E-Automarkt schon länger nicht mehr so profitabel wie noch vor wenigen Jahren. Ein heftiger Preiskampf zwischen chinesischen und westlichen Anbietern macht selbst den Dominatoren der Branche das Leben schwer, ausgerechnet in großen Autoländern wie Deutschland und den USA sinkt die Nachfrage nach E-Autos deutlich.

E-Auto-Zulassungen seit Januar 2023 in Deutschland laut Kraftfahrt-Bundesamt. Um das Ziel von 15 Mio. bis 2030 zu erreichen, müssten ab 2024 monatlich 5000 E-Autos zugelassen werden (grüner Balken).

In Deutschland wurden im ersten Quartal des aktuellen Jahres nur gut 81 000 E-Autos zugelassen, ein Rückgang von gut 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die E-Auto-Verkäufe gingen um gut 16 Prozent zurück, auf vollelektrische Fahrzeuge entfielen hierzulande nur noch knapp zwölf Prozent aller Neuzulassungen in den ersten drei Monaten des Jahres. ADAC-Experte Sascha Coccorullo sagte dem ZDF schon im Mai, dass das E-Auto-Ziel der Bundesregierung von 15 Millionen zugelassenen Autos bis 2030 bereits jetzt nicht mehr zu erreichen sei. Im besten Fall für die Branche wäre laut Coccorullo „ein Bestand von 8.6 Millionen E-Autos möglich“ – eine sehr ernüchternde Erkenntnis für die größten deutschen Auto-Konzerne, die sich einen Umstieg auf E-Mobilität auf die Fahne geschrieben haben. Die Preise für E-Autos sind bei vielen Herstellern weltweit noch zu hoch, um Kunden einen einfachen Umstieg zu erleichtern, vielerorts fehlt es noch an notwendiger Infrastruktur. In Deutschland fielen im Frühjahr umfangreiche Förderungen weg, die zu einem kurzzeitigen Hype um E-Autos geführt hatten. Nun aber fehlt dieser Anreiz.

E-Auto-Allzeithoch trotz Zoll-Krieg

Hinzu kommt die politische Unsicherheit wegen schwelender Zollkonflikte zwischen Europa und den Vereinigten Staaten auf der einen und China auf der anderen Seite. Mitte Mai vervierfachte die Regierung unter Präsident Joe Biden die Zölle für chinesische Elektroautos und schraubte die fälligen Abgaben für chinesische Auto-Importe in die Vereinigten Staaten auf satte 100 Prozent hoch. Peking kündigte drastische Gegenmaßnahmen an und nahm dabei auch die Europäische Union in den Fokus, die den USA folgte und ihre Zölle auf chinesische Autos vor wenigen Wochen ebenfalls erhöhte. China aber dürfte nicht die einzige Nation bleiben, die in Sachen Zölle ins nordamerikanische Fadenkreuz gerät. Bei einer zuletzt immer wahrscheinlicheren Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus dürften über mehrere Branchen hinweg auch die Zölle für Einfuhren aus anderen Staaten erhöht werden. Trump ist für seine protektionistische Wirtschaftspolitik bekannt und dürfte auf diese Weise versuchen, die amerikanische Industrie im internationalen Wettbewerb zu stärken.

Bei einer Rede in der Ford-Stadt Detroit sagte Trump Mitte Juli, dass chinesische Firmen in den USA produzieren sollten. Für importierte Autos werde er die Zölle verdoppeln oder verdreifachen.

Auf einen Schlag könnten europäischen und vor allem deutschen Autobauern mit China und den USA also ihre zwei mit Abstand wichtigsten Absatzmärkte verloren gehen. Und diese Verunsicherung ist in der deutschen Auto-Branche deutlich spürbar. Laut Umfragen unter Führungskräften wichtiger Player des Sektors planen fast 60 Prozent aller befragten Autofirmen für die nächsten fünf Jahre einen Stellenabbau. Als ebenso prominentes wie trauriges Beispiel geht der Friedrichshafener Autozulieferer ZF voran, der bis 2028 bis zu 14 000 seiner derzeit 54 000 Stellen und damit jeden vierten Job im Unternehmen streichen will. Nach Bosch ist ZF der zweitgrößte Zulieferer für Auto-Konzerne in Deutschland. Auch Bosch will Stellen abbauen, gibt dazu aktuell aber noch keine genaueren Angaben. Und auch die deutschen Autobauer selbst reagieren.

So will etwa Volkswagen im E-Werk in Zwickau weitere 1000 Jobs streichen, nachdem man schon im vergangenen Herbst 800 Verträge hatte auslaufen lassen. Die VW-Tochter Audi möchte zudem wohl ein E-Werk in Brüssel mit 3000 Mitarbeitern deutlich eindampfen. Ganz so düster wie auf den ersten Blick sieht es im E-Auto-Sektor dann aber doch nicht aus. Während in Deutschland die E-Auto-Verkäufe zurückgehen, steigen sie in Frankreich und Großbritannien leicht an. Im zweiten Quartal erreichte der weltweite E-Auto-Absatz mit fast 2.6 Millionen verkauften Fahrzeugen ein Allzeithoch. Allein zum ersten Quartal bedeutete das eine Steigerung von fast 20 Prozent. Hoffnung bleibt also auf eine rasche Erholung der wichtigsten Auto-Konzerne des Planeten. Wie sich die Aktien entwickeln werden, analysieren wir schon jetzt – sowohl für die DAX-Giganten VW, Mercedes und Porsche und den nordamerikanischen Shootingstar Tesla als auch für die chinesische Konkurrenz um Nio, BYD und Geely.

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Simeon Koch

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