Strafe nach Regelverstoß: Küchenriese Rational nicht mehr im MDAX
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Strafe nach Regelverstoß: Küchenriese Rational nicht mehr im MDAX

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Patrick May

Die DAX-Familie wird umstrukturiert. Zündstoff für hitzige Debatten lieferte dabei der Hersteller von Großküchengeräten Rational, der grundlegende Börsenregeln missachtete und deshalb aus dem MDAX flog. Der MDAX bildet die 50 größten deutschen Unternehmen ab, die nach Marktkapitalisierung und Handelsvolumen an der Börse auf die 40 DAX-Beletage folgen. Rational muss diese prestigeträchtige Runde nun verlassen, die Deutsche Börse zog die Unabhängigkeit des Aufsichtsrats beim Küchenspezialisten in Zweifel und hatte bei ähnlichen Fällen schon in der Vergangenheit hart durchgegriffen. Auch bei den anderen Geschwistern des deutschen Leitindexes gab es Veränderungen, die für Aufsehen sorgten. So bekommt der SDAX, mit den 70 nächstkleineren Firmen wiederum der kleine Bruder des MDAX, Zuwachs aus der Finanzbranche. Der TecDAX, die Gilde der 30 größten deutschen Technologiewerte, freut sich über neue Gesichter aus der Medizin-, Automobil- und Halbleitertechnik.

Verstoß gegen Sorgfaltspflicht: Rational fliegt raus!

Dass ein Unternehmen wegen Regelbrüchen der größten deutschen Aktienindizes verwiesen wird, kommt nicht so häufig vor. Seit dem Wirecard-Skandal ist die Deutsche Börse bei Verstößen gegen ihre Richtlinien aber deutlich sensibler und strenger geworden. Getroffen hat es nun also den Industrieküchen-Produzenten Rational, der den MDAX verlassen muss, weil das Landsberger Unternehmen ein Basiskriterium für die Listung nicht mehr erfüllte. Stein des Anstoßes war die Rolle des stellvertretenden Vorsitzenden des Aufsichtsrats Hans Maerz. Die Deutsche Börse bemängelte, dass Maerz, der auch im Prüfungsausschuss von Rational saß, die Zwölfjahresgrenze als Mitglied der Führungsetage überschritten habe und deshalb laut ihrer Regelung nicht mehr als unabhängig gelten kann. Zwar zieht Maerz sich mit dem Ende der Amtszeit des Gesamtaufsichtsrats Anfang Mai zurück, die Börse beharrt dennoch auf ihrer Richtlinie und weist dem Unternehmen kurzerhand mit dem 18. März die Tür.

Rational hatte im letzten Quartal des vergangenen Jahres mut rund 293€ Millionen einen Umsatzrekord aufgestellt. Ein starkes Jahresendgeschäft und ein großer Zusatzauftrag eines asiatischen Kettenkunden seien für das Wachstum verantwortlich gewesen, ließ das Unternehmen verlauten. Die vorgeworfene Missachtung des sogenannten Corporate Governance-Kodex der Deutschen Börse durch die lange Amtszeit von Hans Maerz versetzt dem Küchenriesen durch den MDAX-Ausschluss einen herben Dämpfer: Das schwindende Anlegervertrauen äußerte sich in einem Rückgang der Rational-Aktie, die zwischenzeitlich den tiefsten Stand seit Mitte Januar erreichte – verständlich angesichts der Tatsache, dass große Anbieter von Indexfonds der DAX-Familie Rational nun erstmal aus ihren Portfolios entfernen müssen, was zu weiterem Abgabedruck führen könnte. Die Indexgruppe wird vierteljährlich aktualisiert, Experten kritisieren schon länger den großen Einfluss auf Kurse großer deutscher Unternehmen, den die Börse durch ihre regelmäßige Anpassung und (Neu-) Verteilung der Index-Plätze ausübt.


„Wiederaufnahme” steht laut Rational „nichts im Wege”

Hitzige Debatten entbrannten unter Börsenkennern auch um die Sanktionierung von Rational. Moniert wurde die Ungeduld der Regelhüter angesichts des ohnehin geplanten Stühlerückens im Rational-Vorstand. Unterstützer der Maßnahme lobten die Börse für ihre Konsequenz, selbst bei großen Namen wie Rational. Das Tor zum MDAX ist für die Bayern damit aber nicht endgültig zugefallen, Hoffnung auf ein Comeback machen Fälle aus der Vergangenheit, wo die Deutsche Börse anfangs hart blieb, sich dann aber doch erweichen ließ. Probleme mit dem Aufsichtsrat hatte vergangenes Jahr auch der Getränke-Abfüller Krones, der daraufhin ebenfalls seinen MDAX-Platz räumen musste. Nach personellen Veränderungen wurde das Unternehmen aber wieder in den Index aufgenommen, Rational will es seinem Vorgänger nun gleichtun. Der Vorstandsvorsitzende Peter Stadelmann sagte in einer ersten Stellungnahme am Mittwoch: „Mit der Neubesetzung des Prüfungsausschusses erwarten wir, ab der Hauptversammlung am 8. Mai 2024 wieder alle Indexkriterien vollumfänglich zu erfüllen. Wir sind zuversichtlich, dass einer Wiederaufnahme in den MDAX nichts im Wege steht.”

Rational war aber nicht die einzige Veränderung in der DAX-Familie, die hohe Wellen schlug. Die Neustrukturierung der Indizes fügte dem Branchenportfolio neue Facetten hinzu: Das bayerische Biopharma-Unternehmen Morphosys ersetzt Rational im MDAX, während der Industrieanlagen-Bauer Bilfinger für die Elektrotechnik-Firma Vitesco in den Index aufsteigt. Profitieren konnte Bilfinger dabei von der Vitesco-Übernahme durch den Herzogenauracher Maschinenbauer Schaeffler, wodurch Vitesco in den SDAX abgestuft wird. Dort und im TecDAX machten die Aufnahme von Unternehmen wie der Finanzberatung MLP, den Medizintechnik-Experten von Eckert & Ziegler und den Halbleiter-Produzenten Süss Microtec Schlagzeilen. Die Bedeutung dieser Anpassungen für Anleger und den Markt scheint begrenzt, da passive Fonds, die diese Indizes abbilden, nicht weit verbreitet sind. Dennoch können solche Umstellungen kurzfristig Kursbewegungen auslösen und bieten Einblicke in die strengeren Anforderungen und das gestiegene Bewusstsein der Deutschen Börse für Sorgfalt in der Unternehmensführung.

Die Börse macht ernst – und schreibt neue Rekorde

Der Fall von Rational unterstreichen die Notwendigkeit für Unternehmen, die Governance-Regeln sorgfältig zu beachten und bei Bedarf Anpassungen vorzunehmen, um ihre Position in den wichtigen deutschen Aktienindizes zu sichern. Es ist ein klares Signal an alle börsennotierten Unternehmen, dass die Einhaltung von Governance-Regeln keine Option, sondern eine Bedingung für ihre Teilnahme am lukrativen Tagesgeschäft der größten deutschen Handelsplätze ist. Die Deutsche Börse zeigt damit, dass sie bereit ist, Konsequenzen zu ziehen, um die Glaubwürdigkeit und Attraktivität ihrer Indizes zu wahren. Rational könnte dank der Neubesetzung seines Aufsichtsrats mit einem blauen Auge davonkommen, langfristig kann dies sogar zu einer Stärkung des Unternehmens führen: Die neue Personalpolitik dürfte nachhaltige Strukturen etablieren, die Zusammenarbeit mit der Börse verbessern und das Vertrauen der Anleger stärken. Wer von den neuesten Entwicklungen auf dem Heimatmarkt profitieren möchte, sollte die Entwicklung des DAX-Index im Auge behalten, dessen jüngste Höchststände – etwa das neue Allzeithoch am gestrigen Nachmittag – unsere technische Analyse schon länger vorhergesehen hat. Spannend bleibt es auch bei den 40 DAX-Konzernen, die unser DAX40-Paket im Auge behält. Abonnenten erhalten nicht nur Kursprognosen, sondern auch Echtzeit-Signale für lukrative Einstiegs- und Handelsmöglichkeiten.

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Patrick May

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