Stoppen Trumps Zölle den Altcoin-Bullrun?
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Stoppen Trumps Zölle den Altcoin-Bullrun?

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Simeon Koch

Wissen Sie noch, wo Sie waren, als die Kryptobörse FTX im Winter 2022 zusammengebrochen ist? Haben Sie noch im Kopf, wie Sie im Mai desselben Jahres erfahren haben, dass Terra Luna kollabiert und der zugehörige UST-Stablecoin plötzlich wertlos geworden ist? Können Sie sich noch daran erinnern, was Sie gefühlt haben, als Sie beim Corona-Crash in Ihr Portfolio geschaut haben? Oder beim Yen-Carrytrade-Abverkauf letzten August? Es sind diese historischen Tage, die sich in unser Gedächtnis einbrennen. Die so tief in unserer Erinnerung sitzen, dass sie auch Jahre später noch seltsam klar aus den Bildern der Vergangenheit hervortreten. Man kann sich an den Ort erinnern, wo man war, als man sich der Tragweite des jeweiligen Augenblicks bewusst wurde. An die Menschen, die dabei waren und die Emotionen, die hochkamen.


Nach der Sommer-Korrektur 2024 ging es für den Altcoin-Sektor deutlich aufwärts. Nun folgte die erste große Korrektur.

Vielleicht wird man dasselbe in einigen Jahren über diesen gestrigen Tag sagen. Damals, wird es dann heißen, damals dachten wir, die Welt geht unter. Und trotzdem ist es auch diesmal weitergegangen. Man wird sich daran erinnern, wie man morgens auf die Kurse geschaut und den Morgenkaffee fast auf den Bildschirm geprustet hat. Wie man zu realisieren versuchte, was da gerade passiert. Und wie man hektisch nach Erklärungen sucht für diesen historischen Moment. Denn es muss Erklärungen geben an so einem Tag. Für so etwas. Für die heftigsten Liquidationen in der Kryptogeschichte, bei denen mehr Hebelpositionen eliminiert wurden als bei FTX, Terra Luna oder dem Corona-Crash. Und tatsächlich gibt es sie – die Erklärungen für diesen blutroten Montag. Oder wenigstens für die Panik, die für diesen Abverkauf mitverantwortlich war.

Trump schockt die Märkte: Zollkrieg im Anmarsch? 

Der wohl wichtigste Grund für die plötzlichen Turbulenzen auf den Aktien- und Kryptomärkten sind die Strafzölle, die Donald Trump bereits Ende letzter Woche gegen die drei wichtigsten Handelspartner der Vereinigten Staaten verhängte. 25 Prozent werden künftig auf Waren aus Kanada und Mexiko aufgeschlagen, zehn Prozent auf chinesische Produkte. Dabei gibt es zunächst keine expliziten Ausnahmen, die Zölle richten sich gegen allgemeine Einfuhren aus diesen Staaten. Kanada und China reagierten bereits mit Gegenmaßnahmen und erhöhten ihrerseits die Importabgaben auf US-amerikanische Waren. Gleichzeitig schoss der Wert des US-Dollars im Vergleich zu anderen Währungen nach oben. Und das tut den Finanzmärkten bekanntermaßen gar nicht gut.


Die Stärke im US-Dollar könnte sogar zu Deflation führen. Auch das ist für die Gesundheit einer Volkswirtschaft gefährlich.

Dass die US-Währung prompt mit einer kleinen Rallye reagierte, ist einfach erklärt: Die Strafzölle gegen China, Mexiko und Kanada verteuern Importe aus diesen Ländern. Dadurch kaufen US-Unternehmen und Verbraucher weniger aus dem Ausland und mehr in den USA. Gleichzeitig fließt weniger US-Dollar ins Ausland, weil weniger importiert wird. Zudem ziehen Investoren Geld in die USA, da Zölle US-Firmen schützen und die Wirtschaft kurzfristig stärken könnten. Diese höhere Nachfrage nach dem Dollar lässt dessen Wert steigen. Gleichzeitig schwächt sich die Währung der betroffenen Länder ab, weil ihre Exporte in die USA sinken.

Für Aktien und Risiko-Anlagen wie Kryptowährungen entstehen daraus gleich mehrere Probleme: Erstens bedeutet ein möglicher Zollkrieg mit den wichtigsten Handelspartnern der USA, dass sich Waren und Rohstoffe für Produzenten und Konsumenten verteuern. Das sorgt für Preissteigerungen bei Produkten, die aus dem Ausland kommen oder mithilfe von Importgütern hergestellt werden. In unserer globalisierten Welt betrifft das fast jedes Produkt, welches im Supermarkt zu finden ist. Diese Teuerung kann wiederum die Inflation befeuern und die US-Notenbank dazu zwingen, ihre restriktive Zinspolitik länger aufrecht zu erhalten. Da Bitcoin und Altcoins frische Liquidität und lockere Geldpolitik benötigen, um nachhaltig zu wachsen, verkauften viele Anleger bei Bekanntwerden der neuen Strafzölle.

Stoßen Trumps Zölle die USA in eine Rezession?

Das nächste Problem ist die Konjunktur. Steigen die Preise für Importe und Exporte, leiden die Verkäufe US-amerikanischer Unternehmen – zumindest, bis produzierte Überschüsse durch gesteigerte Binnennachfrage aufgefangen werden. Das nämlich ist Trumps Kalkül: Ausländische Waren sollen für amerikanische Konsumenten unattraktiv werden, damit sich die nationale Nachfrage wieder stärker auf heimische Produkte fokussiert. Einfach gesagt: Wenn Amerikanern die chinesischen E-Autos zu teuer werden, steigen sie wieder auf amerikanische Fabrikate um. Im Idealfall reicht diese Binnennachfrage aus, um das reduzierte Kaufvolumen aus dem Ausland zu kompensieren. Schließlich produzieren US-Firmen im großen Stil für den globalen Markt, der sich ihnen durch Vergeltungsmaßnahmen gegen Trumps Zoll-Attacken verschließen könnte.


Während Kleininvestoren (blau) seit der US-Wahl viele BTC abstoßen, kaufen große Wallets (lila) kräftig.

Trumps Ziel ist also, die ausländische Konkurrenz zu schwächen, US-amerikanische Unternehmen stärker von der Binnennachfrage profitieren zu lassen und heimische Betriebe davon abzuhalten, auszuwandern. So weit, so gut. Das Problem ist: So einfach ist das mit dem geschlossenen Wirtschaftszyklus innerhalb eines Landes nicht. Nahezu jede US-Firma bezieht Bauteile, Rohstoffe oder Produktionsmittel aus anderen Ländern. Dadurch steigen Produktionskosten, die in Form höherer Verkaufspreise an den Konsumenten weitergegeben werden. US-Bürger müssen die verteuerten heimischen Produkte dann wohl oder übel kaufen, weil ausländische Waren durch die Zölle noch teurer sind. Auch Lebensmittel, Energieträger oder Kleidung werden importiert, im Einzelhandel werden auch diese Dinge teurer.

Nicht nur steigen dadurch die Preise. Auch verringern sich durch höhere Produktionskosten die Gewinnmargen der Unternehmen. Haben Firmen weniger Einnahmen, können sie weniger Angestellte bezahlen, investieren vorsichtiger und müssen womöglich sogar die Produktion kürzen. Das alles bringt im schlechtesten Fall hohe Arbeitslosenzahlen und verringertes Wirtschaftswachstum. Damit befeuern Trumps Strafzölle die schon fast vergessenen Rezessionsängste, die schon im vergangenen Jahr auf den Finanzmärkten lasteten. Besonders übel wäre, wenn die Zölle gleichzeitig für hohe Inflation und niedriges Wachstum sorgen. Dieses Szenario der sogenannten Stagflation (Inflation und ökonomische Stagnation) ist das denkbar schlechteste Umfeld für Risiko-Assets wie Kryptowährungen und führt in der Regel in lange Rezessionen.

Wie geht es mit Bitcoin und Altcoins weiter?

Und auch die Makro-Lage im Kryptomarkt scheint aktuell düster: Keine Aussicht auf baldige Zinssenkungen in den USA, drohende Inflation und wirtschaftliche Schwäche durch Trumps Zölle. Da ist es kaum verwunderlich, dass Anleger die Hoffnung auf eine baldige Altcoin-Season verlieren und ihre Positionen abstoßen. Das triste Bild, das der Kryptomarkt gerade abgibt, lockt kaum neue Investoren an. Ohne frisches Geld neuer Investoren sind große Altcoin-Rallyes wie in den letzten Bullenmärkten kaum möglich. Wie Börsendaten zeigen, ist das Interesse von Kleinanlegern aktuell so gering wie noch nie in diesem Bullenmarkt. Und als wäre diese Flaute nicht schon genug, sorgt auch noch die Entfernung des marktführenden Stablecoins USDT von europäischen Börsen für Unsicherheit.


Trotz der USDT-Querelen in der EU steht die Umlaufmenge der wichtigsten Stablecoins auf Rekordniveau.

Die europäische MiCA-Regulierung verpflichtet Börsen mit offiziellen Lizenzen in der EU dazu, ihre USDT-Dienste einzustellen, weil der Tether-Stablecoin nicht den regulatorischen Vorgaben entspricht. In den letzten Tagen haben die beiden großen Börsen Crypto.com und Kraken Nägel mit Köpfen gemacht und USDT aus ihrem europäischen Programm entfernt. Auch Coinbase hat angekündigt, die Unterstützung für USDT einzustellen. Dass der Kryptomarkt dadurch nachhaltig beeinträchtigt wird, ist trotz der aktuellen Verunsicherung kaum zu befürchten. Erst kürzlich stieg das Umlaufangebot der wichtigsten Stablecoins auf neue Rekordstände. Große Investoren sichern sich offenbar frische Liquidität für Investments in Bitcoin und Altcoins – und legen sich schon jetzt deutlich ins Zeug.


Flucht in Sicherheit: Mit dem Altcoin-Abverkauf Anfang der Woche ist die Bitcoin-Dominanz auf 64 Prozent geschnellt.

Denn während Kleinanleger in den letzten Wochen große Bitcoin-Bestände verkauft haben, wachsen die Wallets großer Investoren so stark wie seit Monaten nicht mehr. Den Wendepunkt markierte die US-Wahl, die Donald Trump bekanntlich Anfang November gewonnen hat. Wissen große Investoren wieder einmal mehr als die kleinen Fische? Fakt ist: Der Fear-and-Greed-Index steht zum ersten Mal seit Mitte Oktober im Angst-Bereich, das Interesse an Krypto ist so gering wie seit Monaten nicht. In der Vergangenheit waren das stets gute Voraussetzungen für deutliche Anstiege. Dass Trumps Zoll-Attacken mittelfristig zum Problem für die US-Wirtschaft und die globalen Finanzmärkte werden könnten, ist nicht von der Hand zu weisen. Und dennoch dürfte die erste panische Marktreaktion der vergangenen Stunden – wie so oft in derart historischen Momenten – übertrieben gewesen sein.

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Simeon Koch

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