Das chinesische Start-up DeepSeek sorgt für einen Paukenschlag in der KI-Branche. Mit einer erstaunlich niedrigen Investition von nur sechs Millionen Dollar will das Unternehmen ein KI-Modell entwickelt haben, das mit den Großen der Branche mithalten kann. Diese unerwartete Effizienz stellt die bisherigen Annahmen über notwendige Infrastrukturinvestitionen fundamental in Frage. Selbst Sam Altman, der Gründer des bekanntesten KI-Models ChatGPT, bestätigte in einem Interview die Effizienz des chinesischen Kontrahenten. Der Erfolg der chinesischen Konkurrenz sporne ihn an, noch intensiver an seinem eigenen Modell zu arbeiten. In Turbulenzen gerieten nach der DeepSeek-Überraschung nicht nur die Tech-Elite um Nvidia oder Microsoft, sondern auch KI-Pioniere aus dem KI-Sektor wie Siemens Energy.
Börsenbeben trifft Energiesektor
Das chinesische KI-Unternehmen DeepSeek existiert eigentlich schon seit mehr als einem Jahr und hat jenes Modell, das Anfang der Woche weltweit für Schlagzeilen sorgte, bereits vergangenen Dezember veröffentlicht. Dennoch trat der fernöstliche Shootingstar Anfang dieser Woche so richtig in Erscheinung, weil ein unabhängiger Test belegte, dass DeepSeek in vielen Belangen besser ist als der bisherige Marktführer ChatGPT. DeepSeek überholte ChatGPT an der Spitze der global am häufigsten heruntergeladenen Apps und versetzte mit dieser Neuigkeit am Montag die Börsen in Turbulenzen. Besonders hart traf es neben den Unternehmen aus der ersten Reihe (wie die Chip-Hersteller Nvidia, ASML oder Taiwan Semiconductors) die Unternehmen aus der zweiten Reihe der KI-Revolution, etwa im Energiesektor und der Rechenzentrumsinfrastruktur. Auch in Deutschland waren die DeepSeek-Erschütterungen zu spüren.
Der Aktienkurs von Siemens Energy brach an der Spitze um über 20 Prozent ein, während Schneider Electric Verluste von 9.5 Prozent hinnehmen musste. Der schwedische Spezialist für Kühltechnik Munters rutschte um 14 Prozent ab. Und das kurz nach den aussichtsreichen Nachrichten rund um das US-Megaprojekt Stargate: Vor gut einer Woche hatte US-Präsident Trump angekündigt, dass bis 2029 insgesamt 500 Milliarden Dollar in die KI-Infrastruktur investiert werden sollen. Die Investitionen sollen die globale Führungsrolle der USA in diesem zukunftsweisenden Sektor sichern und über 100 000 Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten schaffen. Das Projekt wird von OpenAI, dem japanischen Großinvestor SoftBank, und dem Hardware-Spezialisten Oracle, getragen.
Siemens Energy kämpft an mehreren Fronten
Das Aufkommen des generativen KI-Modells DeepSeek hat nicht nur Giganten wie Nvidia getroffen, sondern auch andere Unternehmen, die von den hohen Erwartungen an Künstliche Intelligenz profitiert haben. Innerhalb des deutschen Leitindex DAX verlor Siemens Energy am gestrigen Tage in der Spitze rund ein Fünftel des eigenen Börsenwerts. Bisher profitierte das Unternehmen stark vom wachsenden Energiebedarf der KI-Rechenzentren. Die Einführung von DeepSeek legt jedoch nahe, dass möglicherweise weniger technologische Infrastruktur und Energie erforderlich ist, um neue Modelle zu trainieren. Das R1-Modell braucht angeblich weniger als zehn Prozent der Energie, die andere KI-Modelle benötigen.
Die jüngsten Ankündigungen und Tests des DeepSeek-Programms werfen nun die Frage auf, ob die zuvor antizipierten Energie- und Kapazitätsanforderungen tatsächlich notwendig sind. Diese Erwartungen wurden bereits in den Aktienkursen vieler Unternehmen in Form zukünftiger Gewinnmargen berücksichtigt und treffen jetzt möglicherweise doch nicht ein. Damit wären die Kurse der Aktienwerte überbewertet. Dabei geht es Siemens Energy aktuell alles andere als schlecht: Erst gestern verkündete der weltgrößte Offshore Windanlagenhersteller seine vorläufigen Quartalszahlen. Die operative Entwicklung des Konzerns zeigte sich robust.
Der Umsatz stieg in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres um 18.4 Prozent im Vergleich zum selben Zeitraum 2023 auf 8.1 Milliarden Euro, während sich der vorläufige Gewinn auf 463 Millionen Euro beläuft. Damit wurden die Erwartungen der Analysten deutlich übertroffen. Bereits im November letzten Jahres hatte Siemens Energy seinen mittelfristigen Ausblick angehoben, als das Unternehmen einen neuen Rekord für seinen Auftragsbestand und einen geringeren Verlust für das vierte Quartal meldete. Im Geschäftsjahr 2024 verbuchte Siemens Energy Bestellungen für Gasturbinen im Wert von 16 Milliarden Euro, während der Umsatz in diesem Segment bei 12 Milliarden Euro lag. Für die kommenden Jahre rechnet das Unternehmen mit stabiler Nachfrage ohne den zusätzlichen Bedarf aus Rechenzentren.
Ist das Geschäftsmodell von Siemens Energy gefährdet?
Beflügelt durch den KI-Boom und natürlich das solide Geschäftsmodell hat Siemens Energy in den letzten Monaten eine bemerkenswerte Entwicklung gezeigt. Innerhalb des letzten Jahres stieg der Aktienkurs um über 300 Prozent, was das Vertrauen der Investoren in die strategische Ausrichtung und die finanziellen Aussichten des Unternehmens widerspiegelt. Die Gewinne und Umsatzaussichten basieren, wie die starken Quartalszahlen belegen, nicht nur auf den KI-Hype. Analysten betonen, dass trotz der aktuellen Marktreaktionen die langfristigen Fundamentaldaten des Unternehmens weiterhin solide sind. Siemens Energy bleibt somit ein bedeutender Akteur im Energiesektor mit einem diversifizierten Portfolio, das über die Versorgung von Rechenzentren hinausgeht.
Die bahnbrechende Innovation von DeepSeek markiert vielleicht einen entscheidenden Wendepunkt für einige Unternehmen aus der KI-Branche, jedoch steht für Siemens Energy nicht das gesamte Geschäftsmodel auf dem Spiel. Trotz der aktuellen Herausforderungen kann Siemens Energy nämlich seine jahrzehntelange Expertise nutzen, um energieeffiziente Lösungen für viele Bereiche außerhalb der KI-Modelle zu entwickeln. Der Konzern hat zudem die Chance, den Wandel zu nachhaltigeren Technologien aktiv mitzugestalten und seine Position im wachsenden Markt für erneuerbare Energien, unter anderem mit der spanischen Windkraft-Tochter Siemens Gamesa, weiter auszubauen.
Die KI-Szene ändert sich durch DeepSeek dennoch nachhaltig und wird global diversifiziert. Über ein Drittel, nämlich 36 Prozent, der KI-Unternehmen haben ihren Ursprung und Sitz in den Vereinigten Staaten von Amerika. Jetzt ist das Trainieren der Modelle und Integration von KI-Modellen nicht mehr so kostenintensiv und von vielen anderen Marktteilnehmern einsetzbar. Die technologischen Neuerungen von DeepSeek, das als OpenSource-Modell problemlos von anderen KI-Programmierern übernommen werden kann, eröffnet neue Möglichkeiten, in diesem Bereich unternehmerisch tätig zu werden. Dieser potenzielle Konkurrenzkampf wiederum dürfte Innovation antreiben – die ersten Indizien liefert Sam Altmans Kampfansage in Richtung der chinesischen Mitbewerber.
Was diese Entwicklung kurz- und langfristig für die Aktien von Siemens Energy und den anderen DAX-Unternehmen bedeuten, analysieren wir täglich in unserem DAX40-Paket. Natürlich haben wir mit den China-Titans auch stets ein Auge auf chinesische Konzerne. Die US-amerikanischen KI-Vorreiter um Nvidia, Microsoft oder Google finden sich im US-Titans-Paket.




