Schottischer Ölkonzern Harbour kauft BASF-Tochter Wintershall
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Schottischer Ölkonzern Harbour kauft BASF-Tochter Wintershall

Author

Simeon Koch

Der DAX-notierte Chemiekonzern BASF verkauft seine Öl- und Gastochter Wintershall Dea für insgesamt rund zehn Milliarden Euro in bar und Aktienanteilen an den schottischen Energieriesen Harbour Energy. Die Briten übernehmen damit die Produktions- und Entwicklungsaktivitäten von Wintershall, auch die Explorationsrechte werden dem neuen Eigentümer überschrieben. BASF hatte Wintershall schon länger angepriesen, nachdem ein Börsengang gescheitert war. Kürzlich hatten auch die österreichische OMV im Verbund mit dem arabischen Ölkonzern Adnoc die Fühler ausgestreckt (lesen Sie dazu unseren letzten Wochenrückblick).

Erst 2019 war die Wintershall Dea AG durch die Fusion der Wintershall Holding und der Deutsche Erdoel AG (DEA) ins Leben gerufen worden und fördert in 13 Ländern Erdgas und Erdöl, etwa in Europa, Südamerika und Nordafrika. Die Übernahme versteht Harbour laut eigener Stellungnahme als Boost bei der globalen Erschließung neuer Märkte und als wichtigen Schritt zur Steigerung der eigenen ökologischen Nachhaltigkeit.

BASF erhält für seinen Anteil von 72,7 Prozent an Wintershall Dea $1.56 Milliarden in bar sowie neu ausgegebene Harbour-Aktien, die einem Anteil von 39.6 Prozent am neu fusionierten Konzern entsprechen. Der bisherige Miteigentümer von Wintershall, die Investment-Holding LetterOne des russischen Oligarchen Michail Fridman bekommt für ihre 27.3 Prozent rund 590 Millionen Euro sowie Aktien im Volumen von 14.9 Prozent. Ausgenommen von der Übernahme ist das Russland-Geschäft von Wintershall.

Die Wintershall-Hauptsitze in Kassel und Hamburg werden nicht Teil des Deals sein und sollen geschlossen werden. Harbour will einige Wintershall-Angestellte übernehmen, gab aber bisher keine Zahlen bekannt. Insgesamt beschäftigt Wintershall bei einem Umsatz von gut fünf Milliarden Euro rund 2800 Mitarbeiter, davon 600 in Kassel und weitere 300 in Hamburg. Laut der zuständigen Gewerkschaft IG BCE sei die Schließung der zentralen Stellen ein „harter Schlag“ für alle Beschäftigten.

Die Transaktion ist für das vierte Quartal 2024 geplant, erfordert allerdings noch die Zustimmung der Wettbewerbsbehörden. BASF möchte sich durch das Geschäft weiter von fossilen Brennstoffen emanzipieren. Dirk Elvermann, Finanzvorstand des Ludwigshafener Konzerns, resümierte über den akquirierten Verkaufspreis: „Neben der Barkomponente bieten die Anteile an Harbour, die BASF beim Abschluss der Transaktion erhalten wird, deutliches Wertsteigerungspotenzial und ermöglichen über die nächsten Jahre einen schrittweisen und optimierten Ausstieg aus dem Öl- und Gasgeschäft.

Auch Harbour gab sich nach Verkündung des Deals zuversichtlich. Laut der CEO Linda Cook sei die Eingliederung von Wintershall „der bisher größte Schritt auf unserem Weg zum Aufbau eines einzigartig positionierten, großen und geografisch vielfältigen, unabhängigen Öl- und Gasunternehmens“. Wichtig sei zudem, „dass die Übernahme auch unsere Ziele der Energiewende vorantreibt“. Dies geschehe nun, „indem wir unser Portfolio auf Erdgas umstellen und unsere Treibhausgasintensität senken“. Dank der übernommenen Expertise erziele man außerdem Fortschritte bei der Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid aus Abgasen.

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Simeon Koch

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