SAP-Chef zur KI-Politik der EU: "Bildung statt Gigafactory“
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SAP-Chef zur KI-Politik der EU: "Bildung statt Gigafactory“

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Carlo Schmid

Christian Klein, CEO beim DAX-Riesen SAP, dem wertvollsten börsennotierten Unternehmens Europas, hat sich am Dienstag in einem virtuellen Round Table mit Journalisten kritisch zur EU-Förderpolitik geäußert und betont, dass Europa keine fünf neuen Gigafactories benötige, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Stattdessen plädierte Klein dafür, die finanziellen Mittel in die Entwicklung von KI-Anwendungen und die digitale Bildung zu investieren.

Die Europäische Union plant den Bau von bis zu fünf Gigafactories für Künstliche Intelligenz, um die digitale Souveränität Europas zu stärken. Diese Rechenzentren sollen mit einem Fördervolumen von insgesamt 20 Milliarden Euro finanziert werden. Ein Standort, der bereits Interesse bekundet hat, ist Wien, wo bis zu fünf Milliarden Euro investiert werden sollen. Diese Investitionen sollen zu 35 Prozent aus öffentlichen Mitteln und zu 65 Prozent aus der Privatwirtschaft stammen.

Kritik an der KI-Politik der EU

Im Gespräch mit Journalisten verschiedener Medien kritisierte SAP-Chef Christian Klein vor allem die EU-Förderpolitik als zu stark auf Infrastruktur ausgerichtet. Er argumentiert, dass der Fokus auf Rechenzentren und Hardware nicht mehr zeitgemäß sei. "Der Zug für Hardware-Investitionen ist längst abgefahren", sagte Klein und betonte, dass es nun um die Anwendungen gehe.

Klein sieht den Schlüssel zur Stärkung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit in der Förderung von KI-Anwendungen und der Ausbildung von Talenten. Er hebt hervor, dass Europa im industriellen Bereich über eine riesige Datenbasis verfüge, die es zu nutzen gelte. Besonders in der Automobil- und Chemieindustrie sieht er Potenzial für die Implementierung von KI-Lösungen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

Datensouveränität und europäische Lösungen

Ein weiterer wichtiger Aspekt in Kleins Argumentation ist die Datensouveränität. Er betonte gegenüber der Presse, dass es nicht entscheidend sei, wo die Hardware herkomme, sondern wer die Kontrolle über die Daten habe. SAP bietet mit der Delos Cloud eine Lösung an, die es ermöglicht, Daten in Europa zu speichern und zu verarbeiten. Diese Cloud basiert auf Microsoft-Technologie, was jedoch auch Kritik hervorruft, da eine vollständige Unabhängigkeit von ausländischen Anbietern nicht gegeben ist.

Klein sieht die Kontrolle über Daten als zentralen Punkt für europäische Unternehmen. Er weist darauf hin, dass die deutsche Regierung öffentliche Daten unter besonderen Schutz stellt, um sich von ausländischen Herstellern unabhängiger zu machen. Trotz dieser Bemühungen bevorzugen viele europäische Unternehmen weiterhin US-amerikanische Cloud-Anbieter.

Wird Europa in Sachen KI abgehängt?

Die Diskussion um die Errichtung von Gigafactorys in der EU verdeutlicht die Herausforderungen, vor denen Europa im globalen Wettbewerb steht. Während die USA und China ihre technologischen Kapazitäten weiter ausbauen, muss Europa neue Wege finden, um seine Position in der digitalen Wirtschaft zu stärken. Die Förderung von KI-Anwendungen könnte ein solcher Weg sein, um in den kommenden Jahren wieder eine führende Rolle einzunehmen.

Zukünftig plant die EU, ihre Strategie zur digitalen Souveränität weiterzuentwickeln. Ein Fokus liegt dabei auf der Schaffung eines rechtlichen Rahmens, der die Datensouveränität europäischer Unternehmen stärkt. Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, die Abhängigkeit von ausländischen Anbietern zu reduzieren und die Wettbewerbsfähigkeit Europas im digitalen Zeitalter zu sichern. SAP-Chef Christian Klein dürfte damit in weiten Teilen einverstanden sein – sofern die EU ihren Fokus von technischer Infrastruktur auf Bildung und Datenverfügbarkeit verschiebt.

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