Robotik 2025: Wer führt das Roboter-Wettrüsten an?
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Robotik 2025: Wer führt das Roboter-Wettrüsten an?

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Manuel Gottschalk

Ein Paradigmenwechsel prägt die Robotik-Branche: Die Konstruktion humanoider Roboter ist heute vor allem eine Software-Disziplin. Die mechanische Hardware – Motoren, Getriebe, Sensoren – gilt weitgehend als ausgereift. Entscheidend ist nun die Software, die diese Hardware steuert.

Ein mechanisch perfekter Roboter ohne intelligente Steuerung ist wertlos. Umgekehrt kann exzellente Software mittelmäßige Hardware weitgehend kompensieren. Dieser Wandel hat weitreichende Konsequenzen: Die Eintrittsbarrieren sinken für Software-Unternehmen, während traditionelle Maschinenbauer unter Druck geraten. Der Kampf um die besten KI-Talente, nicht um Mechanik-Ingenieure, bestimmt zunehmend die Wettbewerbsposition.

Der globale Roboter-Wettlauf: Wer führt, wer verliert?

Die USA führen bei Software und KI. OpenAI, Nvidia und Google DeepMind liefern die kognitiven Grundlagen. Spezialisierte Firmen entwickeln vielseitig einsetzbare Robotiksysteme: Die Software von Boston Dynamics etwa, von der bereits im ersten Teil dieser Serie die Rede war, ermöglichen dem humanoiden Roboter Atlas akrobatische Bewegungen, die noch vor wenigen Jahren unmöglich erschienen.

Das amerikanische KI-Robotik-Unternehmen Figure AI, das wir ebenfalls bereits vorgestellt haben, nutzt neuronale Netze, die von menschlichen Demonstrationen lernen und Bewegungen generalisieren. Tesla wiederum trainiert seinen Optimus mit denselben KI-Systemen, die auch die Autopilot-Software der Elektroautos antreiben – eine vertikale Integration, die massive Synergieeffekte erzeugt.

Die Software entscheidet also schon jetzt über Erfolg oder Scheitern. Wer schnell genug wächst, kann jedoch auf fürstliche Belohnung hoffen: Figure AI erreichte binnen drei Jahren eine Bewertung von 39 Milliarden Dollar – finanziert von Microsoft, Nvidia, Intel und Jeff Bezos. Das Unternehmen plant, in den kommenden vier Jahren 100 000 humanoide Roboter auszuliefern.

Software Entwickler könnten in Zukunft die Bedeutung von Ingenieuren ablösen.

So viel also zu den USA. Auf der anderen Seite des Erdballs hat man ähnliche Ambitionen – nähert sich den ehrgeizigen Zielen aber aus anderer Richtung: China setzt auf Skalierung und staatliche Koordination. Die Made in China 2025-Strategie definiert Robotik als Schlüsseltechnologie. Chinas Robotik-Markt soll von 47 Milliarden Dollar 2024 auf 108 Milliarden 2028 wachsen – ein jährliches Plus von 23 Prozent. 2024 wurden dort über 300.000 Industrieroboter installiert.

China ist in Asien aber nicht alleiniger Robo-Pionier, Japan bleibt die Produktionsmacht: 38 Prozent aller Industrieroboter weltweit werden dort hergestellt. Der japanische Großkonzern FANUC produziert Roboter, die wiederum Roboter bauen – eine selbstverstärkende Skalierung. Die Kombination aus Fertigungsexzellenz und dem demografischen Druck einer alternden Gesellschaft macht Japan zu einem wichtigen Innovationstreiber.

Europa kämpft hingegen mit strategischen Schwächen. Die Übernahme des deutschen Roboterbauers KUKA durch den chinesischen Midea-Konzern 2016 war ein Weckruf, der weitgehend ungehört blieb. Asea Brown-Boveri (ABB) in der Schweiz/Schweden bleibt zwar ein Global Player, doch die Fragmentierung zwischen den beiden Nationalstaaten behindert die Konkurrenzfähigkeit gegenüber koordinierten Akteuren wie China oder integrierten Konzernen wie Tesla.

Exponentielles Wachstum: Die Zahlen hinter dem Boom

Der globale Robotik-Markt erreichte 2024 ein Umsatzvolumen von rund 90 Milliarden Dollar und soll bis 2030 auf über 200 Milliarden Dollar wachsen – das wäre ein jährliches Wachstum von rund 15 Prozent. Wobei die Quellenangaben aufgrund von methodischen Unterschieden bei der Berechnung etwas voneinander abweichen können.

2024 wurden weltweit 542.000 Industrieroboter installiert – doppelt so viele wie noch vor zehn Jahren. Asien dominiert mit 74 Prozent aller Neuinstallationen. Der operative Bestand weltweit lag 2024 bei 4,66 Millionen Einheiten, ein Plus von neun Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die zunehmende Integration von Robotern in der industriellen Produktion wird die Skaleneffekte erhöhen und die Herstellung humanoider Roboter vereinfachen sowie günstiger werden lassen.

Humanoide Roboter wachsen am schnellsten: 137.7 Prozent jährlich. Sie machen aktuell unter 2 Prozent des Gesamtmarktes aus, doch Investoren setzen massiv auf dieses Segment. Figure AI, Agility Robotics und Apptronik haben hunderte Millionen eingesammelt. Tesla allein plant, bis Ende 2025 mehrere tausend Optimus-Einheiten zu produzieren und bis 2029 Millionen in Betrieb zu haben.

Die Anwendungsfelder diversifizieren sich weiter: Während traditionell die Automobilindustrie dominierte (29.2 Prozent Marktanteil 2024), wachsen Logistik, Gesundheitswesen und Landwirtschaft am schnellsten. Besonders dynamisch zeigt sich das Gesundheitswesen mit gut 22 Prozent jährlichem Wachstum bis 2030.

Der Ausblick: Das Rennen hat erst begonnen

Die Robotik steht 2025 an einem Scheideweg. Die technologischen Grundlagen sind gelegt, die ersten kommerziellen Einsätze laufen, und Investoren pumpen massiv Kapital in den Markt. Doch zwei Fragen bleiben entscheidend: Wer wird den globalen Wettlauf gewinnen – und zu welchem Preis?

Die Antwort wird nicht nur in den Entwicklungslabors entschieden, sondern auch in den geopolitischen Auseinandersetzungen. Zwischen den USA und China tobt seit Jahren ein Technologie-Wettrüsten, das weit über wirtschaftliche Interessen hinausgeht. Es geht um strategische Autonomie, Kontrolle über Schlüsseltechnologien, Zugang zu Rohstoffen und zunehmend auch um militärische Überlegenheit.

Wie dieser Wettlauf weitergeht, welche Strategien beide Supermächte verfolgen und welche Rolle Europa spielt – das beleuchten wir im nächsten Teil dieser Serie. Denn die Zukunft der Robotik spielt sich weniger in den Fabriken ab, sondern viel mehr in den Machtzentralen von Washington und Peking.

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Manuel Gottschalk

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