Die wichtigsten Punkte
In Sachsen-Anhalt hat Neptune Energy ein riesiges Lithiumvorkommen entdeckt: Laut einer unabhängigen Bewertung könnten es rund 43 Millionen Tonnen Lithiumkarbonat-Äquivalent sein und damit eine der größten Ressourcen weltweit. Das Unternehmen testet derzeit die direkte Gewinnung aus Tiefenwasser und strebt langfristig 25 000 Tonnen Jahresproduktion an, genug für bis zu 500 000 E-Auto-Batterien. Experten warnen jedoch, dass es sich bislang nur um Ressourcen handelt, deren wirtschaftliche Förderung noch offen ist und erst bewiesen werden muss.
Ein Fund mit Signalwirkung
Neptune Energy, bisher vor allem als Erdgasförderer bekannt, hat in der Altmark ein riesiges Lithiumvorkommen ausgewiesen. Eine unabhängige Analyse durch den Gutachter Sproule ERCE kommt auf die gewaltige Menge von 43 Millionen Tonnen Lithiumkarbonat-Äquivalent. Zum Vergleich: Weltweit wurden 2023 nur etwa eine Million Tonnen Lithium produziert. Sollte sich die Zahl bestätigen und nutzbar machen lassen, wäre Deutschland plötzlich im Rohstoffgeschäft für E-Auto-Batterien ganz vorn mit dabei.
Die Altmark als Rohstoffregion
Die Altmark in Sachsen-Anhalt ist seit Jahrzehnten ein Energiegebiet, bisher vorwiegend durch Erdgasförderung. Genau hier möchte Neptune nun auf bestehende Infrastruktur zurückgreifen. Anstatt eine Mine aufzuschließen, setzt das Unternehmen auf die Nutzung von Tiefenwasser, das ohnehin schon für Energiezwecke angebohrt wurde. So soll die Region zu einem Zentrum der Lithiumgewinnung werden, vorausgesetzt, die Pläne können umgesetzt werden.
Lithium aus Wasser statt aus Minen
Besonders ist, dass Neptune auf eine Technologie namens „Direkte Lithiumextraktion“ (DLE) setzt. Dabei wird heißes, salzhaltiges Wasser aus tiefen Schichten an die Oberfläche gepumpt. Aus diesem Wasser soll Lithium mithilfe spezieller Filter- oder Adsorptionsverfahren herausgezogen werden. Das Verfahren ist noch neu, könnte aber wesentlich umweltfreundlicher sein als riesige Tagebaue oder die Verdunstungsbecken, wie sie in Südamerika üblich sind. Erste Tests haben bereits Lithium in Batteriequalität geliefert, doch ob das Verfahren im großen Maßstab funktioniert, muss sich noch zeigen.
Ressourcen sind keine Reserven
So beeindruckend die Zahl von 43 Millionen Tonnen klingt: Fachleute wie Michael Schmidt von der Deutschen Rohstoffagentur warnen, dass es sich um Ressourcen handelt, also geologische Schätzungen. Ob daraus wirklich Reserven werden, die wirtschaftlich gefördert werden können, hängt von vielen Dingen ab. Dazu gehören nicht nur die technische Machbarkeit und die Produktionskosten, sondern auch Umweltauflagen, lange Genehmigungsverfahren und die Akzeptanz in der Bevölkerung. Ohne diese Faktoren bleibt der Fund zunächst ein Potenzial, nicht mehr.
Bedeutung für die E-Mobilität
Lithium ist ein Schlüsselrohstoff für Batterien und damit unverzichtbar für Elektroautos. Heute kommt fast das gesamte Lithium aus Ländern wie Australien, Chile oder China. Europa ist fast vollständig von Importen abhängig. Die EU hat deshalb mit dem Critical Raw Materials Act ehrgeizige Ziele gesetzt: Bis 2030 sollen mindestens zehn Prozent der benötigten Rohstoffe in der EU gefördert und 40 Prozent innerhalb Europas verarbeitet werden. Ein Projekt wie das in Sachsen-Anhalt könnte daher enorm wichtig werden, um diese Abhängigkeit zu verringern und die Versorgung für die wachsende E-Auto-Industrie zu sichern.
Ausblick und offene Fragen
Noch ist unklar, ob die Pläne Realität werden. Neptune testet weiter die Technologien und will in einem nächsten Schritt eine Demonstrationsanlage aufbauen. Erst danach könnte über den Bau einer größeren Produktionsanlage entschieden werden. Auch dann stehen Genehmigungen und Umweltprüfungen an, die Jahre dauern können. Sicher ist nur: Sollte die Gewinnung tatsächlich gelingen, könnte die Altmark zu einem zentralen Standort für die europäische E-Mobilität werden und Deutschland einen unerwarteten Rohstoffvorteil erhalten.
FAQ:
Welche Nachteile haben Lithium-Batterien?
Lithium-Batterien haben zwar eine hohe Energiedichte und sind sehr leistungsfähig, bringen aber auch Nachteile mit sich. Sie sind empfindlich gegenüber Hitze und mechanischer Beschädigung, was im schlimmsten Fall zu Bränden oder Explosionen führen kann. Außerdem lassen sie mit der Zeit an Kapazität nach, sind in der Herstellung teuer und ihre Rohstoffgewinnung ist mit hohen Umweltbelastungen verbunden.
Was ist der Unterschied zwischen einer Lithiumbatterie und einer normalen Batterie?
Der größte Unterschied liegt in der gespeicherten Energie und der Bauweise. Lithiumbatterien nutzen Lithium als Hauptrohstoff und können deutlich mehr Energie speichern als klassische Batterien wie etwa Zink-Kohle- oder Alkali-Mangan-Batterien. Dadurch sind sie leichter, halten länger und lassen sich meist wiederaufladen, während viele herkömmliche Batterien Einwegprodukte sind.
Warum sind Lithiumbatterien verboten?
Lithiumbatterien sind grundsätzlich nicht verboten, allerdings gelten für Transport und Entsorgung strenge Regeln. Grund ist die Brand- und Explosionsgefahr, wenn sie beschädigt oder falsch gelagert werden. Deshalb dürfen sie etwa im Flugzeug nur unter bestimmten Bedingungen mitgeführt werden, und defekte Akkus können im Handel oder im Versand verboten sein, um Sicherheitsrisiken zu vermeiden.
Warum ist Lithium problematisch?
Lithium ist problematisch, weil seine Förderung erhebliche ökologische und soziale Folgen haben kann. In Regionen wie Südamerika wird dafür viel Wasser benötigt, was zu Knappheit und Konflikten führt. Zudem hinterlässt der Abbau oft Umweltzerstörungen und geht in manchen Ländern mit schlechten Arbeitsbedingungen einher. Hinzu kommt, dass die weltweite Nachfrage rasant steigt, wodurch Abhängigkeiten von wenigen Förderstaaten entstehen.




