Das Wichtigste in Kürze:
- Energiewende hilft vor allem investierenden Hausbesitzern.
- Förderprogramme treiben Wärmepumpe, PV-Anlagen und Elektroautos.
- Energieautarkie spart Kosten und schafft neue Investitionschancen.
Energiewende: Land- und Kleinstadtbewohner sind die Mehrheit
Der Autor dieses Texts hat einen guten Bekannten. Nennen wir ihn Erik Elektro. Erik ist Gutverdiener, aber kein Aktionär und auch kein Klimaschützer. Er ist schlicht ein deutscher Hausbesitzer in der Mittelschicht, der wie viele ungern hohe Steuern zahlt. Sein Vorteil: Erik hat die Zeichen der Zeit seit Jahren erkannt und ein Talent für Förderanträge entwickelt. Die Energiewende bringt nämlich Steuern zurück und spart laufende Kosten. Ohne das Klima retten zu wollen, kann mit staatlicher Unterstützung energieautarker werden und muss sich so weniger über die aktuellen Preise für Gas, Heizöl und Benzin aufregen.
Was hat Erik Elektro so alles? Er hat eine neue Habeck’sche Wärmepumpe vorm Haus, Solarpaneele auf dem Dach und ein Elektroauto in der Garage. Erik ist kein Sonderfall, sondern der Prototyp eines neuen Energieinvestors, insbesondere aus dem ländlichen und kleinstädtischen Raum. Nur dass seine Beteiligung nicht über Aktien läuft, sondern über Förderformulare für ihn selbst. Klimaschutz ist dabei für Erik sekundär.
Mehr als die Hälfte der Bevölkerung Deutschlands lebt laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft in ländlichen Regionen: rund 57 Prozent beziehungsweise etwa 47 Millionen Menschen. In Kleinstädten mit 5000 bis unter 20 000 Einwohnern wohnen etwa 24.2 Millionen, was rund 29.2 Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht. Es existieren über 13 Millionen Einfamilienhäuser und etwa 3.2 Millionen Zweifamilienhäuser. Erik ist nicht allein.
Energiewende: Wärmepumpe zum Heizen
Der erste Baustein in Eriks Energiestrategie steht in Form einer Wärmepumpe vorm Haus und im Heizungskeller. Deutschland unterstützt den Austausch alter Öl- und Gasheizungen über die Bundesförderung für effiziente Gebäude. Die Grundförderung liegt bei rund 30 Prozent der Investitionskosten. Durch zusätzliche Boni kann der Zuschuss auf bis zu 70 Prozent steigen.
Förderfähig sind Investitionen bis zu 30 000 Euro pro Wohneinheit. In der Praxis kann die Förderung damit deutlich über 20 000 Euro liegen. Für Erik ist das kein kleiner Bonus, sondern ein echter Investitionshebel. Steuergeld geht eben nicht nur in die Grundsicherung! Ein Teil seiner Kosten wird vom Staat getragen, während die Wärmepumpe langfristig die Energiekosten senkt, weil sie Strom effizient in Wärme umwandelt. Erik braucht weder Putins Gas noch das Öl aus Nahost.
Energiewende: Photovoltaikanlage und energetische Sanierung
Der zweite Eckpfeiler seiner privaten Energiewende liegt auf dem Dach. Photovoltaikanlagen wurden in Deutschland bis 2023 über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) unterstützt. Betreiber erhielten Geld für Strom, den sie ins Netz einspeisen. Die Höhe der Einspeisevergütung hing von der Größe der Anlage und dem Zeitpunkt der Installation ab und wird regelmäßig angepasst.
Aktuell existieren zinsgünstige Kredite der Förderbank KfW für energetische Sanierung sowie regionale Zuschüsse für Batteriespeicher. Für Erik entstand dadurch eine Art Mini-Kraftwerk auf dem eigenen Haus. Ein Teil des Stroms wurde selbst verbraucht, der Rest wurde verkauft. Energie wurde damit nicht nur zur Kostenersparnis, sondern zu einem kleinen Nebenbusiness. Erik hat bis zum Wegfall der EEG-Umlage so einige sonnige Stunden in seinen Geldbeutel getan. Nur landen überschüssige Sonnenstunden in den Batterien.
Energiewende: E-Auto-Förderung und kostenlose Tankstelle
Der emotionalste Teil der Investition steht allerdings in der Garage. Dort wartet sein neues Elektroauto. Der Staat hat den Kauf solcher Fahrzeuge bereits jahrelang mit Prämien unterstützt, um die Elektromobilität schneller zu verbreiten. Seit Anfang des Jahres gibt es eine neue Kaufprämie für Elektroautos. Je nach Einkommen können Käufer zwischen 1500 und 6000 Euro Unterstützung erhalten. Anspruch haben Haushalte mit bis zu etwa 80 000 Euro Jahreseinkommen, Familien mit Kindern dürfen etwas darüber liegen.
Für sein Auto hat Erik in seiner Garage eine Wallbox installiert, die das Auto schneller lädt als die gängige Steckdose. Kombiniert mit seiner Photovoltaikanlage hat Erik ein effizientes System: Tagsüber produziert das Dach Strom, ein Teil davon landet direkt im Akku des Autos. Für Erik ist seine Garage damit eine kostenlose Tankstelle. Hohe Benzinpreise durch den Iran-Krieg, interessieren ihn aktuell nur zweitrangig.
Energiewende: Erik Elektro treibt die Konjunktur
Der Fall Erik Elektro zeigt ein größeres Muster. Förderprogramme sind nicht nur Klimapolitik. Sie wirken auch wie ein staatliches Investitionsprogramm für Bauwirtschaft, Energiebranche und Automobilindustrie. Für Bürger bedeuten sie zudem eine Chance, ihr Haus und ihre Mobilität zu modernisieren, autarker zu werden und gleichzeitig Zuschüsse mitzunehmen. Hier gibt es weitere Infos und eine Förderdatenbank.
Für Aktionäre ist diese Entwicklung ebenfalls spannend. Denn hinter der Energiewende stehen börsennotierte Unternehmen wie RWE oder Siemens Energy. Deutsche Autobauer wie BMW, Mercedes und Volkswagen stecken Milliarden in die Elektromobilität. Für Erik ist das Elektroauto schließlich der letzte Baustein seiner geförderten Energie-Autarkie für seine Egal-Haltung. Erik hat am Wochenende zum entspannten Grillabend eingeladen. Dabei ist er jedoch strickt: Im Saarland wird weiter auf Holz geschwenkt. Ein Elektrogrill kommt nämlich nicht ins Haus, denn „Hauptsach gudd gess“.
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FAQ
Wie funktioniert eine Wärmepumpe?
Eine Wärmepumpe entzieht der Umgebung – etwa Luft, Erde oder Grundwasser – vorhandene Wärme und wandelt sie mithilfe von Strom in nutzbare Heizenergie für Gebäude um. Dabei zirkuliert ein Kältemittel im System, das die Umweltwärme aufnimmt, verdichtet wird und dadurch heißer wird, sodass die Wärme an das Heizsystem abgegeben werden kann.
Wie viel kostet das günstigste E-Auto?
Zu den preiswertesten Elektroautos in Deutschland zählt der Kleinwagen Dacia Spring, der je nach Angebot etwa ab rund 12 000 Euro erhältlich ist. Damit gehört er zu den günstigsten Einstiegsmodellen für Elektromobilität auf dem deutschen Markt.





