Ölpreis fällt wegen OPEC: Shell will BP kaufen
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Ölpreis fällt wegen OPEC: Shell will BP kaufen

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Carlo Schmid

Die Ölpreise sind so niedrig wie seit mehreren Jahren nicht mehr. Für Verbraucher bedeutet das die Aussicht auf günstigere Heizöl-, Benzin- und Dieselpreise. Auf den internationalen Märkten sorgt der Preisverfall jedoch für Unruhe. Hauptursachen sind der Handelsstreit zwischen den USA und China sowie die geplante Ausweitung der Fördermengen durch die OPEC-Staaten und ihre Partner. Auch für die Weltwirtschaft insgesamt sendet der anhaltende Preisrückgang ein klares Warnsignal: Die Gefahr einer wirtschaftlichen Abschwächung wächst.


Auch Energiekonzerne sehen sich mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert, weil der Preissturz die Margen schmälert. Wer auf genügend Reserven sitzt, wittert aktuell aber Chancen zur Expansion. So schielt der britische Petro-Riese Shell auf seinen schlingernden Lokalkonkurrenten BP. Eine Übernahme könnte bevorstehen, muss intern bei Shell aber noch evaluiert werden.

Handelskonflikt belastet Brennstoffe

Ende April hatte US-Präsident Donald Trump neue Strafzölle auf chinesische Waren verhängt. China antwortete mit eigenen Zöllen auf amerikanische Produkte. Der Handelsstreit belastet die Weltwirtschaft erheblich: Unternehmen investieren weniger, der Warenverkehr stockt, Produktionsketten geraten ins Stocken. In einer schwächeren Weltwirtschaft sinkt auch der Bedarf an Rohstoffen wie Öl, da weniger produziert, transportiert und konsumiert wird. In Erwartung einer wirtschaftlichen Abschwächung drosseln produzierende Konzerne ihre Ölkäufe häufig bereits im Voraus, um fallender Nachfrage zuvorzukommen.




Der Preis für die europäische Referenzölsorte Brent hat die Unterstützung bei $68.68 verloren und sieht einer ausgedehnten Korrektur entgegen.

Diese Vorsicht großer Industriebetriebe wirkt sich direkt auf den Ölpreis aus. Mitte Februar lag der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent noch bei über 80 US-Dollar. Mittlerweile notiert Brent bei rund 60 Dollar – ein Rückgang von rund 25 Prozent innerhalb weniger Wochen. Solche schnellen Preisbewegungen sind auf dem Ölmarkt ungewöhnlich und gelten als deutliches Zeichen wachsender wirtschaftlicher Unsicherheit. Nicht viel besser sieht es bei der texanischen Referenzölsorte WTI aus. Hier ist ein Barrel bereits unter die 60-Dollar-Marke gefallen – nach ebenfalls rund 80 Dollar Mitte Februar.


Die Folgen des Preisverfalls sind auch auf dem Verbrauchermarkt spürbar. Heizölpreise liegen aktuell auf dem niedrigsten Niveau seit Januar 2022. Auch die Preise für Benzin und Diesel sind leicht rückläufig, verharren aber auf hohem Niveau. Laut ADAC lag der Benzinpreis im März bei rund 1.70 Euro pro Liter.

OPEC weitet Fördermengen aus

Ein weiterer Auslöser für den Verkaufsdruck im Energiemarkt ist der Kurswechsel der Organisation erdölexportierender Staaten (OPEC), zu der etwa der weltweit zweitgrößte Ölproduzent Saudi-Arabien oder der von den USA seit Jahren sanktionierte Iran zählen.

Die OPEC und ihre Partnerstaaten planen, im Mai und Juni die Fördermengen zu erhöhen. Bereits vor einiger Zeit hatte die Organisation angekündigt, ihre freiwillige Förderkürzung aufzuheben, die bereits 2023 begonnen hatte und täglich rund zwei Millionen Barrel Öl vom Markt nahm – etwas mehr als Deutschland täglich verbraucht. Das Angebot auf dem Weltmarkt dürfte also deutlich steigen, wenn die OPEC ihre freiwilligen Restriktionen nun aufhebt.

Gemeinsam mit Partnerländern wie Russland bildet die OPEC die erweiterte Gruppe OPEC+. Diese Staaten planen aktuell, im Mai und Juni ihre Fördermengen zu erhöhen. Das bedeutet: Es wird deutlich mehr Öl auf den Weltmarkt gebracht. Gleichzeitig bleibt die weltweite Nachfrage schwach, weil die Wirtschaft durch Handelskonflikte unter Druck steht. Wenn mehr Öl angeboten wird, als Käufer haben wollen, sinkt der Preis automatisch. Erste Gespräche über die konkrete Höhe der Förderausweitung sollen Anfang Mai stattfinden.

China nutzt die Gelegenheit für Ölkäufe

Chinesische Unternehmen haben die sinkenden Ölpreise genutzt, um große Mengen Rohöl aufzukaufen und einzulagern. Wenn die Preise niedrig sind, können Länder wie China ihre strategischen Reserven, also Vorräte für Notfälle oder politische Krisen, günstig auffüllen. Laut Medienberichten hat China im März und April seine Vorräte deutlich gesteigert.


Gute Chance für China: Die amerikanische Ölsorte WTI hat ebenfalls den wichtigen Widerstand bei $63.64 verloren. Die Abverkäufe dürften vorerst weitergehen.
Für China bedeutet das eine Stärkung seiner Energiesicherheit: Es ist besser vorbereitet auf mögliche Engpässe oder Preissteigerungen in der Zukunft. Außerdem können chinesische Unternehmen durch den günstigen Einkauf später höhere Gewinne erzielen, wenn die Preise wieder steigen. Gleichzeitig zeigt sich hier eine wichtige wirtschaftliche Verbindung: Die USA sind in erheblichem Maße auf den Export von Öl und Gas nach China angewiesen. Im vergangenen Jahr belieferten US-Unternehmen China mit Energieprodukten im Wert von rund 13 Milliarden Dollar. Das entspricht etwa einem Zehntel aller US-Ausfuhren von Öl und Gas.


Ein starker Rückgang dieser Exporte – etwa durch eine sich abkühlende Weltwirtschaft oder politische Spannungen – könnte also auch die amerikanische Energiebranche empfindlich treffen. Durch das verstärkte Lagern von billigem Öl verschafft sich China momentan einen doppelten Vorteil: Zum einen sichert es sich Energie zu niedrigen Preisen, zum anderen stärkt es seine Verhandlungsposition auf den Weltmärkten für den Fall zukünftiger Unsicherheiten.

Shell will BP schlucken

Der Rückgang der Ölpreise hat direkte Folgen für die großen Energiekonzerne. Wenn Öl billiger wird, sinken die Einnahmen dieser Unternehmen, weil sie ihr Öl am Markt zu niedrigeren Preisen verkaufen müssen. Ihre Gewinne schrumpfen. Das bedeutet, dass sie weniger Geld für Investitionen, Dividenden oder Rückkäufe eigener Aktien zur Verfügung haben.


Der britische Ölkonzern BP musste deshalb seine geplanten Aktienrückkäufe reduzieren. Ursprünglich wollte das Unternehmen eine Milliarde US-Dollar in Rückkäufe investieren. Aufgrund der schlechteren Geschäftszahlen wurde diese Summe auf 750 Millionen US-Dollar gekürzt. Aktienrückkäufe sind ein wichtiges Instrument, um den Kurs der eigenen Aktie zu stützen und Aktionäre zufrieden zu stellen. Wenn weniger Geld dafür da ist, kann das ein Warnsignal an die Investoren sein.


Shell wiederum beobachtet die Entwicklung genau und prüft eine mögliche Übernahme des Konkurrenten BP. Hintergrund ist, dass fallende Aktienkurse infolge niedriger Ölpreise Unternehmen wie BP günstiger machen könnten. Sinkt der Marktwert eines Unternehmens deutlich, bietet sich für finanzstärkere Wettbewerber wie Shell eine Gelegenheit, durch eine Übernahme zu wachsen und die eigene Marktposition zu stärken. Allerdings befinden sich die Überlegungen laut Medienberichten noch in einer frühen Phase, und eine Entscheidung hänge stark davon ab, wie sich der Ölpreis in den kommenden Monaten entwickelt.

Fallen Brent und WTI weiter?

Beide Referenzölsorten befinden sich seit Monaten in einem kontinuierlichen Abverkauf. Mit dem scharfen Rücksetzer von Anfang April hat der Brent-Preis seine wichtige Unterstützung bei rund 68 US-Dollar verloren und dieses Preislevel beim darauffolgenden Anstieg noch einmal von unten getestet. Ebenso wie Brent an der 68-Dollar-Marke scheiterte WTI nach einer nahezu identischen Bewegung am eigenen Widerstand bei gut 63 US-Dollar. Seitdem geht es für beide Referenzsorten wieder bergab.


Laut unserem Primärszenario dürfte diese Schwächephase im Ölmarkt noch einige Zeit anhalten und die Kurse von Brent und WTI deutlich weiter gen Süden drücken. Zu rechnen ist hier mittelfristig mit den tiefsten Kursständen seit 2021, bevor die jeweils übergeordnete Korrekturwelle abgeschlossen und der nächste nachhaltige Aufwärts-Impuls gestartet werden kann. Ist dieses antizipierte Mehrjahrestief überwunden, dürften sowohl Brent als auch WTI stramm in Richtung dreistelliger Kurswerte marschieren. Volatilität ist auf den Ölmärkten in den nächsten Monaten also vorprogrammiert.

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Carlo Schmid

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