Nächstes OpenAI? Microsoft will französisches KI-Start-up Mistral AI groß machen
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Nächstes OpenAI? Microsoft will französisches KI-Start-up Mistral AI groß machen

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Florian Winter

Der aktuelle Wall Street-Krösus Microsoft hat sich kürzlich im Ranking der wertvollsten Unternehmen am Dauerrivalen Apple vorbei auf Platz eins geschoben und weitet nun sein Engagement im Bereich der Künstlichen Intelligenz (kurz: KI) aus. Seit 2019 hatte das von Bill Gates gegründete Unternehmen bereits $13 Milliarden in das KI-Unternehmen OpenAI gesteckt – ein Investment, das sich für beide Seiten als Volltreffer herausstellte. OpenAI brachte nicht nur den mittlerweile weltberühmten Chatbot ChatGPT, sondern mit der jüngst präsentierten Video-Software Sora auch gleich noch eine zweite historische Innovation auf den Markt. Microsoft konnte seinen Börsenwert seit dem Einstieg bei Samuel Altmans ehemaligem KI-Startup mehr als vervierfachen. Die nächste hochkarätige Kooperation steht nun offenbar in den Startlöchern:  Microsoft will dem französischen Start-up Mistral AI dabei helfen, neue KI-Modelle auf den Markt zu bringen – und dabei auch gleich den Tech-Konkurrenten Meta auszustechen. Mistral sorgt bereits ein Jahr nach seiner Gründung für Furore und erreichte innerhalb von wenigen Monaten eine Milliardenbewertung.

Kometenhafter Aufstieg: Von 0 auf $2 Milliarden in unter einem Jahr 

Keine zwölf Monate hat das Unternehmen Mistral seit der Gründung durch die Software-Entwickler Arthur Mensch, Guillaume Lample und Timothée Lacroix auf dem Buckel – und doch gilt es in Expertenkreisen bereits als die europäische Antwort auf den nordamerikanischen KI-Pionier OpenAI. Im Mai 2023, rund einen Monat nachdem das Startup offiziell ins Leben gerufen wurde, sammelten die Gründer rund 105€ Millionen im Rahmen einer Seed-Finanzierung ein. Zum Ende des Jahres 2023 durchlief Mistral eine weitere Finanzierungsrunde. Und abermals zeigten sich die Investoren großzügig. Insgesamt kamen mehr als 385€ Millionen zusammen, unter anderem unter den Geldgebern: der nordamerikanische Softwarekonzern Salesforce. Anfang Februar wurde Mistral mit $2 Milliarden bewertet. Da hält natürlich auch Microsoft die Füße nicht still, schließlich hat der Tech-Riese Künstliche Intelligenz zu einer seiner Top-Prioritäten der nächsten Jahre auserkoren – Milliarden-Investments in Deutschland, Spanien und Großbritannien sprechen eine klare Sprache.

„Führend bei der Forschung an Generativer KI“

Der Fokus des französischen Unternehmens liegt, wie bei OpenAIs ChatGPT, auf sogenannten großen Sprachmodellen (engl.: Large Language Models). Hierbei handelt es sich um KI-Systeme, die auf Basis einer massiven Datenmenge trainiert werden, um menschenähnliche Sprachverarbeitungsfähigkeiten zu entwickeln. Solche Modelle nutzen komplexe neuronale Netzwerkarchitekturen, wodurch sie kontextabhängige Informationen verarbeiten und in Text-, Bild- oder Videoform bereitstellen können. Deshalb spricht man auch von Generativer KI. Wie aus dem Strategiepapier des Unternehmens hervorgeht, möchte man in naher Zukunft „führend bei der Forschung an Generativer KI“ sein und „innerhalb von vier Jahren“ die beste Technologie in diesem Bereich bereitstellen. Dies lässt sich als klare Kampfansage an den nordamerikanischen Konkurrenten OpenAI werten. Die großen Ambitionen der Mistral-Gründer kommen nicht von ungefähr, alle drei bekleideten KI-bezogene Positionen bei großen Tech-Unternehmen: Lample und Lacroix arbeiteten an der Entwicklung des Meta-Sprachmodells Llama mit, CEO Mensch war bei der Google-KI-Tochter Deepmind angestellt und an der Schöpfung der erfolgreichen Gaming-KI AlphaGo beteiligt.

„Die besten Softwareentwickler der Welt“ 

Anders als die meisten anderen KI-Unternehmen verfolgt Mistral einen Open-Source-Ansatz, sprich: statt Nutzern den Zugang zur Software nur beschränkt zu genehmigen – wie es auch OpenAI tut –, sollen Entwickler die Mistral-Modelle frei einsehen, verwenden, modifizieren und weiterentwickeln können, um sie ideal an die jeweiligen Bedürfnisse anzupassen. Ein weiterer Vorteil dieses Ansatzes ist der Sicherheitsaspekt. Nutzer, vor allen Dingen Unternehmen, müssen ihre sensiblen Daten bei der Verwendung der Software nicht an eine sogenannte BlackBox übertragen, also ein System, dessen Funktionsweise sie nicht selbst nachvollziehen können. Vielmehr ermöglicht Mistral seinen Kunden, die KI-Programme in die eigenen Datenzentren zu integrieren, wodurch Datenschutz-Auflagen gewahrt werden können. Zudem habe man – so CEO Mensch – auf diese Weise „eine Community geschaffen“, die ihre eigenen Ideen ins Projekt einbringe und somit das Produkt kontinuierlich verbessere. Den Open-Source-Weg geht auch der Meta-Konzern mit seiner Llama-Software, dem Mistral mit seinen neuesten Modellen schon eng auf den Fersen ist. Hinsichtlich der sogenannten Parameter, also der Anzahl trainierter Werte einer Generativen KI, lag das Modell Mixtral 8x7B Anfang Februar 2024 mit rund 46.7 Milliarden Parametern bereits recht nah an der Meta-KI (etwa 65 Milliarden Parameter). Überraschend ist das nicht – hat sich Mistral-Chef Mensch doch laut eigener Aussage einige der „besten Softwareentwickler und Wissenschaftler der Welt“ ins Boot geholt.

Microsoft will ein Stück vom Mistral-Kuchen

Künftig will der Tech-Gigant Microsoft dem Pariser Start-up unter die Arme greifen, um die ehrgeizigen Ziele von Mensch und seinen Mitstreitern zu erreichen. Im Fokus der Zusammenarbeit soll die Markteinführung der Mistral-Modelle stehen, Microsoft geht eine Minderheitsbeteiligung am Unternehmen ein. Über konkrete Zahlen wurde die Öffentlichkeit bislang noch nicht informiert. Was aber wohl bereits feststeht: Die Sprachmodelle der französischen Firma werden zukünftig auf Microsofts Azure-Cloud-Computing-Plattform angeboten. Dies dürfte Mixtral 8x7B und Co zusätzlich ins internationale Scheinwerferlicht rücken. Microsoft selbst baut sein bereits jetzt äußerst umfangreiches KI-Engagement weiter aus. Wie im Zuge der OpenAI-Beteiligung könnte es auch beim Mistral-Einstieg wieder Streitigkeiten mit den Wettbewerbsbehörden geben – Microsoft dürfte darauf aber gut vorbereitet sein.

Der Hype rund um KI-Technologien dominierte in den letzten Monaten die Finanzmärkte – und tut dies auch weiterhin. Vor allen Dingen der Chip-Gigant Nvidia, der in der letzten Woche abermals beinah unglaubliche Quartalszahlen vorlegte, fungiert hier zuletzt als impulsives Zugpferd. Einige Experten blicken jedoch etwas besorgt auf die massive Dominanz der großen Tech-Konzerne an den Märkten und ziehen teils Parallelen zur Zeit im Vorfeld des Schwarzen Freitags in den 1920ern, als die Wall Street einen der heftigsten Zusammenbrüche ihrer Historie erlebte.

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