Nach dem Hacker-Angriff auf ihren X-Account hat die nordamerikanische Börsenaufsicht (engl. Securities and Exchange Commission, kurz: SEC) das FBI eingeschaltet, um den Täter ausfindig zu machen. Diese Ankündigung veröffentlichte die Kommission nur wenige Stunden, nachdem sich am Mittwoch ein bislang unbekannter Angreifer Zugang zum unzureichend geschützten Konto der SEC auf der Plattform X (vormals Twitter) verschafft hatte und einen fingierten Tweet absetzte, der die vermeintliche Zulassung der Bitcoin-Spot-ETFs von BlackRock und Co. enthielt. Aus dem verwirrten Kryptomarkt wurden schnell Vorwürfe laut, mehrere US-Politiker forderten am Donnerstag Aufklärung über den Vorfall. Eine Senatorin sprach gar von Marktmanipulation.
„SEC muss jetzt gegen sich selbst ermitteln“
Nur kurz war der gefälschte Post auf dem offiziellen X-Account der SEC zu sehen gewesen und wurde ein paar Minuten später wieder zurückgezogen – allerdings nach gut vier Millionen Aufrufen. Gary Gensler, Vorsitzender der Börsenaufsicht, sprach im Nachhinein von einem „unautorisierten“ Beitrag. Kurze Zeit später wurden die ETFs dann hochoffiziell genehmigt, der Ärger um die Sicherheitslücke verpuffte allerdings nicht so schnell. Schon am nächsten Tag forderten nordamerikanische Anwälte und Senatoren den US-Kongress auf, Ermittlungen gegen die Börsenkommission aufzunehmen. Der Senator Bill Hagerty sagte dazu: „So wie die SEC von einem börsennotierten Unternehmen Rechenschaft verlangen würde, wenn es einen solch kolossalen, marktbewegenden Fehler macht, braucht der Kongress Antworten auf das, was gerade passiert ist. Das ist inakzeptabel“.
In den Medien wurden die aufbrandenden Vorwürfe mit Amüsement verfolgt. Noch vor der ETF-Zulassung schrieb Charles Gasparino von Fox Business süffisant in einem X-Post, die SEC müsse jetzt „wegen Marktmanipulation gegen sich selbst ermitteln“. Das zumindest habe sein Medium von Wertpapieranwälten erfahren. Nähere Angaben zur Quelle machte Gasparino zwar nicht, das war aber auch nicht nötig, denn nur wenige Stunden darauf meldeten sich mehrere Politiker erbost zu Wort. Senatorin Cynthia Lummis etwa tweetete, „betrügerisches Verhalten wie auf dem Social Media-Kanal der SEC“ könne „Märkte manipulieren. Wir brauchen Transparenz über das, was geschehen ist“. Die Abgeordnete Ann Wagner schrieb über den „angeblichen Hack auf dem Twitter-Account der SEC“, dass es sich dabei um „klare Marktmanipulation“ handle, die „Millionen von Investoren betroffen“ habe. Gary Gensler müsse nun Antworten zu dem Vorfall liefern.
Senatoren sorgen sich um das Vertrauen der Anleger
In einem offiziellen Schreiben an den SEC-Vorsitzenden äußerten auch die beiden republikanischen Senatoren J.D. Vance und Thom Tillis „ernsthafte Bedenken über die interne Cybersicherheit der Kommission“. Diese Lücken seien „widersprüchlich zur Aufgabe der SEC, Investoren zu schützen [und] die Märkte fair, geordnet und effizient zu gestalten“. Die Vereinigten Staaten besäßen „den weltweit reichhaltigsten und liquidesten Kapitalmarkt, dessen Stabilität und Zuverlässigkeit notwendig ist, um das Vertrauen der Anleger aufrechtzuerhalten“. Folglich sei es „inakzeptabel, dass jene Behörde, die mit der Regulation dieses Epizentrums der weltweiten Finanzmärkte betraut ist, derart kolossale Fehler begeht“. Bis zum 23. Januar soll Gensler demnach erklären, wie das gefälschte Statement zustande kam, wie die SEC gedenke, für die finanziellen Verluste geradezustehen, die durch Marktturbulenzen entstanden seien und wie der Hack aufgeklärt werde.
Lange ließ sich die Börsenaufsicht nicht bitten: Noch am Donnerstag meldete die Behörde, dass sie das amerikanische Bundeskriminalamt (engl. Federal Bureau of Investigation, kurz: FBI) eingeschaltet habe, um die Herkunft des Tweets zu untersuchen. Zwar verwies Gary Gensler kurz nach dem Hack darauf, dass wichtige Informationen rund um ETF-Zulassungen einzig der SEC-Webseite und nicht dem X-Profil zu entnehmen seien. Die SEC selbst entschied allerdings schon vor einigen Jahren, dass Social Media von Firmen genutzt werden dürfe, um Schlüsselinformationen für Investoren zu veröffentlichen. Auch dieser Widerspruch wurde der Kommission in den vergangenen Stunden medienwirksam vorgehalten. Laut CNN Business könne die weitere Entwicklung dieses Falls zu „tiefgreifenden Veränderungen in Bezug darauf führen, wie Finanzinformationen im digitalen Zeitalter zu verbreiten sind“.
$4.6 Milliarden am ersten Tag: Bitcoin-ETFs brechen alle Rekorde
Welche Ergebnisse auch immer die Ermittlungen rund um den Hack des SEC-Accounts zutage fördern, der Reputationsschaden der Kommission ist schon jetzt bemerkbar. Wie bereits gestern im Trading Room berichtet, kritisierte die SEC-Kommissarin Hester Peirce ihre eigene Behörde für die „künstliche Hysterie“, die man um die Bitcoin-ETFs entstehen ließ und bezeichnete die Vorfälle rund um die X-Blamage als „zirkusähnliche Atmosphäre“. An der monatelang erwarteten Zulassung der Bitcoin-Spot-ETFs, die schließlich am späten Mittwochabend genehmigt wurden, konnte das Durcheinander letztlich nichts mehr ändern. Zumindest durch die Ansetzung des Handelsstarts bereits für den nächsten Tag konnte die SEC wieder etwas Kredit in der verprellten Krypto-Community sammeln.
Für die nächsten Jahre erwarten Analysten immense Zuflüsse in den Bitcoin, da nun nach Listung der regulierten Anlageprodukte auch institutionelle Anleger in die größte Kryptowährung einsteigen können. Schon am ersten Tag pulverisierten die elf börsengelisteten Bitcoin-ETFs mit Zuflüssen von rund $4.6 Milliarden alle Rekorde in der Anlageklasse. Die bisherige Bestmarke für das höchste Kaufvolumen am ersten Tag nach Zulassung hatte seit knapp 20 Jahren der Gold-ETF GLD mit rund $1.6 Milliarden gehalten, den wir ebenfalls in unserem Gold-Paket analysieren. Und wer jetzt befürchtet, nach den deutlichen Bitcoin-Kursanstiegen der letzten Wochen den Zug verpasst zu haben, sollte auf die FOMO (engl. Fear Of Missing Out) verzichten und lieber unser BTC/ETH-Paket zurate ziehen, um künftig regelmäßig über lukrative Einstiegsmöglichkeiten benachrichtigt zu werden.




