Elon Musks KI-Unternehmen xAI hat gestern angekündigt, eine Partnerschaft mit dem Big-Data-Spezialisten Palantir und der Investmentfirma TWG Global zu schließen, um Künstliche Intelligenz für Finanzdienstleistungen breitentauglich zu machen. Schon im März hatten sich TWG und Palantir zusammengeschlossen, um KI für Finanzdienstleistungen und Versicherungen zu optimieren. In dieses Joint Venture sollen nun auch die selbstlernenden Algorithmen von xAI eingebunden werden – zuvorderst der neue Chatbot Grok, den Nutzer der Social-Media-Plattform X (vormals Twitter) seit einigen Wochen nutzen können.
Während Elon Musk damit das nächste lukrative Großprojekt an Land zieht, stehen seinem KI-Konkurrenten Sam Altman von OpenAI milliardenschwere Kosten ins Haus. Nach anhaltender öffentlicher Kritik und mehreren Klagen von Elon Musk hat OpenAI vorerst die Pläne begraben, einen gewinnorientierten Geschäftszweig aufzubauen. Mehrfach hatten Musks Anwälte in den letzten Monaten vor Gericht kritisiert, dass OpenAI von seinem ursprünglich gemeinwohlorientierten Weg abkomme und damit ein Versprechen breche. Die neuerlich notwendige Umstrukturierung des Unternehmens wird teuer. Elon Musk beharrt trotz des Einlenkens auf seiner Klage.
OpenAI bleibt Nonprofit, Microsoft zögert
Seit mehr als einem Jahr streiten sich Elon Musk und Sam Altman jetzt schon vor Gericht. Im Frühjahr des letzten Jahres warfen Musks Anwälte dem ChatGPT-Entwickler OpenAI vor, unter Altmans Führung sein wichtigstes Versprechen gebrochen zu haben: „Bis heute wird auf der Webseite von OpenAI behauptet, dass ihre Charta sicherstellen soll, dass KI der gesamten Menschheit zugutekommt. In Wirklichkeit wurde OpenAI in eine geschlossene Plattform umgewandelt und ist de facto eine Tochtergesellschaft des größten Technologieunternehmens der Welt: Microsoft.“ Ganz falsch ist das nicht.
Auch dank OpenAI konnte Microsoft in den letzten Jahren massiv vom KI-Boom profitieren. Mittelfristig trauen wir der Aktie eine weitere lange Rallye zu.
2015 als Nonprofit-Organisation gegründet, öffnete OpenAI 2019 einen neuen, profitorientierten Geschäftszweig. Größter Geldgeber war schon damals der Silicon-Valley-Gigant Microsoft, der seitdem eine zweistellige Milliardensumme in Sam Altmans Startup investiert hat. OpenAI selbst bezeichnete die neue Struktur als „Partnerschaft zwischen unserem ursprünglichen Nonprofit- und dem neuen, gedeckelten Arm mit Profitorientierung“.
Gedeckelt war der profitorientierte Zweig insofern, als Gewinn-Ausschüttungen an Investoren begrenzt wurden und der Nonprofit-Teil des Unternehmens als übergeordnetes Kontrollorgan fungieren sollte.
Vergangenes Jahr kamen konkrete Pläne auf, das ganze Startup in ein profitorientiertes Unternehmen umzuwandeln, um attraktiver für Investoren zu werden. In Reaktion auf öffentliche Kritik und juristischen Druck rudert OpenAI jetzt aber zurück.
Nach Absprache mit den Generalstaatsanwälten von Kalifornien und Delaware, die eine Umstrukturierung blockieren könnten, hat das Unternehmen Anfang der Woche bekanntgegeben, dass der profitorientierte Arm unter Kontrolle des Nonprofit-Zweigs bleibe und zu einer Public Benefit Corporation umgewandelt werde. Dabei handelt es sich um ein Unternehmen, das Gewinne macht und zum Allgemeinwohl beiträgt. Der größte Geldgeber Microsoft soll mit seiner Zustimmung zögern und um seine Investitionen fürchten.
Palantir-Aktie: Boom wegen Musk?
Dass OpenAI öffentlichkeitswirksam von seinen Plänen einer profitorientierten Neuorientierung abrückt, scheint Elon Musk noch nicht zufriedenzustellen. Der Tesla-Chef hatte OpenAI vor rund zehn Jahren mitgegründet und angeblich gut 40 Millionen Dollar als Startkapital zur Verfügung gestellt. Musk verließ das Startup aber bald und steht seit Microsofts Milliarden-Einstieg auf Kriegsfuß mit Sam Altman. Das ändere sich auch jetzt nicht, machte einer von Musks Anwälten am Montag klar. „Nichts am heutigen Statement verändert die Tatsache, dass OpenAI weiterhin eine KI mit geheimem Code entwickelt, von der vor allem Sam Altman und seine Investoren um Microsoft profitieren.“
Die Palantir-Aktie wurde nach der Attacke auf ihr letztes Allzeithoch deutlich abverkauft, dürfte zeitnah aber neue Rekordstände erreichen.
Aus Musks Sicht muss der Programmcode eines KI-Programms öffentlich einsehbar sein, um Kontrolle zu gewährleisten. OpenAI sei aber auch an anderer Stelle nicht ehrlich, wie sein Anwalt fortfuhr: „Die heutige Stellungnahme verschleiert wichtige Details über die vermeintliche Nonprofit-Umstrukturierung und vor allem die deutlich reduzierten Anteile des Nonprofit-Arms an Altmans profitorientiertem Zweig.“ Ein neues Gerichtsverfahren wurde für März 2026 angesetzt, OpenAI wehrt sich aber schon jetzt gegen die Vorwürfe. „Dass Elon seinen grundlosen Prozess gegen uns fortführt, zeigt nur, dass er unseren Fortschritt mutwillig bremsen will“, sagte ein Sprecher.
Deutlich erfreulicher gestaltet sich der Austausch mit Elon Musk ganz augenscheinlich bei Palantir. Nach den guten Quartalszahlen sackte der Kurs der PLTR-Aktie zwar deutlich ab, mittelfristig aber erwarten wir weitere deutliche Anstiege. Erste Erfolge in der neuen Kooperation mit xAI und TWG könnten dabei für zusätzlichen Aufwind sorgen, die Prognose für künftige Geschäftszahlen liest sich schon jetzt vielversprechend. Über die nächsten drei Jahre soll Palantirs Umsatz laut eigener Vorhersage um gut 21 Prozent jährlich steigen, beim Gewinn erwartet das Unternehmen sogar rund 27 Prozent. Erste gemeinsame Projekte mit xAI werden an der Börse mit Spannung erwartet.




