Der nordamerikanische Triebwerkhersteller Pratt & Whitney, der unter anderem auch mit der Münchener MTU Aero Engines AG in einer Geschäftsbeziehung steht, sieht sich derzeit mit Problemen bei einem Pulvermaterial und resultierend daraus mit Mängeln an seinen Produkten konfrontiert. Dies hat zur Folge, dass das Unternehmen nun 600 bis 700 (vorwiegend in Fliegern des Airbus-Modells A320neo verbaute) Triebwerke zurückrufen muss, um die betroffenen Hochdruck-Turbinenscheiben auszutauschen. Deshalb müssen durchschnittlich rund 350 Jets am Boden bleiben, nimmt die Wartung pro Triebwerk doch wohl voraussichtlich zwischen 250 und 300 Tage in Anspruch. Noch vor wenigen Monaten hatte der Triebwerkbauer mit einer Wartungsdauer von 60 Tagen je Triebwerk gerechnet. Neben den zahlreichen Airlines, die betroffene Flieger in ihrer Flotte führen – unter anderem muss die Lufthansa vorerst 20 Flugzeuge des besagten Modells aus dem Betrieb nehmen – sorgt der Rückruf natürlich auch beim Pratt & Whitney-Partner MTU für Turbulenzen…
MTU ist mit 18 Prozent an der Produktion der nun zurückzurufenden Getriebefan-Triebwerke beteiligt. Dementsprechend trifft die Rückholaktion das Unternehmen auch durchaus stark: Experten prognostizieren, dass der Umsatz für den DAX40-Konzern im laufenden Geschäftsjahr um rund eine Milliarde Euro geringer ausfallen könnte – und da die Wartung der Triebwerke sich wohl bis ins Jahr 2026 zieht, ist hier auch in den kommenden drei Jahren mit deutlichen (Negativ-)Auswirkungen zu rechnen. Bislang äußerte sich das MTU-Management noch nicht darüber, wie umfangreich sich die Folgen für das Unternehmen tatsächlich darstellen werden, man ließ jedoch verlauten, dass man die Prognosen für das laufende Jahr lediglich unter Vorbehalt formulieren werde. Letztlich wolle man jetzt die notwendigen Maßnahmen ergreifen, „um die […] Auswirkungen bestmöglich zu begrenzen“.
Pratt & Whitney ist für seine Innovationen in der Triebwerkstechnologie und seine Beiträge zur Luft- und Raumfahrtindustrie weltweit bekannt. Das Unternehmen hat eine Vielzahl von Triebwerken entwickelt, die in verschiedenen Flugzeugtypen, darunter Verkehrsflugzeuge wie die Boeing 747 und Airbus A320-Familie sowie militärische Flugzeuge wie den F-35 Joint Strike Fighter, eingesetzt werden. Die betroffenen Getriebefan-Triebwerke zählen zu den wichtigsten Innovationen, die das Unternehmen auf den Weg brachte. Diese verfügen über eine höhere Effizienz, benötigen weniger Kraftstoff, können deutlich geräuschärmer betrieben werden und verringern zudem Emissionen. Pratt und Whitney ist seit dem Jahr 2020 Teil von Raytheon Technologies, kurz RTX, einem breit aufgestellten Konglomerat, welches vorwiegend in den Bereichen Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung, Sicherheit und erweiterte Industrietechnik agiert. Im Zuge der Pratt & Whitney-Rückrufaktion rechnet das Unternehmen in den kommenden Jahren mit finanziellen Zusatzbelastungen in Höhe von rund $3.5 Milliarden.
Die MTU-Aktie, von uns im Rahmen unseres DAX40-Aktienpakets auf regelmäßiger Basis analysiert, erfuhr im Zuge der Bekanntgabe der Probleme beim Geschäftspartner Pratt & Whitney einen heftigen Rücksetzer, am Montag und Dienstag ging es hier insgesamt rund 22% nach unten. Für uns war diese Bewegung keine Überraschung, verorten wir das Wertpapier doch in einer komplexen, seit Januar 2020 laufenden Korrektur, welche uns mittel- respektive langfristig nochmals deutlich niedrigere Kurse bescheren sollte.




