Guten Morgen,
nach dem gestrigen Tagesschluss über 118 US-Dollar ist die europäische Referenzölsorte Brent über Nacht auf den höchsten Stand seit Juni 2022 gestiegen. Damit wurden sogar die exakt 120 Dollar vom ersten Ölpreis-Spike nach dem US-Angriff auf den Iran Anfang März übertroffen. Die Märkte scheint das herzlich wenig zu interessieren. Deutlich mehr Aufmerksamkeit lag gestern auf der letzten FOMC-Rede von Jerome Powell als Fed-Chef.
"Unabhängigkeit der Fed in Gefahr": Powells letzte Warnung
Die US-Notenbank Federal Reserve ist gespalten wie nie. Vier der sieben Fed-Gouverneure waren in der gestrigen internen Abstimmung gegen die finale Entscheidung, den Zinssatz konstant bei 3.5 bis 3.75 Prozent zu lassen. In seiner voraussichtlichen Abschiedsrede verschärfte Jerome Powell den Ton, sprach von ernsten Bedenken hinsichtlich der Inflation und des Arbeitsmarkts, warnte vor den Spätfolgen des Kriegs im Iran.
Außerdem erklärte er sich bereit, auch über das formale Ende seiner Amtszeit im Mai hinaus interimistisch an der Fed-Spitze zu bleiben. Relevant könnte Powells Bereitschaft werden, wenn sein designierter Nachfolger Kevin Warsh vom US-Parlament nicht bestätigt wird. Aus dem Demokratischen Lager war zuletzt die Bedingung zu vernehmen, dass zunächst der von der Trump-Regierung angestrengte Prozess gegen Powell (wegen vermeintlicher Veruntreuung rund um ein Bauprojekt) bendet werden müsse.
Auch machte Kevin Warsh bei einer Anhörung vergangene Woche in den Augen vieler Abgeordneter nicht die beste Figur. Auf Epstein-Nachfragen antwortete er ebenso schmallippig wie auf Vorwürfe, er sei Trumps "Handpuppe". Argwohn erregte auch Kevin Warshs großes Anlage-Portfolio, das in allein schon zum reichsten Fed-Chef aller Zeiten machen würde. Auch Jerome Powell wies in seiner Rede ausdrücklich darauf hin, dass die Unabhängigkeit der Fed in akuter Gefahr sei.
Ölkrise? Erinnerungen an den Bitcoin-Bärenmarkt 2022
Die größte Unbekannte, mit der die Fed gerade kämpft, ist die Krise im Energiesektor. Der höchste Ölpreis seit 2022 folgte auf Ankündigungen neuerlicher Eskalation von Trump und iranischen Offiziellen. Insidern zufolge soll der US-Präsident mit Offiziellen des Ölsektors bereits Modalitäten für eine monatelange Sperre der Straße von Hormus besprechen. Der Iran, dessen Speicherkapazitäten in wenigen Tagen ihr Limit erreichen, gerät unter Druck.
Trotz der schlechten Aussichten im Ölmarkt und Powells warnenden Worten ("nie dagewesene juristische Angriffe der Regierung auf die Fed") halten sich S&P 500 (Tagesschluss bei knapp 7136 Punkten) und Nasdaq (27 336 Punkte) nahe ihren jüngsten Allzeithochs. Bitcoin und Ethereum fielen nach der erwartet neutralen Zinsentscheidung gestern Abend ein Stück zurück, der Smallcap-Index Russell 2000 fiel auf den tiefsten Stand seit fast zwei Wochen.
So hoch wie aktuell war der Brent-Ölpreis zum letzten Mal im Juni 2022, der Frühphase des russischen Angriffs auf die Ukraine. Dass der US-Referenzölpreis WTI diese Woche (noch) kein neues Mehrjahreshoch erreicht hat, zeigt, dass die Sorgen um Ölknappheit nun auch nach Europa überschwappen. Ewig wird der Markt diese Entwicklung nicht ignorieren können. Aktuell scheint eher ein neuerlicher Trump-Rückzieher eingepreist zu werden.
HKCM-Tops und -Flops
Wertsteigerung am vergangenen Handelstag in Prozent
| Starbucks | +8.45 |
Adidas | +8.35 |
Visa | +8.25 |
Neste Corp. | +6.28 |
Robinhood | -13.24 |
| Tilray | -6.34 |
Earnings
BASF (erw. EPS: 1.08 EUR)
Apple (erw. EPS: 1.95 USD)
Amgen (erw. EPS: 4.77 USD)
Caterpillar (erw. EPS: 4.65 USD)
Atlassian (erw. EPS: 1.33 USD)
Illumina (erw. EPS: 1.05 USD)
Agnico Eagles Mines (erw. EPS: 3.19 USD)
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