Guten Morgen,
die Woche beginnt mit alarmierenden Rekordzahlen: Das Verhältnis des Informationstechnologie-Sektors am gesamten US-Leitindex S&P 500 hat mit 0.87 (oder 87 Prozent) den höchsten Wert aller Zeiten erreicht. Seit dem Bärenmarkttief 2022 ist dieser Anteil um 50 Prozent gewachsen. Problematisch ist nicht nur die starke Konzentration des Aktienmarktes auf diesen Sektor, der neben den Magnificent Seven (Nvidia, Microsoft, Apple, Amazon, Tesla, Meta und Google) auch aktuelle Überflieger wie Micron Technology (+15.49 Prozent am Freitag) oder AMD (+11.44 Prozent) umfasst. Denn auch der Arbeitsmarkt ächzt unter dem Infotech-Boom.
Denn dass die Hardware-Branche für Chips und KI den S&P 500 im Sturm erobert hat, merkt der durchschnittliche Arbeitnehmer kaum. Der Anteil der Angestellten im Infotech-Sektor an der gesamten US-Arbeitsbevölkerung ist seit 2022 auf den alarmierenden Wert von 0.02 zurückgefallen. Einfach gesagt: Während Nvidia, Micron und Co. mittlerweile 87 Prozent des Gesamtwerts im S&P 500 ausmachen, beschäftigen sie nur zwei Prozent (!) der US-Arbeitnehmer. Und der Trend existiert nicht erst seit gestern. In den letzten vier Jahren ging die Zahl der Infotech-Angestellten um 342 000 zurück (-15 Prozent). Das ist aber nicht das einzige Problem, das der US-Aktienmarkt (und vor allem der Tech-Sektor) in diesem historischen Boom hat.
Parallelen zur Finanzkrise 2008: Ist das die KI-Bubble?
Wer hätte das gedacht: Am Freitag erreichte der S&P 500 ein neues Allzeithoch bei rund 7400 Punkten und schloss die Woche nur knapp darunter. Der Tech-Index Nasdaq-100 beendete die Handelswoche sogar auf seinem jüngsten Rekordhoch von rund 29 235 Punkten. Nach außen ist der US-Aktienmarkt historisch stark – aber die schwindelerregende Rallye der letzten Wochen steht auf wackligen (weil wenigen) Beinen. Symbolisch steht dafür nicht nur die eingangs illustrierte, krasse Diskrepanz zwischen Marktdominanz und Angestelltenzahl im Infotech-Sektor, sondern auch die immer größere Lücke zwischen Hardware- und Software-Aktien.
Muss hinter einem starken Aktienmarkt auch eine gesunde Wirtschaft stehen? Nicht unbedingt, wie uns der US-Aktienmarkt gerade zeigt. Der Infotech-Boom macht zwar den großen Namen der Wallstreet die Taschen voll, wie die jüngste Earnings-Season eindrücklich gezeigt hat. Auf der ominösen Mainstreet (also beim normalen Bürger) kommt davon aber nicht viel an. Denn die Zahl der Infotech-Angestellten befindet sich seit 16 Monaten im freien Fall. Das ist die längste Verlustserie seit der Weltwirtschaftskrise 2008.
Ähnlich prekär steht es um den Software-Sektor, das zweite große Sinnbild der aktuellen Situation. Während Intel, Micron, Dell und AMD zu den großen Gewinnern der letzten Tage und Wochen gehören, brach Cloudflare am Freitag nach soliden Quartalszahlen und angekündigten Umstrukturierungen regelrecht zusammen (-23.62 Prozent). Intuit (-2.57 Prozent) und Salesforce (-2.43 Prozent) kamen vergleichsweise glimpflich davon, befinden sich aber auch schon länger im Sinkflug.
Hedgefonds verkaufen: Dotcom-Bubble lässt grüßen!
Bereits Ende Januar erreichte die Positionierung von Hedgefonds im Software-Sektor laut Goldman Sachs den tiefsten Stand seit vielen Jahren. Noch 2023 hatten große US-Hedgefonds rund 17 Prozent ihrer Netto-Exponierung am Kapitalmarkt im Software-Sektor. Dieser Anteil ist bis Anfang 2026 auf unter fünf Prozent (!) gefallen. Gleichzeitig ist der Halbleiter- und KI-Hardware-Sektor von quasi null auf etwa acht Prozent gestiegen.
Parallel explodierte der Index des Halbleiter-Sektors (SOX) bis Ende April um 150 Prozent im Jahresvergleich, der stärkste Zwölfmonats-Anstieg seit der Dot-Com-Bubble. Nicht einmal die Erholung nach der Corona-Pandemie (+100 Prozent YoY) konnte da mithalten. Akute Krisenstimmung ist trotz der Parallelen zu 2001 (Dotcom) und 2008 (Finanzkrise) aber nicht angesagt. Laut der Bank of America (BofA) war der Halbleiter-Sektor in den vergangenen Jahrzehnten ein Frühindikator für Expansion im US-Einkaufsmanagerindex PMI.
Und ausgerechnet dieser PMI ist einer der wichtigsten Bullrun-Indikatoren für Bitcoin und Altcoins mit einer historischen Trefferquote von praktisch 100 Prozent. In den vergangenen drei Monaten ging der PMI bereits in Expansion, so stark war er seit 2021 nicht mehr. Kräftig zeigte sich dann auch der Kryptomarkt: Bitcoin kletterte übers Wochenende zurück auf beinahe 81 000 Dollar, Ethereum, beißt sich bisher noch an der 2400-Dollar-Marke die Zähne aus.
HKCM-Tops und -Flops
Wertsteigerung am vergangenen Handelstag in Prozent
| Micron Technology | +15.49 |
Monster Beverage | +13.58 |
Dell Technologies | +13.11 |
AMD | +11.44 |
Cloudflare | -23.62 |
| Rheinmetall | -9.18 |
Earnings
AST SpaceMobile (erw. EPS: -0.24 USD)
Barrick Mining (erw. EPS: 0.79 USD)
MARA Holdings (erw. EPS: -1.51 USD)
Rigetti Computing (erw. EPS: -0.04 USD)
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HKCM-Signal
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