Money Crime$ Nr. 4: Millionenbetrug um ehemaligen Siemens-Chef
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Money Crime$ Nr. 4: Millionenbetrug um ehemaligen Siemens-Chef

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Muriel Ayari

Dieser Artikel ist Teil unserer Reihe Money Crime$. Darin erzählen wir von spektakulären Fällen aus der Finanzwelt, von verschwundenen Millionen, dubiosen Geschäften und dunklen Wetten.

Sie haben unsere dritte Folge verpasst? Virtuelle Influencer, echte Millionen: KI-generierte Persönlichkeiten erobern die sozialen Netzwerke und bewerben Kryptowährungen. Doch was steckt hinter dem Geschäft mit den digitalen Stars? Hier geht es zur Story.

 

Das Wichtigste in Kürze:

  • Deutsche Geschäftsmänner gerät ins Visier des FBI.

  • Ein ehemaliger Siemens-Chef spielt eine zentrale Rolle.

  • Verdächtige Geldflüsse werfen Fragen auf.

Vom Millioneninvestment zum FBI-Fall

Was haben Siemens, ein deutscher Top-Unternehmer und das FBI miteinander zu tun? Auf den ersten Blick nicht besonders viel. Doch ein millionenschweres Investment sollte die Wege der Beteiligten auf unerwartete Weise kreuzen. Was folgt, liest sich wie ein Finanzkrimi: ein New Yorker Luxuspenthouse, rätselhafte Geldtransfers, Verbindungen in die Kunst- und Kryptowelt und schließlich eine Festnahme durch das FBI.

Mittendrin: Klaus Kleinfeld, der einst an der Spitze des deutschen Industriegiganten Siemens stand und später den US-Konzern Alcoa leitete. 2.5 Millionen US-Dollar investierte der erfahrene Manager privat in ein Wellnessgeschäft. Nach Darstellung der US-Ermittler soll der deutsche Unternehmer Wanja Oberhof einen Großteil des Geldes zweckwidrig verwendet und die Spuren anschließend durch manipulierte Finanzunterlagen verschleiert haben. Doch wie konnte ausgerechnet ein erfahrener Spitzenmanager in einen Fall geraten, der inzwischen die US-Justiz beschäftigt?

 

Ein Wellnessimperium mit prominenten Unterstützern

Der deutsche Unternehmer Wanja Oberhof machte sich vor allem als Mitgründer und späterer Vorstandschef der Social Chain AG einen Namen. Das Unternehmen verband Social-Media-Marketing mit Onlinehandel, wurde zeitweise mit mehreren Hundert Millionen Euro bewertet und hatte prominente Investoren wie die aus der Fernsehserie Die Höhle der Löwen bekannten Georg Kofler und Ralf Dümmel an Bord. 2023 folgte jedoch die Insolvenz.

 Auch er spielte eine Rolle in der Geschichte: Der weltbekannte Wellnessautor Deepak Chopra sollte mit seiner Meditations-App zum Erfolg von Oberhofs Unternehmen beitragen.

Da hatte Oberhof bereits sein nächstes Geschäft gestartet: Gemeinsam mit seiner Ehefrau Anabel Oelmann gründete er The Healing Company, die verschiedene Gesundheits- und Wellnessmarken vereinen sollte. Im März 2023 vereinbarte das Unternehmen eine Zusammenarbeit mit dem bekannten Wellnessautor Deepak Chopra, unter anderem rund um eine Meditations-App.

Privat zelebrierte das Gründerpaar derweil den Luxus. Im September 2023 feierten Oberhof und Oelmann laut BILD eine aufwendige Hochzeit an der Amalfiküste, mit Operninszenierung, Feuerwerk und Champagner. Doch hinter den Kulissen sah es weniger glamourös aus: Ende September verfügte The Healing Company laut US-Börsenunterlagen über lediglich 1.42 Millionen US-Dollar an liquiden Mitteln, bei kurzfristigen Verbindlichkeiten von knapp 14 Millionen US-Dollar. Allein im vorangegangenen Quartal hatte das Unternehmen rund 4.48 Millionen US-Dollar Verlust gemacht.

 

Wie Klaus Kleinfeld ins Spiel kam

Oberhof und Kleinfeld kannten sich bereits aus Deutschland. Als sie sich 2023 in New York erneut begegneten, interessierte sich der ehemalige Siemens-Chef besonders für das Geschäft mit Deepak Chopras Meditations-App. Die Verbindung aus einem international bekannten Namen und einem weltweit skalierbaren Geschäftsmodell versprach Wachstumspotenzial. Doch Oberhofs Unternehmen steckte bereits in finanziellen Schwierigkeiten.

 Vom Siemens-Chef zum mutmaßlichen Betrugsopfer: Klaus Kleinfeld investierte privat 2,5 Millionen US-Dollar in Oberhofs Wellnessgeschäft.

Im Februar 2024 stellte ein Kreditgeber laut US-Börsenunterlagen Forderungen von rund 4.37 Millionen US-Dollar sofort fällig, nachdem unter anderem Zinszahlungen ausgeblieben waren. Auch bei einer Finanzierung über rund 1.6 Millionen US-Dollar für das Geschäft mit Chopra war The Healing Company in Zahlungsverzug geraten.

Oberhof und Kleinfeld besprachen daraufhin eine neue Gesellschaftsstruktur, in die bestimmte Vermögenswerte übertragen werden sollten. Kleinfeld erklärte sich bereit, 2.5 Millionen US-Dollar zu investieren. Rund eine Million davon sollte nach seinem Verständnis zur Rückzahlung des bestehenden Kredits dienen. Am 22. Mai 2024 überwies er das Geld.

 

Luxuswohnung statt Schuldenabbau?

Doch das Geld nahm nach Darstellung der US-Ermittler einen anderen Weg. Statt den vereinbarten Kredit zurückzuzahlen, soll Oberhof rund 25 000 US-Dollar für sein Luxus-Penthouse in Manhattan ausgegeben haben, dessen monatliche Miete bei knapp 20 000 US-Dollar lag. Weitere 57 000 US-Dollar flossen offenbar in die Rückzahlung eines privaten Darlehens. Mehr als 1.8 Millionen US-Dollar soll er auf ein von ihm kontrolliertes Auslandskonto überwiesen haben.

Luxus mit Blick auf Manhattan: Für sein Penthouse soll Wanja Oberhof monatlich knapp 20.000 US-Dollar Miete gezahlt haben.

Auch andere Zahlungen werfen Fragen auf: Rund 20 000 US-Dollar gingen offenbar an eine Kunstgalerie, weitere 15 000 US-Dollar an eine Person aus der Berliner Kryptowährungsbranche. Zudem soll Oberhof ein Gemälde als Sicherheit für einen privaten Kredit hinterlegt haben. Ob er mit dem Geld tatsächlich Kunst oder Kryptowährungen kaufte, ist nicht bekannt. Belege für Geldwäsche liegen bislang ebenfalls nicht vor.

Bereits am 30. Mai 2024, nur acht Tage nach Kleinfelds Überweisung, sollen auf dem ursprünglichen Konto lediglich rund 60 000 US-Dollar verblieben sein. Der vereinbarte Kredit war laut Ermittlern nicht zurückgezahlt worden. Stattdessen soll Oberhof die Geldflüsse verschleiert und Finanzübersichten gezielt manipuliert haben.

 

Manipulierte Zahlen und ein folgenschweres Gespräch

Im Dezember 2024 kamen die Unstimmigkeiten offenbar ans Licht. Nach Darstellung des FBI erhielt Kleinfeld von einem Finanzmitarbeiter der Healing Company Unterlagen, die erheblich von den zuvor übermittelten Übersichten abwichen. Besonders auffällig war der Kontostand für den 1. November 2024. Während eine von Oberhof übermittelte Aufstellung rund 287 940 US-Dollar auswies, zeigte die ursprüngliche Version lediglich 7940 US-Dollar. Eine Differenz von exakt 280 000 US-Dollar. Für die Ermittler ein entscheidender Hinweis darauf, dass Finanzunterlagen gezielt verändert worden sein könnten.

Der Fall Wanja Oberhof auf einen Blick: Die Ermittlungstafel veranschaulicht die mutmaßlichen Geldflüsse, auffälligen Transaktionen und zentralen Vorwürfe der US-Justiz.

Am 20. Dezember 2024 kam es schließlich zu einer Aussprache. Kleinfeld konfrontierte Oberhof mit den Unstimmigkeiten und verlangte sein investiertes Kapital zurück. In einer schriftlichen Antwort vom 26. Dezember bestritt Oberhof ausdrücklich, den Investor absichtlich getäuscht zu haben. Zugleich räumte er ein, Kleinfeld nach dessen Investition nicht ausreichend über die Entwicklungen informiert zu haben. Er stellte eine vollständige Rückzahlung bis Ende Januar 2025 in Aussicht, erklärte jedoch, kurzfristig nicht über die nötigen liquiden Mittel zu verfügen.

 

Vom Luxusleben in Untersuchungshaft

Die Angelegenheit beschäftigte schließlich die amerikanischen Strafverfolgungsbehörden. Nach Recherchen des Handelsblatts wandte sich Kleinfeld mit Hinweisen auf den mutmaßlichen Betrug an die US-Justiz. Zu diesem Zeitpunkt sollen bereits Ermittlungen gegen Oberhof gelaufen sein. Am 12. September 2026 wurde der Unternehmer am Flughafen Newark im US-Bundesstaat New Jersey festgenommen.

 Am Flughafen Newark klickten die Handschellen: Das FBI nahm Wanja Oberhof wegen des Verdachts auf Millionenbetrug fest.

Zwei Tage später machte die Staatsanwaltschaft des südlichen Bezirks von New York die Vorwürfe öffentlich. Oberhof wurde zunächst im Metropolitan Detention Center in Brooklyn untergebracht, einem Bundesgefängnis, das immer wieder wegen seiner Haftbedingungen in die Schlagzeilen geraten ist.

Nach neun Tagen in Untersuchungshaft kam Oberhof am 21. September 2026 gegen eine Bürgschaft über zwei Millionen US-Dollar wieder frei. Für ihn bürgten sein Schwiegervater Hans-Georg Oelmann und der Berliner Unternehmer Hanno Laskowski. Zusätzlich verlangte das Gericht eine Barsicherheit von einer Million US-Dollar. Die Freilassung ist an strenge Auflagen gebunden, darunter Hausarrest, elektronische GPS-Überwachung und Reisebeschränkungen. Seinen Reisepass musste Oberhof abgeben.

 

Wie geht es weiter?

Die US-Staatsanwaltschaft wirft Oberhof sogenannten Wire Fraud vor. Er soll einen Investor durch falsche Versprechungen zur Überweisung von Millionen bewegt und das Geld anschließend für eigene Zwecke verwendet haben. Da bei dem mutmaßlichen Betrug elektronische Kommunikationsmittel zum Einsatz kamen, fällt der Vorwurf unter das entsprechende US-Bundesgesetz. Im Falle einer Verurteilung drohen Oberhof bis zu 20 Jahre Haft. Ob neben Klaus Kleinfeld weitere Investoren geschädigt wurden, ist bislang nicht abschließend geklärt.

Auch in Deutschland wächst der juristische Druck. Nach Recherchen der WirtschaftsWoche fordert der Insolvenzverwalter des Sanitärausstatters Poresta Systems rund 3.5 Millionen Euro von Oberhof. Hintergrund sind umstrittene Immobiliengeschäfte. Ein direkter Zusammenhang mit dem US-Betrugsverfahren ist bislang nicht bekannt.

Die Bilanz des Falls: Im Mittelpunkt stehen 2.5 Millionen US-Dollar aus Kleinfelds privatem Investment, von denen laut Ermittlern ein Großteil zweckwidrig verwendet worden sein soll. Hinzu kommen die gesonderten Forderungen aus Deutschland. Ein nachgewiesener Gesamtschaden lässt sich daraus bislang nicht beziffern. Das Verfahren in New York läuft unterdessen weiter. Nach dem zuletzt recherchierten Stand wurden am 14. Oktober 2026 weitere Gerichtsunterlagen eingereicht; ein nächster Anhörungstermin ist öffentlich nicht bestätigt. Während Kleinfeld um die Rückzahlung seiner Millionen bangen muss, steht für Oberhof möglicherweise seine Freiheit auf dem Spiel. Ob sich die schweren Vorwürfe vor Gericht bestätigen, bleibt abzuwarten. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung.

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Muriel Ayari

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