Meta entwickelt Europa-KI – und zofft sich mit Datenschützern
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Meta entwickelt Europa-KI – und zofft sich mit Datenschützern

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Simeon Koch

Meta, das Mutterunternehmen von Facebook und Instagram, hat bekanntgegeben, dass es an einer speziell für Europa entwickelten Künstlichen Intelligenz (KI) arbeitet. Diese soll die sprachlichen, geografischen und kulturellen Besonderheiten der Region widerspiegeln, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Das Meta-Sprachmodell, bekannt als LLama, wird dabei mit öffentlichen Beiträgen von Nutzern aus den Meta-Netzwerken Facebook und Instagram trainiert. Private, nur mit Freunden oder der Familie geteilte Inhalte sollen hierbei ausgeschlossen werden, um die Privatsphäre der Nutzer zu wahren. Die Ankündigung folgt auf zuletzt starke Quartalszahlen, die Stimmung der Anleger aber war zuletzt gedämpft. Datenschutz-NGOs laufen gegen Metas Pläne Sturm, das Unternehmen beruft sich auf europäisches Recht und wirft eine viel diskutierte Frage zur technologischen Zukunft des Kontinents auf: „Will Europa nur zuschauen, wenn der Rest der Welt von wirklich innovativer Technologie profitiert, die wirtschaftliches Wachstum vorantreibt?“

 

Eine KI für Europas Kultur

Seit April arbeitet Meta daran, die richtige Vorgehensweise für Europa zu finden. Dies teilte der Chief Product Officer des Unternehmens gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters mit. Im letzten Monat kündigte Meta an, Nutzer in Europa und im Vereinigten Königreich darüber zu informieren, wie ihre öffentlich geteilten Informationen zur Entwicklung und Verbesserung von KI genutzt werden. Ziel ist es, eine KI zu entwickeln, die den spezifischen Anforderungen und Eigenheiten der europäischen Nutzer gerecht wird. Ohne das Training auf öffentlich geteilten europäischen Inhalten würden „die Modelle die regionalen Sprachen, Kulturen oder aktuellen Trends nicht richtig verstehen“ können, erklärte Meta in einem schriftlichen Statement. Meta selbst sei „der Meinung, dass die Europäer mit KI-Modellen, die nicht über die reichen kulturellen, sozialen und historischen Beiträge Europas informiert sind, schlecht bedient wären“. Das Unternehmen beruft sich auf das rechtliche Prinzip des berechtigten Interesses gemäß der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), um die notwendigen öffentlichen Daten in großem Umfang verarbeiten zu können und gleichzeitig die Rechte der Nutzer zu respektieren.

Datenschützer sind von Metas Plänen ganz und gar nicht angetan. Die Nichtregierungs-Organisation None Of Your Business (NOYB) hat in elf Ländern, darunter Deutschland und Österreich, Beschwerde gegen das Vorhaben eingereicht. Die nationalen Datenschutzbehörden wurden aufgefordert, Metas Pläne zu stoppen. NOYB fordert von den Regelhütern unmittelbares Einschreiten, da die mit dem Vorhaben verbundenen Änderungen der Datenschutzregeln bei Meta bereits am 26. Juni in Kraft treten sollen. Laut NOYB sei keine ausdrückliche Zustimmung der Nutzer notwendig, damit Meta ihre KI mit persönlichen Fotos, Posts und Nutzerverhalten aus den vergangenen Jahren trainieren kann. Der österreichische Datenschutzaktivist Max Schrems kritisierte in einer Aussendung von NOYB: „Meta sagt im Grunde, dass es beliebige Daten aus beliebigen Quellen für beliebige Zwecke verwenden und jedem auf der Welt zur Verfügung stellen kann, so lange dies über KI-Technologie passiert.“ Das aber widerspreche dem europäischen Datenschutzrecht, zumal der Begriff KI-Technologie bei Meta nicht genau definiert sei.

 

Ignoriert Meta europäisches Recht?

In diesem Zusammenhang habe der Europäische Gerichtshof laut Schrems „bereits klargestellt, dass Meta kein berechtigtes Interesse hat, sich über das Recht auf Datenschutz der Nutzer hinwegzusetzen“. Dennoch versuche das Unternehmen, die „gleichen Argumente wie zuvor für das Training einer nicht näher definierten KI-Technologie zu verwenden“. Es scheine also, „als würde Meta die Urteile des EuGH wieder einmal rigoros ignorieren“. Meta selbst unterstreicht, dass man bei der Entwicklung von KI verantwortungsvoll und transparent vorgehe. In einer Stellungnahme erklärte das Unternehmen, dass das Training der Modelle auf öffentlich geteilten Inhalten basiere, um relevante und nützliche Funktionen für europäische Nutzer zu entwickeln. Die Nutzung dieser Daten erfolge unter Beachtung der europäischen Datenschutzgesetze. Meta arbeitet laut eigener Aussage in enger Abstimmung mit der irischen Datenschutzkommission, um sicherzustellen, dass die Trainingsmethoden den EU-Datenschutzanforderungen entsprechen. Zudem will das Unternehmen Experten aus Wissenschaft und Verbraucherschutz konsultiert haben.

Meta hat seit dem 22. Mai mehr als zwei Milliarden In-App-Benachrichtigungen und E-Mails an Nutzer in Europa versendet, um sie über die Verwendung ihrer Daten zu informieren. Diese Benachrichtigungen enthalten einen Link zu einem Widerspruchsformular, mit dem Nutzer der Verwendung ihrer Daten für das KI-Training widersprechen können. Meta betont, dass alle europäischen Einwände berücksichtigt werden. Wenn ein Widerspruchsformular vor Beginn des Trainings der LLama-Modelle eingereicht werde, schließe man die Daten dieser Person aus aktuellen und zukünftigen Trainingsrunden aus. Max Schrems ist das nicht genug: „Es ist völlig absurd, die Verantwortung auf die Nutzer abzuwälzen. Das Gesetz verlangt, dass Meta ihre Einwilligung einholt. Stattdessen stellt das Unternehmen ein verstecktes Formular bereit.“ Meta habe sich „sogar die Mühe gemacht, möglichst viele Ablenkungen einzubauen, um sicherzustellen, dass möglichst wenige Menschen tatsächlich widersprechen“. Und die EU hat bereits bewiesen, dass sie in Sachen Datenschutz schon mal durchgreifen kann: Vor einem Jahr kassierte Meta eine Rekordstrafe.

„Die Möglichkeiten sind endlos“

Meta lässt diese Vorwürfe nicht auf sich sitzen und schießt gegen die NGO zurück: „Einige Aktivisten befürworten extreme Ansätze in Bezug auf Datenschutz und KI. Um es klar zu sagen: Diese Positionen spiegeln nicht das europäische Recht wider und laufen darauf hinaus, dass die Europäer keinen Zugang zu KI haben sollten, die der Rest der Welt hat“. Bei dieser Drohkulisse wollte es der Tech-Gigant dann aber dann doch nicht belassen und fügte aufmunternd hinzu: „Als eine der einflussreichsten Regionen der Welt hat Europa das Potenzial, bei der KI-Innovation eine führende Rolle zu spielen“. Und außerdem sei die Datensammlung für das eigene KI-Modell nichts Ungewöhnliches. Schließlich hätten Mitbewerber wie etwa OpenAI in der Vergangenheit auf ähnliche Praktiken gesetzt. Auch Elon Musk will für sein KI-Startup xAI  auf Daten seiner Social-Media-Plattform X, vormals Twitter, zurückgreifen. Laut Meta sei der eigene Ansatz aber „transparenter und bietet einfachere Kontrollmöglichkeiten als bei vielen unserer Branchenkollegen, die ihre Modelle bereits mit ähnlichen öffentlich zugänglichen Daten trainieren“.

Metas Ziel sei es, eine KI zu entwickeln, die beispielsweise umgangssprachliche Ausdrücke oder lokale Referenzen versteht. Private Nachrichten mit Freunden und Familie sollen dabei nicht verwendet werden. Zwar hob der Konzern hervor, dass das Training der KI nicht dazu diene, individuelle Nutzer zu identifizieren, sondern Muster in öffentlichen Beiträgen zu erkennen, die Datenschutz-Aktivisten von NOYB dürfte das aber kaum beschwichtigen. Meta hingegen sieht sich wenig überraschend im Recht und plant, auch künftig andere Inhalte wie Interaktionen mit hauseigenen KI-Funktionen zur Verbesserung der eigenen KI-Modelle zu nutzen. Das geschehe zum Wohl aller Nutzer, versicherte Meta in seiner offiziellen Erklärung: „KI ist die nächste Grenze der Innovation. Wir leben in einem der aufregendsten technologischen Momente seit einer Generation, in dem Durchbrüche direkt vor unseren Augen stattfinden und die Möglichkeiten endlos sind. Und wir bei Meta wollen, dass die Europäer daran teilhaben.“ Dass Meta mit seiner KI-Strategie gezielt zum allgemeinen Wohl handelt, darf trotz dieser großen Worte bezweifelt werden. Die finanziellen Möglichkeiten sind gleichwohl immens. Wer an der Entwicklung der Meta-Aktie optimal partizipieren möchte, bekommt in unserer regelmäßigen Analyse alle Infos zu lukrativen Handelsmöglichkeiten.

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Simeon Koch

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