Die Mercedes-Benz Group hat im ersten Quartal 2025 trotz eines schwierigen Marktumfelds durchwachsene, aber solide Geschäftszahlen vorgelegt. Während Umsatz und Gewinn im Vergleich zum Vorjahr rückläufig waren, konnte der Konzern seine Liquiditätsposition stärken und wichtige strategische Fortschritte erzielen. Besonders die Entwicklung bei elektrifizierten Fahrzeugen sowie der Ausbau neuer Fahrzeugplattformen standen im Fokus des Quartalsberichts. Die monatelange Korrektur der Aktie dürfte sich erstmal fortsetzen.
Gewinn bei Mercedes bricht ein
Mercedes-Benz erzielte im ersten Quartal 2025 einen Umsatz von 33.2 Milliarden Euro, was einem Rückgang von gut sieben Prozent im Vergleich zum ersten Quartal 2024 entspricht, als der Umsatz noch 35.8 Milliarden Euro betrug. Das operative Ergebnis (EBIT), also der Gewinn vor Zinsen und Steuern, sank deutlich um 41 Prozent auf 2.3 Milliarden Euro. Nach steuern sah es dann noch ein bisschen dürftiger aus: Um fast 43 Prozent auf nunmehr 1.7 Milliarden Euro brach der Nettogewinn ein, ähnlich hart traf es den Gewinn je Aktie. Wenig überraschend verfehlte Mercedes die Analystenschätzung deutlich.
Dennoch konnte der sogenannte Free Cash Flow des Industriegeschäfts auf 2.4 Milliarden Euro gesteigert werden, ein Plus von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Free Cash Flow beschreibt das Geld, das nach allen Ausgaben und Investitionen tatsächlich übrigbleibt und dem Unternehmen zur freien Verfügung steht, etwa für Schuldentilgung, Dividenden oder neue Projekte. Das Industriegeschäft umfasst bei Mercedes-Benz die Bereiche Autos und Vans, also Mercedes-Benz Cars und Mercedes-Benz Vans, jedoch nicht den Bereich Finanzdienstleistungen (Mercedes-Benz Mobility).
Auch die Nettoliquidität des Industriegeschäfts, also die Summe der liquiden Mittel abzüglich der finanziellen Verbindlichkeiten, stieg auf 33.3 Milliarden Euro. Das bedeutet, dass Mercedes-Benz über einen sehr hohen Bestand an nutzbarem Kapital verfügt, was in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit als wichtiger Schutz gilt. Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Mercedes-Benz Group AG, erklärte dazu: "Mit einer starken Nettoliquidität und hohen Cash Flows aus dem Industriegeschäft sind wir strategisch gut aufgestellt, um weiter in neue Fahrzeugplattformen und digitale Innovationen zu investieren."
Mercedes investiert in Elektro
Mercedes-Benz hat im ersten Quartal seine Strategie im Bereich Elektromobilität und Digitalisierung weiter vorangetrieben. Der Anteil der elektrifizierten Fahrzeuge – also vollelektrische Autos und Plug-in-Hybride – lag wie im Vorjahr bei knapp 20 Prozent des gesamten Absatzes. Während der Verkauf vollelektrischer Modelle um 14 Prozent auf 40 706 Fahrzeuge zurückging, konnten Plug-in-Hybride um acht Prozent zulegen. In den USA stieg die Nachfrage nach Fahrzeugen mit kombiniertem Elektro- und Verbrennungsmotor deutlich.
Die Mercedes-Aktie konnte nach dem deutlichen Abverkauf Anfang April wieder etwas Boden gut machen. Die Korrektur dürfte aber noch etwas anhalten.
Um den Übergang in die Elektromobilität zu beschleunigen, investierte Mercedes-Benz im ersten Quartal 685 Millionen Euro in Sachanlagen. Diese Investitionen flossen vor allem in neue Fahrzeugplattformen wie die sogenannte Mercedes Modular Architecture (MMA) für flexible Antriebe und die Mercedes-Benz Electric Architecture (MB.EA) für reine Elektrofahrzeuge. Mit diesen Baukästen sollen Fahrzeuge künftig schneller und kostengünstiger entwickelt werden.
Zusätzlich wurden 2.3 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung investiert, ein Plus von fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Dabei lag der Schwerpunkt auf elektrischen Antrieben, neuer Fahrzeugsoftware wie dem Mercedes-Benz Operating System (MB.OS) und der Weiterentwicklung nachhaltiger Produktionsmethoden. Auch in den kommenden Jahren sollen diese Investitionen fortgesetzt werden, um das Modellangebot im Bereich Elektromobilität auszubauen und die Werke auf die Fertigung neuer Fahrzeuggenerationen vorzubereiten.
So reagiert die Mercedes-Benz-Aktie
Die Mercedes-Benz Aktie zeigte nach Veröffentlichung der Quartalszahlen eine leichte Reaktion. Direkt nach der Bekanntgabe am 30. April sackte die Aktie um gut sechs Prozent ab und versucht aktuell, sich knapp oberhalb der runden 50-Euro-Marke zu stabilisieren. Analysten bewerten die hohe Nettoliquidität und die anhaltenden Investitionen in Zukunftstechnologien als positive Signale. Gleichzeitig wird jedoch auf die Risiken durch Zölle, die konjunkturelle Unsicherheit und den wachsenden Wettbewerbsdruck im Elektrofahrzeugmarkt hingewiesen.
Oberhalb der 35€-Marke sollte Mercedes einen lokalen Boden ausbauen und von dort auf neue Allzeithochs steigen. Ein tieferer Abverkauf ist alternativ möglich.
Laut unserer Analyse steckt die Mercedes-Aktie weiterhin in einer mehrjährigen Korrekturstruktur. Die Anstiege seit dem Tief Anfang April dürften sich noch etwas fortsetzen, insgesamt aber korrektiv bleiben und lediglich einen weiteren Abverkauf vorbereiten. Sollte der Kurs nicht vorher in Richtung 65 Euro ausbrechen, dürfte er das April-Tief zeitnah noch einmal unterlaufen.
Den nächsten längerfristigen Boden sehen wir noch oberhalb der Unterstützung bei rund 35 Euro. Hier sollte der Übergang in die nächste lange Rallye gelingen, die erstmals auf dreistellige Kurswerte führen dürfte. Abonnenten unseres DAX40-Analysepakets erhalten für potenzielle Einstiege bei der Mercedes-Aktie und allen weiteren DAX-Titel konkrete Zielzonen.


Umsatz und Gewinn fallen deutlich: Mercedes investiert viel, verdient nicht besonders gut und muss das Aktien-Rückkaufprogramm drosseln.

