Marktmanipulation: Pump and Dump!
#Finanzbildung

Marktmanipulation: Pump and Dump!

Author

Patrick May

Wenn Geld wachsen könnte wie Unkraut, würden viele Menschen wahrscheinlich auf einer Geldplantage leben. Doch dann taucht eine E-Mail auf, wie aus dem Nichts, die Sie tatsächlich in eine Welt voller Reichtum und Luxus entführen soll. Eine exklusive Aktienempfehlung, die nur auf Sie gewartet hat, um in den stratosphärischen Bereich der Finanzelite zu gelangen. Bevor Sie jedoch Ihren Ruhestand auf einer Privatinsel buchen, sollten Sie sich vielleicht einen Moment Zeit nehmen, um einen Blick hinter den Vorhang zu werfen. In diesem Artikel nämlich wollen wir einmal das Thema Pump and Dump beleuchten, wo Träume versprochen und Portfolios zerstört werden.

Die sogenannte Pump and Dump-Strategie, im Deutschen aufpumpen und wegwerfen, ist eine der gefährlichsten Fallen am Finanzmarkt. Hinter dem Szenario verbirgt sich eine irreführende Praxis, bei der Anleger durch falsche Informationen systematisch in die Irre geführt werden. Es handelt sich dabei um eine Marktmanipulation, die oft an Börsen mit weniger regulierten oder kleineren Wertpapieren wie Pennystocks oder Kryptowährungen beobachtet werden kann. Die Strategie zielt darauf ab, den Kurs von günstigen Aktien künstlich in die Höhe zu treiben, um sie dann schnell und gewinnbringend abzustoßen. Dabei sind es oft die Kleinanleger, die die Verlierer sind und auf wertlosen Aktien sitzen bleiben.


Die Funktionsweise

Die Taktik beginnt, wenn ein Akteur günstige Aktien eines Unternehmens erwirbt, häufig sogenannte Pennystocks – kleine, unbekannte Unternehmen mit sehr niedrigem Kurswert. Akteure können entsprechend Einzelpersonen, Investmentgruppen oder sogar organisierte Kriminelle sein. Wichtig ist, dass diese Akteure zumindest genügend Kapital haben, um einen signifikanten Anteil der Aktien eines bestimmten Unternehmens zu erwerben, um den Aktienkurs so in die Höhe zu treiben. In einigen Fällen kann der Akteur sogar das betreffende Unternehmen selbst sein, das versucht, seinen eigenen Aktienkurs zu manipulieren, obwohl dies strengstens verboten und strafrechtlich verfolgt wird.

Nachdem, wie zu Beginn erläutert, eine bedeutende Menge des Papiers des betreffenden Unternehmens erworben wurde, wird im Anschluss durch die Verbreitung von übertrieben positiven oder gar erfundenen Nachrichten eine Nachfrage generiert (Pump). Solche Informationen werden dabei vor allem über Social-Media-Kanäle, Spam-Mails oder Cold Calling (Kaltakquise über das Telefon) verbreitet. Sobald der Kurs dann stark angestiegen ist, verkauft der Initiator seine Aktien wieder, wodurch ein starker Kurssturz ausgelöst wird (Dump). Alles, was dann zurückbleibt, sind die unwissenden Investoren mit ihren Verlusten.

Mir passiert sowas nicht!

Die verheerenden Auswirkungen von Pump-and-Dump-Schemata auf ahnungslose Anleger werden eindrücklich in dem bekannten Film „The Wolf of Wall Street“ dargestellt. Der Film zeigt den erschreckenden Rückgang der Aktienkurse und die enormen Verluste, die Investoren im Zuge des Betrugs erleiden mussten. Ein Forscherteam aus Deutschland und den USA hat dazu eine Studie durchgeführt, um das Ausmaß und die Charakteristik der Investoren, die solchen Betrugsschemata zum Opfer fallen, zu erforschen. Dafür werteten sie 421 Pump-and-Dumps aus den Jahren 2002 bis 2015 aus, basierend auf Daten, die von der deutschen Finanzaufsicht BaFin zur Verfügung gestellt wurden. Zudem analysierten sie das Investitionsverhalten von 110 000 Kunden einer deutschen Bank, die entsprechende Daten bereitgestellt hatte.

Die Ergebnisse der Studie sind beeindruckend. Sie stellten fest, dass sechs Prozent aller untersuchten Anleger mindestens einmal in dem angegebenen Zeitraum einem Pump-and-Dump-Schema zum Opfer fielen. Jeder betroffene Investor investierte durchschnittlich elf Prozent seines Gesamtportfolios in die betreffenden Aktien und erlitt am Ende durchschnittlich 30 Prozent Verlust. In den Jahren 2002 bis 2015 ergibt das einen Gesamtschaden in der Größenordnung von mehreren hundert Millionen Euro. Diese Schäden berücksichtigen nicht den Vertrauensverlust der betroffenen Anleger und die daraus resultierenden möglichen negativen Auswirkungen auf die gesamte Börsenlandschaft.

Wie kann man sich schützen?

Es gibt direkt mehrere Schritte, um sich vor dieser Form der Marktmanipulation zu schützen. Bevor Sie in ein Projekt investieren, sollten Sie zunächst gründliche Recherchen durchführen. Seien Sie vorsichtig, wenn ein Projekt besonders aggressiv vermarktet wird. Überprüfen Sie die Quellen der Informationen und vertrauen Sie nur den Quellen, die Sie kennen. Stellen Sie sich immer die Frage, warum Ihnen ein Fremder unaufgefordert Anlageempfehlungen geben sollte.

Denken Sie daran, dass ein hoher Ertrag immer mit einem sehr hohen Risiko einhergeht. Sollten Sie Opfer von Marktmanipulation geworden sein, erstatten Sie unverzüglich Strafanzeige bei der Polizei oder Staatsanwaltschaft und informieren Sie die Finanzmarktaufsicht. Abschließend sei gesagt, dass Anleger, die sich gut informieren und nicht auf schnelle Gewinne aus sind, die Gefahr, Opfer von Pump and Dump zu werden, erheblich minimieren. Die Devise lautet also: Wer auf Nummer sicher gehen will, investiert in Wissen und nicht in Gerüchte. Genau aus diesem Grund haben wir auch hier in unserem Trading Room eine neue Schaltfläche implementiert: Finanzbildung.

Author

Patrick May

Schlagzeilen

Es wurde noch keine Einwilligung erteilt.

Du musst zuerst zustimmen, um Inhalte von TradingView zu sehen.