Philip Hopfs Geschichte
#Finanzbildung

„Eigentlich wollte ich Angler werden“: Die unbekannte Geschichte des Philip Hopf

Author

Muriel Ayari

Mit sieben Jahren wird Philip Hopf nachts von einem klingelnden Telefon geweckt. Die Familie lebt damals in Wien. Am anderen Ende der Leitung: Tokio. Sein Vater spricht mit der Börse.

Es ist eine Zeit, in der Orders noch per Telefon aufgegeben werden und Händler auf den Börsenparketts mit Zetteln wedeln und ihre Kauf- und Verkaufsaufträge durch den Raum schreien. Szenen, die der eine oder andere vermutlich aus alten Börsenfilmen wie Wall Street mit Michael Douglas kennt. Der junge Philip Hopf machte schon früh Bekanntschaft mit dieser für ihn noch fremden Welt. Dass er später selbst einmal sein Geld an den Finanzmärkten verdienen würde, ist damals allerdings alles andere als ausgemacht. Sein eigentlicher Plan fürs Leben sieht völlig anders aus.

Früher Tod des Vaters: "Der Finanzmarkt kann dich komplett vernichten!"

Hopfs Vater ist Spekulant und die Börse damit schon früh Teil von Philips Leben. Als die Familie in Wien lebt und Philip etwa sieben Jahre alt ist, klingelt nachts immer wieder das Telefon. Am anderen Ende der Leitung ist Tokio. Durch die Zeitverschiebung von sieben bis acht Stunden beginnt dort bereits der neue Tag, während in Wien tiefste Nacht herrscht.

Sein Vater beschäftigt sich praktisch rund um die Uhr mit den Märkten. Für Philip sind es einschneidende Erlebnisse, die ihm bis heute im Gedächtnis geblieben sind. Vor allem an die extremen Momente kann er sich noch genau erinnern: „Mal das Hoch, wenn es mega gelaufen ist und er in kurzer Zeit Millionen verdient hat. Und dann die Zeiten, in denen es nicht so gut gelaufen ist. Da erinnere ich mich, dass er viel geschlafen hat.“ Später verliert sein Vater viel Geld, erkrankt unter dem zunehmenden Druck an Alkoholismus und stirbt daran.

Dass diese Zeit Spuren hinterlassen hat, sieht Hopf heute selbst. Rückblickend seien darunter durchaus traumatische Erfahrungen gewesen. Von den Finanzmärkten ferngehalten haben sie ihn dennoch nicht. Philip sieht sich selbst vielmehr als jemanden, der sich damit wohlfühlt, „quasi auf einer Messerschneide zu balancieren“. Gleichzeitig weiß er, wie gefährlich diese Welt werden kann: „Der Finanzmarkt kann dich komplett vernichten.“ Die Erfahrungen seiner Kindheit hätten ihm später geholfen, die Risiken der Börse anders einzuordnen.

"Besessen von der Jagd": Der erste große Traum

Trotz dieses familiären Hintergrunds gibt es für den jungen Philip Hopf zunächst keinen Grund, selbst Börsianer zu werden. Statt Aktienkurse zu verfolgen, verbringt er seine Zeit lieber am Wasser. Das Fischen wird zu seiner Leidenschaft. Im Alter von neun Jahren intensiviert er sein Hobby. „Mit 16 oder 17 war ich überzeugt: Ich werde Angler.“

Nachts bindet er in dieser Zeit seine eigenen Angelhaken und wälzt stundenlang Bücher. Hopf beschreibt sich selbst als „völlig besessen von der Jagd auf Fische“. Professioneller Angler zu werden, sei damals tatsächlich sein Lebenstraum gewesen. Die Leidenschaft ist geblieben. Auch heute geht Hopf noch regelmäßig angeln. Und inzwischen erkennt er sogar eine Gemeinsamkeit zwischen seinem damaligen Traum und seinem heutigen Beruf.

„Man jagt ja den Kursen hinterher“, sagt er. Beim Angeln gebe es Erfolg und Misserfolg genauso wie an der Börse. Entweder man fängt den Fisch oder man geht als „Schneider“ nach Hause, erklärt Hopf mit einem Schmunzeln. So bezeichnet man in der Anglersprache jemanden, der ohne Fang bleibt.

Die Leidenschaft ist geblieben

Auch wenn aus dem Traum vom Profiangler letztlich nichts wurde, ist das Angeln bis heute ein fester Bestandteil von Hopfs Leben. Gerade weil sein Berufsalltag an den Finanzmärkten oftmals sehr stressig werden kann, schätzt er dort das genaue Gegenteil: Ruhe, Zeit für sich und die Möglichkeit, zumindest für eine Weile abzuschalten. Dafür verbringt er auch heute noch mehrere Tage am Stück am Wasser, teilweise eine ganze Woche im Zelt. Ganz loslassen kann er allerdings selbst dort nicht.

„Seitdem wir die HKCM gegründet haben, hatte ich noch nie einen Urlaub. Noch nie einen einzigen Moment, in dem drei Tage mein Laptop aus war.“ Auch beim Angeln produziert er weiterhin seine Videos. Stören würde ihn das nicht. Die Arbeit bringe ihm im Gegenzug viele Freiheiten. „Das ist einfach der Preis, den ich dafür zahlen muss.“

Wie ernst es Hopf mit seiner alten Leidenschaft noch immer ist, zeigt auch seine nächste Tour: Eine Woche lang geht es an einen französischen Alpenstausee, diesmal gemeinsam mit einem Angelguide. Und ausgerechnet dieser führt heute ziemlich genau das Leben, das sich Hopf als Jugendlicher selbst vorgestellt hatte.

Rund 280 bis 300 Tage im Jahr sei der Guide an verschiedenen Seen unterwegs, fahre von einem Gewässer zum nächsten und angle. „Er hat im Endeffekt genau das umgesetzt, was mein früherer Lebenstraum als Heranwachsender war.“ Ein Leben, das Hopf selbst zwar nicht eingeschlagen hat, dessen Faszination ihn aber offenbar bis heute nicht losgelassen hat.

Wie Hopf zu Klinkmüller kam – und die Börse entdeckte

Seinen ersten intensiven Berührungspunkt mit den Finanzmärkten hat Hopf 2009. Allerdings nicht mit Aktien, sondern mit Gold und Silber. Mit dabei sind sein Bruder Christopher und dessen enger Schulfreund Philip Klinkmüller. Die beiden kennen sich bereits seit ihrer Schulzeit, absolvierten gemeinsam das International Baccalaureate, vergleichbar mit dem deutschen Abitur, und waren laut Hopf „immer sehr, sehr eng“. 2010 gründen die drei schließlich gemeinsam die Hopf-Klinkmüller Capital Management (HKCM).

Einen klassischen Weg in die Finanzbranche hat Hopf nie eingeschlagen. Er hat weder studiert noch eine Berufsausbildung absolviert. „Das war rein autodidaktisch. Wir haben uns das selbst beigebracht.“ An den Märkten probieren sich die drei zunächst durch unterschiedliche Trading-Techniken und Analyseansätze, feiern erste Erfolge, müssen aber auch Rückschläge einstecken.

Auf der Suche nach einem Ansatz, der ihnen einen übergeordneten Blick auf die Märkte ermöglicht, stoßen sie schließlich auf die Elliott-Wellen-Analyse. Gleichzeitig kristallisieren sich innerhalb des Teams klare Rollen heraus: Klinkmüller übernimmt die Analyse, Christopher das Management und Hopf das Marketing. „Ich kann Dinge gut verkaufen, ich kann vor Leuten sprechen.“ Dass diese Konstellation für seinen Weg entscheidend war, sieht Hopf heute selbst: „Ich sage immer: Ohne Philip und Christopher wäre ich heute wahrscheinlich Straßenmusikant.“

Vom Anglertraum zum Finanzunternehmer

So wird aus einem Learning by Doing-Einstieg schließlich ein gemeinsames Unternehmen und aus dem Jungen, der die Börse einst durch seinen Vater kennenlernte, selbst ein Unternehmer. Einen klassischen Karriereplan gab es dabei nie. Kein Studium, keine Ausbildung und lange Zeit nicht einmal den Wunsch, beruflich an den Finanzmärkten zu landen. Eigentlich wollte Philip Hopf nur Fische fangen.

Dass sein Weg an der Börse dabei alles andere als reibungslos verlief, zeigt der nächste Teil unserer Reihe. Denn auch Hopf lag mit Investments daneben, musste Verluste verkraften und seine Herangehensweise an die Märkte immer wieder hinterfragen. Welche Erfahrungen ihn dabei besonders geprägt haben, wie er mit Fehlern umgeht und wie sich sein Umgang mit Verlusten über die Jahre verändert hat, erzählt er uns in der nächsten Episode.

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Muriel Ayari

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