MARA verkauft 23 093 Bitcoin und beleiht den Rest der Reserve
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MARA verkauft 23 093 Bitcoin und beleiht den Rest der Reserve

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Nikolai Heger

DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE:

  • MARA verkaufte 23 093 Bitcoin für 1.6 Milliarden US-Dollar.
  • 18 750 Bitcoin dienen jetzt als Kreditsicherheit.
  • Kapitulation oder KI-Umstieg: Die Hashrate bricht ein.

Ein Unternehmen, das jahrelang jeden geschürften Bitcoin hortete, ist 2026 zum größten Verkäufer seiner Branche geworden. MARA Holdings hat im ersten Halbjahr 23 093 Bitcoin abgestoßen und dafür rund 1.6 Milliarden US-Dollar erlöst. Das geht aus dem Quartalsbericht hervor, den der Miner am 6. August bei der US-Börsenaufsicht einreichte. Gleichzeitig hinterlegt das Unternehmen fast 19 000 der verbliebenen BTC als Sicherheit für neue Kredite. Wer verstehen will, warum der Bitcoin-Kurs trotz Milliardenzuflüssen in Fonds seit Wochen bei 65 000 US-Dollar klebt, findet hier einen Teil der Antwort.

Vom Käufer zum Verkäufer: Wie MARA seine Bilanz umgebaut hat

MARA ist der größte börsennotierte Bitcoin-Miner der Welt. Ende 2025 lagen noch 53 822 Bitcoin in der Bilanz, Ende Juni waren es 35 577. Das ist ein Abbau von gut einem Drittel der Reserve binnen sechs Monaten. Der Durchschnittserlös betrug 70 631 US-Dollar je BTC und lag damit deutlich über dem heutigen Kurs. Möglich machte das eine stille Regeländerung: Im Geschäftsbericht (Form 10-K) vom 2. März 2026 lockerte MARA seine Treasury Policy. Seit 2025 darf das Unternehmen frisch geschürfte Bitcoin verkaufen, seit 2026 auch Bestände aus der eigenen Reserve.


Sechs Monate, 23 093 verkaufte Bitcoin Sechs Monate, 23 093 verkaufte Bitcoin 


Der größte Teil des Erlöses floss in den Schuldenabbau. Allein im März verkaufte MARA 15 133 Bitcoin für etwa 1.1 Milliarden US-Dollar. Damit kaufte das Unternehmen eigene Wandelanleihen im Nennwert von einer Milliarde US-Dollar zurück, und zwar mit rund neun Prozent Abschlag.

Der Schritt ist vor allem deshalb attraktiv, weil MARA so für weniger als einen Dollar einen Dollar an nominellen Schulden aus der Bilanz streichen kann. Gleichzeitig sinken künftige Zins- und Rückzahlungsverpflichtungen sowie das Risiko, später zu ungünstigeren Konditionen refinanzieren zu müssen. Konzernchef Fred Thiel sprach entsprechend davon, die Bilanz „zu unseren Bedingungen“ entschuldet zu haben. Die Gesamtverschuldung sank von 3.6 auf etwa 2.4 Milliarden US-Dollar.

Bitcoin als Pfand: 18 750 BTC sichern neue Kreditlinien ab

Zwei Tage vor der Veröffentlichung schloss MARA neue Kreditlinien über 600 Millionen US-Dollar mit Coinbase Credit (Coinbase-Tochter für Krypto-Kreditgeschäfte) und Two Prime ab. Samt refinanziertem Altkredit stehen damit 750 Millionen US-Dollar bereit. Als Sicherheit hinterlegte der Miner 18 750 Bitcoin im Wert von rund 1.2 Milliarden US-Dollar. Solche Verträge enthalten eine Nachschusspflicht: Fällt der Kurs unter eine vereinbarte Schwelle, muss der Kreditnehmer weitere Coins nachlegen.

Das Geld ist bereits verplant. MARA will damit unter anderem die Übernahme von Long Ridge Energy & Power für 1.5 Milliarden US-Dollar finanzieren. Dazu gehören ein Gaskraftwerk mit 485 Megawatt Leistung und rund 650 Hektar Land in Ohio. Aus dem Bitcoin-Produzenten wird so schrittweise ein Energie- und Rechenzentrumsbetreiber, der auch KI-Kunden beliefern kann. Damit stellt sich die entscheidende Frage: Verkauft MARA seine Reserve, um den Bärenmarkt zu überstehen? Oder finanziert der Konzern damit den Abschied vom Mining?

Warum die Margen der Bitcoin-Miner 2026 so eng sind wie nie zuvor

Der Grund für den Umbau liegt im Geschäftsmodell selbst. Miner betreiben riesige Rechenzentren, um neue Bitcoin zu erzeugen. Entscheidend ist dabei der Produktionspreis je Coin, also die Summe aus Strom, Hardware und Betriebskosten. Schätzungen für die börsennotierten Miner liegen je nach Berechnungsmethode zwischen 70 000 und 90 000 US-Dollar. Der Marktpreis liegt seit Monaten darunter. Jeder neu geschürfte Coin kostet im Schnitt also mehr, als er am Markt einbringt. MARA steigerte seine Leistung binnen eines Jahres von 57.4 auf 70.3 Exahash pro Sekunde. Der Halbjahresumsatz fiel trotzdem um 23 Prozent auf 349.5 Millionen US-Dollar.


Enge Margen zwingen MARA zu Verkauf und Pfand Enge Margen zwingen MARA zu Verkauf und Pfand 


Unter dem Strich stand im zweiten Quartal ein Verlust von 611.3 Millionen US-Dollar. Mit diesem Problem steht MARA nicht allein. Auch Strategy verkauft inzwischen wöchentlich und hält nach dem Abgang von 1690 Münzen noch 840 447 Bitcoin. Beide Konzerne bedienen mit dem Erlös Verbindlichkeiten, statt neue Bitcoin zu kaufen.

Miner-Kapitulation: Bodensignal oder endgültiger Ausstieg?

Der Rückzug betrifft längst das gesamte Netzwerk. Die Hashrate des Bitcoin-Netzwerks liegt rund 20 Prozent unter ihrem Rekord vom November 2025. Die Mining-Schwierigkeit fiel im selben Zeitraum von etwa 156 auf 126 Billionen. Das ist der drittstärkste Rückgang seit Einführung spezialisierter Mining-Chips. Nur der chinesische Mining-Bann 2021 und der Bärenmarkt 2018 wogen schwerer. Eine sinkende Schwierigkeit bedeutet: Rechenleistung hat das Netzwerk verlassen, Miner haben ihre Maschinen abgeschaltet. Genau dieses Muster nennt der Markt Miner-Kapitulation.

In früheren Zyklen war das ein Bodensignal. Schwache Anbieter gaben auf, die Schwierigkeit sank, und für die verbliebenen Miner rechnete sich das Geschäft wieder. Der Verkaufsdruck versiegte, weil niemand mehr zwangsweise verkaufen musste. Historisch fiel diese Phase häufig mit dem Tief des Zyklus zusammen. 2018 und 2022 verlief es exakt so.

Diesmal spricht einiges gegen die reine Zyklus-Lesart. Der Ausstieg ist nicht abwartend, sondern vertraglich. Wettbewerber wie Hut 8, Core Scientific und TeraWulf binden ihre Stromkapazität über zwölf bis zwanzig Jahre an KI-Rechenzentren. Diese Kapazität kehrt nicht ins Mining zurück, egal wie stark Bitcoin später steigt. MARAs Kauf von Long Ridge folgt derselben Logik. Der Aktienmarkt bewertet das längst: Ein Korb von Mining-Aktien gewann Anfang 2026 rund 56 Prozent, während Bitcoin 17 Prozent verlor.

Für Bitcoin bleibt damit eine unbequeme Doppeldeutigkeit. Kurzfristig drückt der Verkaufsdruck der Miner auf den Kurs. Langfristig verschwindet mit jeder abgeschalteten Anlage ein struktureller Verkäufer aus dem Markt. Wie diese Phase historisch endete und was BTC jetzt für neue Hochs braucht, ordnet unsere Analyse ein: Bitcoin-Miner kapitulieren: Wann endet der BTC-Bärenmarkt?

Was der Verkaufsdruck für Anleger und den Bitcoin-Kurs bedeutet

Für den Markt kehrt sich damit ein Mechanismus um. Jahrelang hat sich die Krypto-Branche institutionelle Teilnehmer gewünscht. Jetzt zeigt sich die Kehrseite dieses Wunsches. Einzelne Akteure halten inzwischen so große Bestände, dass ihre Bilanzentscheidungen den Kurs direkt bewegen. 2026 wirken sie als zusätzliche Angebotsquelle, ausgerechnet in einer Phase, in der die US-Fonds wieder rund 850 Millionen US-Dollar einsammeln.

Dieses Kräftemessen erklärt die zähe Seitwärtsbewegung besser als jede Prognose. Offen bleibt, wer zuerst nachgibt. Fällt der Kurs deutlich, können besicherte Kredite wie der von MARA erzwungene Verkäufe auslösen. Die Juli-Inflation von 3.4 Prozent brachte am Mittwoch keine Entlastung. Den nächsten Test liefert die Fed-Sitzung am 16. September.

Leseempfehlung: Auf dieses Signal wartet Bitcoin seit 2020. Damals kam die Altcoin-Season.

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Nikolai Heger

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