Kraken an der Fed: Krypto stößt ins Innerste der US-Notenbank vor
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Kraken an der Fed: Krypto stößt ins Innerste der US-Notenbank vor

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Nikolai Heger

Das Wichtigste in Kürze:

  • Kraken Financial erhält als erste Krypto-Bank direkten Zugang zur Zahlungsinfrastruktur der US-Notenbank (Fed).
  • Dollarzahlungen können dadurch direkter und schneller abgewickelt werden, ohne Zwischenbanken.
  • Die Fed testet damit ein neues, begrenztes Zugangsmodell für Fintechs zur Finanzinfrastruktur.

Eine Krypto-Firma und die Fed – das klingt erst einmal nach einer Spezialmeldung für Brancheninsider. Tatsächlich erzählt der Fall Kraken Financial aber eine viel größere Geschichte: über eine Banklizenz aus Wyoming, über den Zugang zu den Geld-Autobahnen der USA und über die Frage, welche neuen Finanzfirmen direkt an die Infrastruktur der Notenbank andocken dürfen. Kraken Financial erhält als erstes Digital-Asset-Bankmodell einen direkten Zugang zu den Kernsystemen der Fed. Für Bitcoin, Ethereum und den gesamten Kryptomarkt ist das ein Paradigmenwechsel.

Was Krakens Banklizenz und der Fed-Zugang konkret bedeuten

Firmen wollen direkten Zugang zum Fed-Zahlungssystem, weil Zahlungen dadurch schneller, günstiger und unabhängiger von Geschäftsbanken abgewickelt werden können – das ist ein klarer Effizienz- und Wettbewerbsvorteil. Die Fed reglementiert den Zugang, weil direkte Anbindung an die Zahlungsinfrastruktur auch Risiken für Geldwäschekontrolle, IT-Sicherheit, Liquidität und die Stabilität des Finanzsystems schafft. Deshalb lässt sie nicht einfach alle hinein, sondern nur Institute, die strenge Auflagen erfüllen.

Wichtig ist zuerst die Unterscheidung: Nicht die Kryptobörse Kraken selbst bekommt hier eine Sonderrolle, sondern ihre Banktochter Kraken Financial. Sie ist eine in Wyoming lizenzierte Special Purpose Depository Institution, kurz SPDI – also eine staatlich regulierte Bank mit einem Vollreserve-Modell.

Das heißt vereinfacht: Sie arbeitet deutlich konservativer als eine klassische Kreditbank und hält laut Kraken liquide Mittel in Höhe von mindestens 100 Prozent der Kundeneinlagen in US-Dollar. Die Kansas City Fed hat ihr nun ein zunächst auf ein Jahr befristetes limited purpose account genehmigt, was Kraken einen begrenzten Zugang zum Fed-Zahlungssystem erlaubt.


Fedwire Funds: TagesdurchschnittFedwire Funds - Tagesdurchschnitt


Hintergrund ist dabei folgender: Wer direkt an die Zahlungsinfrastruktur der Fed angeschlossen ist, kann Dollarzahlungen schneller und unmittelbarer abwickeln. Bislang waren viele Kryptofirmen dafür auf Zwischenbanken angewiesen. Genau dieser Umweg über andere Banken fällt nun zumindest teilweise weg.

Bisher war Kraken bei Dollar-Zahlungen auf zwischengeschaltete Bankpartner angewiesen – etwa auf Institute wie Signature Bank, Silvergate, MVB Bank oder Bank Frick. Künftig kann das Unternehmen solche Transfers direkter über die US-Zahlungsinfrastruktur abwickeln. Für institutionelle Kunden ist das vor allem operativ wichtig: Dollar-Zahlungen lassen sich schneller und verlässlicher abwickeln, die Abhängigkeit von Intermediären sinkt und Prozesse in Treasury, Buchhaltung und Compliance werden einfacher.

Warum die Nachricht auch für Nicht-Krypto-Firmen relevant ist

Der Kern der Geschichte liegt tiefer. Es geht nicht nur um Krypto, sondern darum, wer direkten Zugang zur Infrastruktur des Dollar-Systems bekommt. Genau das macht Kraken besonders, denn für Kryptofirmen war dieser Zugang bisher deutlich schwieriger und lief meist nur über Partnerbanken. Die Fed macht ihn nun mit begrenzten payment accounts proaktiv etwas leichter - nicht, weil sie Krypto plötzlich gut findet, sondern weil sie mehr Kontrolle, klarere Regeln und weniger Abhängigkeit von zwischengeschalteten Banken will. Der Vorteil für die Fed: Zahlungsströme lassen sich direkter beaufsichtigen. Der Nachteil: Sie holt neue, riskantere Akteure näher an das Dollar-System heran.

Das zeigt: Die Debatte dreht sich längst nicht mehr nur um Bitcoin und Börsen, sondern um die nächste Bauphase der Finanzinfrastruktur. Auch die Aktie von Coinbase stieg rund um die Kraken-Nachricht deutlich an. Die Coinbase-Aktie stieg, weil Krakens Zugang zum Fed-Zahlungssystem als Signal galt, dass Krypto-Unternehmen regulatorisch stärker akzeptiert werden und dadurch die Chancen der ganzen Branche auf günstigere, direktere Zahlungsabwicklung steigen.


Chartverlauf Coinbase; Quelle: TradingView


Kraken bekommt dabei keinen Blankoscheck. Der Zugang ist begrenzt und umfasst nicht alle Rechte eines vollen Fed-Kontos. So darf Kraken beispielsweise keine Zinsen auf Reserven bei der Notenbank erhalten. Gerade das macht den Fall so spannend: Die Fed testet keinen kompletten Gleichstand mit klassischen Banken, sondern eine neue Zwischenstufe.

Wer es vor Kraken versucht hat – und woran es scheiterte

Dass dieser Schritt jetzt so aufhorchen lässt, liegt auch an der Vorgeschichte. Custodia Bank, ebenfalls aus Wyoming, wollte auch einen Fed-Zugang und die Mitgliedschaft im Federal-Reserve-System und scheiterte. Die US-Notenbank lehnte den Antrag 2023 ab und verwies auf erhebliche Risiken für Sicherheit und Stabilität durch das Geschäftsmodell und den Fokus auf digitale Vermögenswerte. Später bestätigten Gerichte zudem, dass es keinen Automatismus gibt: Eine rechtlich zugelassene Bank hat keineswegs automatisch Anspruch auf ein Fed-Konto.


Der Weg zu Kraken, Vorgeschichte FED ZugangDer Weg zu Kraken: Vorgeschichte des Fed-Zugangs


Noch spannender: Der Streit ist älter als Krypto. The Narrow Bank wollte großen Anlegern einen fast direkten Parkplatz für ihr Geld bei der US-Notenbank bieten – inklusive der dort gezahlten Zinsen. Wäre das Modell genehmigt worden, hätten institutionelle Investoren ihr Geld besonders sicher und teils zu besseren Konditionen parken können, weil es näher an der Liquidität und Verzinsung der Fed gewesen wäre. Für Banken hätte das den Druck erhöht: Einlagen könnten schneller abfließen, vor allem in Krisenzeiten. Profitiert hätten also vor allem Anleger, während Banken eher Nachteile gehabt hätten.

Nach mehr als sechs Jahren wurde der Antrag 2024 abgelehnt. Der Fall macht deutlich, dass die Fed seit Jahren an derselben Grundfrage hängt: Wie viel direkten Zugang will sie neuartigen, eng regulierten, aber ungewöhnlichen Bankmodellen wirklich geben? Diese Frage ist so entscheidend, weil sich an ihr entscheidet, wer ins Herz des Notenbanksystems vordringen darf – und warum dort eben nicht einfach jeder Zugang bekommt.

Warum der IORB-Zins in dieser Debatte so wichtig ist

Um zu verstehen, warum der Fall The Narrow Bank so heikel war, hilft ein einfacher Blick auf den sogenannten IORB-Zins. Das ist der Zins, den die US-Notenbank auf bestimmte Guthaben zahlt, die Banken direkt bei ihr halten. Vereinfacht gesagt: Wer Geld direkt oder fast direkt bei der Fed parken kann, bekommt dafür eine besonders sichere Verzinsung.

Das will ich als Leser direkt zu Beginn wissen: Warum wollen Firmen das überhaupt? welchen Wettbewerbsvorteil haben sie daraus? Und warum will die Fed das reglementieren? Wieso lässt die nicht einfach alle da rein? Das ist extrem wichtig, um die Bedeutung dieser Headline zu verstehen, deshalb müssen unsere Leser das sofort und zuallererst checken!


IORB - Zins auf ReserveguthabenIORB - Zins auf Reserveguthaben


Genau darin lag der Reiz des Modells. The Narrow Bank wollte großen Anlegern einen extrem sicheren Parkplatz für ihr Geld bieten und einen großen Teil dieses Fed-Zinses an sie weitergeben. Für Investoren wäre das attraktiv gewesen, weil sie ihr Geld sehr sicher und zugleich vergleichsweise lukrativ hätten parken können. Für klassische Banken wäre das dagegen unangenehm geworden: Einlagen hätten leichter abwandern können, weil es plötzlich eine Alternative gegeben hätte, die sehr sicher ist und direkt an der Infrastruktur der Notenbank hängt.

Genau deshalb ist die Nachricht um Kraken mehr als nur Firmen-News. Der Fall markiert keinen Schlussstrich, sondern einen neuen Anfang. Die zentrale Frage lautet nicht mehr, ob Krypto näher an das klassische Finanzsystem rückt. Sie lautet jetzt, wie tief diese Branche – und perspektivisch womöglich auch größere Altcoin- oder DeFi-Projekte – in die Infrastruktur des Dollar-Systems hineinwachsen darf. Für konkrete chattechnische Analysen zu interessanten Altcoins, könnte sich zudem ein Blick in unser Altcoin-Paket lohnen.

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Nikolai Heger

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