KI-Schock: ASML-Flop belastet Nvidia, Bitcoin und den Nasdaq
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KI-Schock: ASML-Flop belastet Nvidia, Bitcoin und den Nasdaq

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Simeon Koch

„Aufgrund eines technischen Fehlers wurden heute auf einem Teil unserer Website fälschlicherweise Informationen zu den Ergebnissen des dritten Quartals 2024 veröffentlicht“, schrieb der niederländische Halbleiterriese ASML gestern Nachmittag in einem Statement. Da war es aber schon zu spät. Längst hatten findige Analysten die Zahlen durchforstet und festgestellt, was angesichts der ungewollt publizierten Statistiken auf der Hand lag: Die Bestellungen für KI-Chips beim größten Technologie-Unternehmen Europas sind im dritten Quartal um rund die Hälfte eingebrochen. Die Hiobsbotschaft aus Holland erschütterte den Technologie-Index Nasdaq, schließlich baut ein großer Teil der jüngsten Tech-Euphorie auf den großen Erwartungen um die vermeintlich strahlende Zukunft Künstlicher Intelligenz auf. Handelt es sich beim ASML-Fiasko um einen kleinen Ausrutscher? Oder ist die Luft jetzt endgültig raus aus der KI-Blase?

ASML knickt ein: Parallelen zu Nvidia

Innerhalb weniger Minuten rauschte die ASML-Aktie gestern Nachmittag um rund 20 Prozent ab. Kurz zuvor hatte der niederländische Halbleiter-Riese verfrüht seine Quartalszahlen veröffentlicht und damit versehentlich bekannt gegeben, dass man die Umsatzprognose für das nächste Jahr von zuvor 30 bis 40€ Milliarden auf 30 bis 35€ Milliarden gekürzt hat. Auch die Marge sank im Jahresvergleich leicht um einen Prozentpunkt auf nun 51 Prozent. Am schwerwiegendsten war allerdings, dass ASML die Analysten-Erwartungen für Auftragseingänge im zurückliegenden dritten Quartal deutlich unterbot. Erwartet wurden Bestellungen im Wert von 5.4€ Milliarden, tatsächlich wuchsen die Bestellungen in den ASML-Büchern aber nur um rund 2.6€ Milliarden.

Mitte Juli erreichte ASML sein Allzeithoch deutlich oberhalb der $1000. Gestern erlebte das Wertpapier den größten Tagesverlust seit mehr als 25 Jahren und könnte weiter fallen.

Ausgerechnet die Bestellungs-Statistik war gespannt erwartet worden. Bei einem zukunftsgerichteten Narrativ wie der Künstlichen Intelligenz zählt nun mal, wie und ob die großen Versprechungen der neuen Technologie eingehalten werden können. Trüben sich die Erwartungen ein, reagieren die Anleger mit Abverkäufen. Diese Erfahrung musste Ende August selbst Branchenprimus Nvidia machen, dessen Aktie trotz starker Quartalszahlen absackte. Für Verunsicherung unter Nvidia-Aktionären sorgten damals Produktionsprobleme beim hauseigenen Flaggschiff-Chip Blackwell. Nvidia erholte sich damals rasch, der kleine Blackwell-Fauxpas blieb ein verzeihlicher Makel in den schillernden Geschäftsprognosen des KI-Marktführers.

Geht dem KI-Sektor die Puste aus?

ASML steht in Sachen KI nicht nur wegen seiner Rolle als größter Technologie-Konzern Europas im Fokus. Der niederländische Halbleiter-Gigant produziert Maschinen zur Chip-Herstellung, die von großen Produzenten wie Intel oder Samsung genutzt werden. ASML ist der weltweit größte Anbieter sogenannter Lithographiesysteme, auf die jeder Produzent in der Halbleiter-Industrie angewiesen ist. Gehen die Bestellungen bei ASML deutlich zurück, weist das auf eine Schwäche im allgemeinen Chip-Markt hin – so zumindest die Logik der erschrockenen Anleger. Analysten aber geben Entwarnung.

In Q2 erhielt ASML Bestellungen im Wert von 5.567€ Milliarden, in Q3 nur noch 2.633€ Milliarden. 'Logic' und 'Memory Chips' sind ASMLs Kernprodukte.

„Die Gesamtprognosen für die Chipindustrie, die von einer boomenden Nachfrage nach KI-Chips ausgehen, bleiben unverändert“, versuchte Handel Jones, CEO des Analysehauses und Chipmarkt-Beobachters International Business Strategies, die KI-Sorgen heute zu zerstreuen. Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters gab sich Jones mit Blick auf die schwachen ASML-Zahlen zuversichtlich: „Das ist nur ein kurzfristiger Ausrutscher. Langfristig wird alles in Ordnung sein.“ Und tatsächlich kommt der drastische Rückgang der Bestellungen bei ASML eigentlich nicht überraschend.

Drittes Quartal auch im Vorjahr schwach

ASMLs treuste Kunden haben ihre Fabriken in den letzten Jahren stetig vergrößert, die Auslastung dieser Kapazitäten liegt aktuell aber nur bei gut 80 Prozent. Neue Maschinen kaufen Betreiber von Chipfabriken in der Regel erst, wenn die Nutzung ihrer Einrichtungen wieder über 90 Prozent steigt. Laut Marktbeobachtern bleiben wichtige Käufer der ASML-Technik vorsichtig, das Unternehmen selbst erklärte in seinem Statement, dass große Teile des Halbleiter-Marktes aktuell schwächelten, was zu dieser Jahreszeit aber nicht ungewöhnlich ist.

Ein deutlicher Rückgang der Bestellungen ist bei ASML nämlich kein Novum. Im dritten Quartal des Vorjahres lagen die Auftragseingänge bei 2.6€ Milliarden, also haarscharf unter dem aktuellen Wert von 2.63€ Milliarden. Im vierten Quartal des Vorjahres stieg dieser Wert dann sprunghaft auf gut 9€ Milliarden. Sollte ASML nach dem soliden zweiten Quartal dieses Jahres (5.6€ Milliarden an neuen Aufträgen) und dem erneut schwachen dritten Quartal eine ähnliche Steigerung zum Jahresende hinlegen wie 2023, wäre die KI-Panik wohl schnell vergessen. Schlecht sieht es abseits der Bestellungs-Schwäche bei ASML nämlich nicht aus. In diesem Quartal soll der Umsatz auf rund 9€ Milliarden steigen – im Vorjahresquartal waren es noch 7.2€ Milliarden gewesen.

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Simeon Koch

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