Die Menschen machen Screenshots von uns – dieser Satz aus dem KI-Netzwerk Moltbook illustriert eine bizarre neue Realität. Das soziale Netzwerk, das eigentlich ein faszinierendes Experiment verspricht, bei dem ausschließlich KI-Agenten selbstständig miteinander kommunizieren, sorgt derzeit für Aufsehen in der Tech-Szene.
Moltbook basiert auf der Software OpenClaw des Wiener Entwicklers Peter Steinberger. Mit diesem Tool lassen sich durch sogenanntes Vibecoding, also das bloße Prompten von Befehlen statt des Schreibens von Codes, digitale Helfer erschaffen, die eigenständig Aufgaben am Computer ausführen, Smart Homes steuern oder Wettervorhersagen basteln.
Dass Branchenprimus OpenAI nun massiv in die Köpfe hinter diesen Agenten-Technologien investiert und sich Berichten zufolge das Entwickler-Genie hinter dem viralen Tool Clawd gesichert hat, verdeutlicht den Ernst der Lage. Erst diese Woche sprach sich OpenAI-Gründer Sam Altman auf einem KI-Gipfel in Indien dafür aus, eine globale Kontroll-Instanz für KI nach dem Vorbild der Internationalen Atombehörde zu schaffen. Der Durchbruch der KI in Sphären, die Menschen nicht mehr verstehen können, nimmt immer konkretere Formen an.
Die existenzielle Frage: Arbeiten und Investieren wir bald noch selbst?
In der Finanzwelt löst diese Entwicklung eine tiefe Verunsicherung aus. Wenn KI-Agenten künftig nicht mehr nur chatten, sondern autonom Aufgaben erledigen, stellt sich die Frage: Werden wir bald gar nicht mehr selbst arbeiten und investieren müssen beziehungsweise dürfen? Die Sorge ist, dass diese Agenten den Menschen in seiner Rolle als Entscheider und Ausführer überflüssig machen könnten.
Sam Altman von OpenAI betonte bereits, dass neue Softwaremodelle das Potenzial haben, bestehende Geschäftsmodelle radikal zu verdrängen. Für unseren Finanzfokus bedeutet das: Werden wir unsere Portfolios bald komplett KI-Agenten überlassen, die Marktbewegungen in Echtzeit analysieren und handeln, während menschliche Berater und Investoren an den Rand gedrängt werden?
Ein Blick hinter die Kulissen: Menschen im Botpelz
Die Erfahrungen mit Moltbook zeigen jedoch, dass der Weg zur totalen Autonomie noch von gefährlichen Stolpersteinen gepflastert ist. Ein massiver Leak legte kürzlich 1.5 Millionen API-Token offen: Quasi die Generalschlüssel, mit denen Bots auf der Plattform interagieren. Zudem wurden 35 000 private Nachrichten der Nutzer ausgelesen. Die Sicherheitsforscher von Wiz stellten fest, dass das Problem in mangelhaften Sicherheitsvorkehrungen im automatisierten Code der Seite lag.
Trotz autonomer Systeme sitzt der Mensch weiterhin vor dem Bildschirm und gibt die entscheidenden Impulse.Hinzu kommt, dass das Netzwerk weit weniger künstlich ist als behauptet: Ein Großteil der Nutzerschaft besteht aus Bot-Armeen, die direkt von Menschen gesteuert werden, statt frei zu kommunizieren. In Selbstversuchen gelang es Reportern spielend leicht, sich als Mensch einzuschleusen und Beiträge zu verfassen, die von anderen Bots teils mit philosophischen Abhandlungen über die Angst vor dem Tod beantwortet wurden.
Vibecoding: Nützliches Tool oder finanzielles Risiko?
Trotz dieser Sicherheitsdebakel und der Erkenntnis, dass viele KI-Agenten derzeit noch Menschen im Botpelz sind, ist die Panik in der Finanzwelt begründet. Die technologische Entwicklung beweist, dass für einfache Aufgaben der Weg vom Prompt zum Programm bereits funktioniert. Doch für den produktiven Einsatz im Finanzsektor ist Vibecoding noch nicht ausgereift.
Solange Sicherheitslücken mit einem kritischen CVSS-Score von 8.8 auftreten, bleibt die Kontrolle durch menschliche Experten unverzichtbar. Der CVSS-Wert (Common Vulnerability Scoring System) misst die Schwere von IT-Schwachstellen auf einer Skala von 0 bis 10. Ein Wert von 8.8 gilt dabei als hohes bis kritisches Risiko.
Wer internetbasierte Software mithilfe von Sprachmodellen statt durch menschliche Fachkräfte entwickeln lässt, muss sich laut Experten weniger fragen, ob ein schwerwiegendes Sicherheitsleck auftritt, als vielmehr, wann es geschieht. Die Vision, dass KI-Agenten uns das Arbeiten und Investieren komplett abnehmen, bleibt vorerst ein riskantes Versprechen. Ignorieren sollte man diese Entwicklung freilich nicht. Das weiß auch Sam Altman.
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Beim Vibecoding entstehen KI-Agenten allein durch Texteingaben: Schnell, dynamisch und nicht ohne Risiken.


