In der Vorweihnachtszeit gehört Schokolade für viele Deutsche einfach dazu. Doch dieses Jahr fällt auf: Die Preise für Pralinen, Tafeln und Adventskalender sind merklich gestiegen. Ähnlich sieht es bei einer anderen liebgewonnenen Tradition aus: dem morgendlichen Kaffee. Warum geraten diese beiden Genussmittel gerade jetzt ins Visier globaler Preisschübe? Ein Blick auf die Märkte für Kakao und Kaffee zeigt, dass die Ursachen vielfältig sind – von extremen Wetterbedingungen bis hin zu geopolitischen Spannungen in den Erzeugerländern und Problemen mit Lieferketten.
Spannungen in Westafrika befeuern Kakao-Rallye
Die Kakaoernte ist ein zentraler Wirtschaftszweig in Westafrika. Die beiden größten Produzenten, die Elfenbeinküste und Ghana, liefern fast zwei Drittel des weltweiten Kakaos. Doch dieses Jahr gerieten die Ernten stark unter Druck. In der Elfenbeinküste führten heftige Regenfälle zu überfluteten Feldern und einer erhöhten Krankheitsanfälligkeit der Pflanzen. Das Resultat: Qualitätsprobleme und eine erhöhte Sterblichkeitsrate von Kakaoknospen. Ghana verzeichnete im Vorjahr eine 23-jährige Tiefstmarke bei der Produktion – eine Folge von Dürren und Krankheiten.
Laut der International Cocoa Organization (ICCO), einem globalen Gremium zur Förderung eines stabilen Kakaomarkts, wurde die weltweite Kakao-Produktion im vergangenen Jahr auf knapp viereinhalb Millionen Tonnen geschätzt – deutlich weniger als die Nachfrage, wie die ICCO in einer Stellungnahme kürzlich erklärte: „Die globale Versorgung kann die Nachfrage nicht mehr decken. Dies führt zu einem Defizit von fast 500 000 Tonnen – dem höchsten seit über 60 Jahren“. Zugleich erreichten die weltweiten Kakaolagerbestände ein 46-Jahres-Tief.
Ghana kürzt Exporte, Elfenbeinküste erntet mehr
Ghana, der zweitgrößte Kakaoexporteur, sieht sich mit schwierigen Erntebedingungen konfrontiert. Die Ernte 2023 fiel mit 425 000 Tonnen auf den niedrigsten Stand seit 23 Jahren. Das Land musste bereits seine Produktionsprognose für das kommende Jahr von 700 000 Tonnen auf 650 000 Tonnen senken. Diese Probleme führen zu einem massiven Defizit auf dem Weltmarkt.
Leichte Entspannungssignale gibt es aus der Elfenbeinküste, dem weltgrößten Kakaoproduzenten: Im Oktober 2024 hat die ivorische Kakaobehörde die erwartete Produktion auf rund 2.2 Millionen Tonnen angehoben, noch im Juni war man von genau zwei Millionen Tonnen ausgegangen.
Hinzu kommen preistreibende politische Maßnahmen: Um den Einkommensverlusten der Bauern entgegenzuwirken, erhöhte Ghana kürzlich den festen Ankaufspreis für Kakaobauern. Präsident Nana Akufo-Addo verkündete eine Steigerung auf umgerechnet 3062 US-Dollar pro Tonne. Kritiker sehen darin primär einen Versuch, Wähler vor den Wahlen im Dezember zu gewinnen. Die Maßnahme könnte zudem das Problem der Kakaobohnen-Hortung verschärfen, das den globalen Markt zusätzlich belastet.
Lagerbestände schmelzen: Kaffee-Knappheit in Europa
Auch der Kaffeemarkt bleibt heiß: Die Preise für Arabica-Kaffee erreichten im August 2024 ein 13-Jahres-Hoch von fast 2.40 US-Dollar pro Pfund, wie der ICO-Analyst Dock No in einem kürzlich veröffentlichten Bericht festhielt. Auch Robusta, der für seine Bitterkeit bekannte Kaffee aus Vietnam, stieg stark im Preis. Der Grund: Wetterextreme wie Dürre und Frost setzen den Anbaugebieten massiv zu. Rund 70 Prozent des weltweit produzierten Kaffees entfällt auf die Sorte Arabica, der Rest auf Robusta. Arabica kommt vor allem aus Äthiopien, Indien, Kolumbien und Brasilien.
Dass die Nachfrage nach Kaffee auf den Weltmärkten nun schon länger das Angebot übersteigt, liegt auch an rückläufigen Reserven: Seit 2022 bauen viele Länder ihre Kaffeelager ab. In Europa sanken die Vorräte von 14 Millionen Säcken auf sieben Millionen. Pro Sack werden je nach Herkunftsland 60 bis 70 Kilogramm veranschlagt. Noch gravierender ist die Situation in Vietnam, dem größten Produzenten von Robusta-Kaffee. „Vietnam hat uns mitgeteilt, dass es aktuell keinerlei Lagerbestände gibt und die Exporte in den letzten Monaten stark zurückgegangen sind“, schreibt Dock No.
Schoko-Weihnachtsmänner um die Hälfte teurer
Ob Kakao oder Kaffee: Wetterextreme wie Frost, Überschwemmungen und Dürre sind der gemeinsame Nenner für die aktuellen Marktprobleme. Sie führen zu schwankenden Erträgen und drücken die Qualität der Ernten. Die Folge sind steigende Preise, die sich durch die gesamte Lieferkette ziehen. Hinzu kommen Probleme in der Logistik. Seit Monaten anhaltende Angriffe auf Handelsschiffe im Suezkanal zwangen viele Schiffe zu längeren Routen um Afrika, was die Lieferzeiten und Transportkosten erhöhte. „Obwohl der Effekt relativ gering ist, summieren sich diese Zusatzkosten über die Zeit“, erklärt der ICO-Experte Dock No in seinem Bericht.
Deutschland ist einer der weltweit wichtigsten Abnehmer von Kaffee und Kakao. Und besonders in der Vorweihnachtszeit sind die Preisanstiege im Agrarsektor auch hierzulande zu spüren. Laut dem Statistischen Bundesamt lagen die Preise für Schokolade und kakaohaltige Produkte im Oktober 2024 um etwa zwölf Prozent höher als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Tagesschau berichtete kürzlich, dass Schokoladen-Weihnachtsmänner in diesem Jahr je nach Marke um bis zu 50 Prozent teurer sein könnten, bei Lebkuchenherzen sind es immerhin gut 30 Prozent. Die Nachfrage ist laut Marktforschern aber ungebrochen – schließlich muss man die Feste feiern, wie sie fallen.


Pünktlich zur Vorweihnachtszeit startet der Kakaopreis eine erneute Rallye, dürfte aber bereits in der beigen Zielzone ein übergeordnetes Top erreichen und anschließend wieder abverkaufen.
Schon im letzten Jahr machte sich die Kakao-Knappheit bemerkbar. Vom historischen Top bei USX 11 722 setzte der Kurs bereits deutlich zurück, mittelfristig dürfte es hinab in die grüne Zielzone gehen.
Auch der Kaffee-Preis durchläuft seit Ende 2023 eine historische Rallye und dürfte bis zum übergeordneten Top der magentafarbenen Welle (B) noch ein gutes Stück ansteigen.
