Indien will die Solarindustrie in den USA übernehmen
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Indien will die Solarindustrie in den USA übernehmen

Da die USA derzeit ihre gegen chinesische Solarhersteller gerichteten Zölle verschärfen, planen indische Unternehmen offenbar, künftig auf dem nordamerikanischen Markt Fuß zu fassen. Sumant Sinha, Geschäftsführer von ReNew, einem der größten Unternehmen für erneuerbare Energien in Indien, erklärte gegenüber der britischen Tageszeitung Financial Times, dass es wohl eine erhöhte „Nachfrage“ nach Solarkomponenten aus Indien geben werde. Der Grund: Washington will bei der Energiewende die Abhängigkeit von China verringern. Chinesische Unternehmen hatten den nordamerikanischen Markt in den letzten Jahren im Sturm erobert, begünstigt durch staatliche Subventionen in China sowie Förderprogramme in Nordamerika. Doch nun stehen diese Unternehmen verstärkt unter Beobachtung der nordamerikanischen Behörden. Letzte Woche veröffentlichte das Handelsministerium vorläufige Schätzungen von Zöllen von bis zu 293 Prozent für Solarzellenexporteure aus vier südostasiatischen Ländern, von denen die USA den Großteil ihrer Solarprodukte beziehen. Die Marktbedingungen werden sich somit zweifellos verändern – und Indien ist bereit, zukünftig eine Schlüsselrolle einzunehmen.

 

Neue Zölle auf Importe aus Südostasien

Das nordamerikanische Handelsministerium hat am vergangenen Dienstag vorläufige Ausgleichszölle auf Solarzellenimporte aus vier südostasiatischen Ländern angekündigt: Kambodscha, Malaysia, Thailand und Vietnam. Diese Entscheidung ist Teil einer Untersuchung, bei der geprüft wird, ob chinesische Unternehmen in diesen Ländern staatliche Subventionen erhalten, um so den nordamerikanischen Markt mit günstigen Produkten zu fluten – und zudem die Zölle seitens der USA zu umgehen. „Die heutige Ankündigung ist ein wichtiger Schritt in einem einjährigen Prozess, um das Ausmaß dieser Subventionen zu ermitteln“, erklärte Tim Brightbill, Partner bei der Anwaltskanzlei Wiley Rein und Vertreter des American Alliance for Solar Manufacturing Trade Committee. Die Gruppe von Solarunternehmen hatte die Untersuchung beim Handelsministerium angestoßen. Nordamerikanische Solar-Lobby-Gruppen kritisieren schon länger, dass das Vorgehen chinesischer Hersteller zu massiven Wettbewerbsverzerrungen führt. Sie warnen zudem vor möglichen Sicherheitsrisiken, die durch eine Abhängigkeit von chinesischen Komponenten im Energiesektor entstehen könnten.

 

Indiens Ambitionen

„Es gibt keinen Hersteller von Modulen in Indien, der nicht über den Export nachdenkt“, sagt Subrahmanyam Pulipaka, Geschäftsführer der National Solar Energy Federation of India, einer Lobbygruppe, zu deren Mitgliedern große Entwickler wie die Adani Group, Tata Power und ReNew gehören. Laut BloombergNEF beliefen sich die Importe indischer Solarmodule und -zellen im vergangenen Jahr auf $1.8 Milliarden, verglichen mit rund $250 Millionen im Vorjahr. Mit einem Anteil von zehn Prozent an allen Photovoltaik-Importen in die USA hat sich Indien somit als bedeutender Akteur auf dem Markt etabliert. Und diese Position soll nun in Anbetracht der jüngsten Entwicklungen weiter ausgebaut werden.

Verteilung der 2023 in die USA importierten Photovoltaikmodule nach Herkunftsland

Besonders bemerkenswert ist, dass neben Indien vor allem die südostasiatischen Länder Kambodscha, Malaysia, Thailand und Vietnam die Liste der Photovoltaik-Exporteure in die USA anführen. Da diese Länder jedoch von neuen Zöllen betroffen sein werden, bietet sich für Indien weiteres Wachstumspotenzial. Martin Pochtaruk, Geschäftsführer des Unternehmens Heliene, das eine Solarmodulfabrik in Minnesota betreibt, betont, dass indische Lieferanten einen entscheidenden Vorteil haben: Sie unterliegen nicht den neuen Handelsbeschränkungen, die für chinesische Produkte gelten. Heliene, das früher Zellen aus Vietnam und Malaysia bezog, setzt mittlerweile verstärkt auf Indien, um Zölle zu vermeiden. Im Juli gab das Unternehmen ein 150-Millionen-Dollar-Joint-Venture mit Premier Energies, Indiens zweitgrößtem Hersteller von Solarzellen, bekannt, um eine Fabrik in den USA zu errichten.

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