Der Bau von Solarfabriken in den USA durch chinesische Unternehmen boomt und könnte China bald zum Marktführer in der aufstrebenden Branche machen. Laut der Nachrichtenagentur Reuters werden chinesische Firmen im kommenden Jahr über eine jährliche Produktionskapazität von mindestens 20 Gigawatt an Solarmodulen in den USA verfügen – genug, um etwa die Hälfte des nordamerikanischen Marktes zu bedienen. Die heimischen Anbieter dürften durch die neue Konkurrenz Probleme bekommen. Der Grund: Unternehmen mit chinesischer Beteiligung haben gegenüber ihren nordamerikanischen Konkurrenten deutliche Vorteile, etwa hoch subventionierte Lieferketten für notwendige Rohstoffe und unfertige Solarmodule sowie günstige staatliche Finanzierungen. Wie nicht-chinesische Unternehmen profitieren sie aber auch von den US-Subventionen für die Erzeugung sauberer Energie, die im Gesetz zur Reduzierung der Inflation, Joe Bidens Klimagesetz, verankert sind. Dies wirft nun auch Fragen zur nordamerikanischen Subventionspolitik auf.
„Die Karten werden neu gemischt“
Chinesische Unternehmen, die Fabriken in den USA errichten, investieren bisher hauptsächlich in die Modulproduktion, bei der aus Asien importierte Solarzellen zu Paneelen zusammengesetzt werden. Der zentralchinesische Konzern Longi, der drittgrößte Solarproduzent der Welt, produziert beispielsweise in Ohio in einem Joint Venture mit dem nordamerikanischen Clean Energy Entwickler Invenergy unter dem Namen Illuminate USA Module. Die 5-Gigawatt-Anlage ist eine der größten, die in den letzten zwei Jahren angekündigt wurden, und das Unternehmen prüft auch die Möglichkeit, eine Zellfertigungsanlage zu bauen. Trina, der weltweit viertgrößte Hersteller, will noch in diesem Jahr eine Fünf-Gigawatt-Panelfabrik in Texas in Betrieb nehmen. Laut dem Forschungsunternehmen Wood Mackenzie machen chinesische Solarunternehmen inzwischen ein Fünftel der Solarfabriken aus, die seit der Verabschiedung neuer Klimasubventionen in den USA im Jahr 2022 angekündigt wurden. „Die Karten werden neu gemischt. Es ist schwer vorstellbar, dass irgendjemand, insbesondere ein neuer Hersteller, es so schnell schaffen kann wie ein chinesischer Hersteller“, sagte Paula Mints, Gründerin des Marktforschungsunternehmens SPV Market Research. „Sie haben viel mehr Erfahrung mit dem Bau von Fabriken und dem Aufbau von Lieferketten“, sprach dabei David Feldman, Solarmarktforscher am National Renewable Energy Laboratory des nordamerikanischen Energieministeriums.
In der Tat sind die einheimischen Konkurrenten in den USA in letzter Zeit ins Straucheln geraten. Wie Reuters letztes Jahr berichtete, wird die Hälfte der angekündigten Fabriken in den USA möglicherweise nicht gebaut. Ein Beispiel für ein Unternehmen, das in Schwierigkeiten geriet, ist Convalt. Das Unternehmen hatte 2022 im Bundesstaat New York mit dem Bau einer Fabrik mit einer Kapazität von 10 GW zur Herstellung von Solarmodulen und notwendigem Zubehör begonnen. Der Fortschritt kam jedoch vor etwa einem Jahr ins Stocken, als die Weltmarktpreise für Module um 50 Prozent abstürzten und auf ein Niveau fielen, das unter den Produktionskosten von Convalt lag. „Hätten wir diese niedrigen Preise nicht gehabt, wären wir heute startklar“, sagte CEO Hari Achuthan im Mai vor der U.S. International Trade Commission. Achuthan fügte hinzu: "Wenn wir erfolgreich sein wollen, brauchen wir nordamerikanische Hersteller wie Convalt, um diese Niedrigpreiswelle zu überleben und Fabriken mit Kapazitäten zu bauen, die es uns ermöglichen, mit den größten globalen Unternehmen in chinesischem Besitz zu konkurrieren.
Kritik an den Subventionen
Im Rahmen des Inflation Reduction Act (IRA) 2022 hatte die nordamerikanische Regierung unter Joe Biden Subventionen in Höhe von $370 Milliarden für erneuerbare Energien eingeführt, um insbesondere die Beschäftigung in diesem Bereich zu fördern. Davon profitierten nicht nur einheimische Unternehmen, sondern auch ausländische Firmen, die in den USA produzieren wollten. Phred Dvorak vom Wall Street Journal sieht darin vor allem positive Effekte für die heimische Wirtschaft: „Ohne die Hilfe von Unternehmen, die nicht aus den USA kommen, wäre es nicht möglich gewesen, eine einheimische Solarproduktion in den USA aufzubauen. Gerade wenn es um China geht, kann es für die lokale Wirtschaft und die Arbeitsplätze sehr gut sein, wenn Unternehmen in die USA kommen und hier produzieren.“ Allerdings gibt es auch Kritik bezüglich der nationalen Sicherheit. „Wenn man Unternehmen hat, die bereits eine dominante Position haben und einen so großen Teil der Produktion kontrollieren, und man gibt ihnen Subventionen, damit sie sich irgendwo neu ansiedeln, dann zementiert man nur ihre Dominanz. Ein weiteres Beispiel: Die geopolitischen Spannungen zwischen China und den USA nehmen zu. Es könnte eine Bedrohung der Energiesicherheit oder der nationalen Sicherheit sein. Zum anderen nehmen die geopolitischen Spannungen zwischen China und den USA zu. Das könnte die Energiesicherheit oder die nationale Sicherheit gefährden.“, meint Dvorak.
Hochrangige Beamte der Biden-Regierung haben zuletzt vermehrt davor gewarnt, dem geopolitischen Rivalen China zu viel Dominanz in der Solarindustrie zuzugestehen. So erklärte der Energieberater des Weißen Hauses im vergangenen Jahr, China habe einen viel zu großen Einfluss auf kritische Mineralien, kritische Verarbeitungs- und Upstream-Technologien und die Solarindustrie. Es bleibt abzuwarten, wie sich der Markt in den USA entwickeln wird und wie die Politik den Spagat zwischen Klimaschutz, Förderung der heimischen Wirtschaft und der Unabhängigkeit von China erreichen will.



