„Ihr werdet sehen, dass wir recht haben“: Palantir mit guten Zahlen und KI-Fantasie
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„Ihr werdet sehen, dass wir recht haben“: Palantir mit guten Zahlen und KI-Fantasie

Author

Simeon Koch

„Das Drehbuch der Vergangenheit funktioniert nicht mehr“, begann Palantir-CEO Alex Karp seinen Brief an die Investoren anlässlich der jüngsten Quartalszahlen – „und selbst die Menschen, die an sie geglaubt haben, wissen das jetzt“. Was er damit meinte, erklärte Karp auch gleich: „Jahrelang bestand der Hauptzweck von Software darin, sich selbst zu verkaufen. Die Wahrnehmung ihres Werts wurde wichtiger als der Wert selbst“. Viele Unternehmen hätten „versucht, sich kulturell und moralisch zu profilieren, ohne sich auch nur im Geringsten um Ergebnisse zu bemühen“, kritisierte der Palantir-Gründer. Die Gesellschaft aber „habe kein Interesse mehr an ihrem Theater“. Und auch an der Politik ließ Karp kein gutes Haar: „Regierungen träumten weltweit davon, dass wirtschaftliche Kooperation ausreichen würde, um die Gegner an den Verhandlungstisch zu locken und dass militärische Stärke nicht mehr zeitgemäß sei. Auch sie haben sich geirrt. Und ihre Fehleinschätzung hat erhebliche Folgen“. Dass Palantir nichts von politischen Image-Kampagnen hält, zeigte das Unternehmen in der Vergangenheit mehrfach und erntete etwa für die Unterstützung Israels im Gaza-Krieg oder den Einstieg ins britische Gesundheitssystem teils harsche Kritik. Der Erfolg aber scheint Alex Karp recht zu geben – zumindest deuten die jüngsten Geschäftszahlen darauf hin.

Palantir mit Umsatz-Plus dank KI 

Nach den heftigen Abverkäufen am gestrigen Montag, befeuert durch weltweite Rezessionspanik, gehörte die Palantir-Aktie schon bei Marktschluss wieder zu den größten Gewinnern. Nach dem Tief am frühen Nachmittag deutscher Zeit federte der Kurs innerhalb von drei Stunden 15 Prozent aufwärts, im Pre-Market notierte die Aktie Dienstagmittag weitere zehn Prozent im Plus. Ein Grund für diese starke Kursentwicklung inmitten globaler Unsicherheit waren ausgezeichnete Quartalszahlen, die das Datenanalyse-Unternehmen gestern veröffentlichte. Besonders im privaten Sektor konnte Palantir punkten. So stieg der Umsatz aus Geschäften mit kommerziellen Kunden um deutliche 33 Prozent im Jahresvergleich auf $307 Millionen. Im traditionellen Kerngeschäft mit Regierungskunden erwirtschaftete Palantir im abgelaufenen Quartal ganze $371 Millionen, ein Plus von 23 Prozent. Damit lag Palantir nicht nur knapp über den Erwartungen der Wall Street, die für den kommerziellen Sektor $306 Millionen und für Regierungs-Deals $349 Millionen prognostiziert hatte. Auch stellt der Software-Shootingstar einmal mehr unter Beweis, dass es ihm gelingt, das Geschäft sukzessive auch auf den außermilitärischen Bereich auszuweiten.

Palantir-Zahlen für Q2, nebst Vorgänger- und Vorjahresquartal sowie Analystenschätzung

„Jeder unterschätzt, was es braucht, um groß angelegte Software und Künstliche Intelligenz im Geschäftskontext aufzusetzen“, unterstrich Vertriebsleiter Ryan Taylor und schlug dabei in eine ähnliche Kerbe wie sein Chef Alex Karp. Während es sich andere Unternehmen „sehr einfach machen und nur Prototypen bauen“, sei man bei Palantir einen Schritt weiter und bringe „die Sachen auch in Produktion“. Auch sei Palantirs Produktpalette so gefragt wie nie, bekräftigte Karp in seinem Brief an die Investoren, als er von einer „nicht abreißenden Nachfragewelle bei KI-Systemen“ schrieb. Während Tech-Giganten um Meta und Microsoft gerade vor großen finanziellen Herausforderungen bei der KI-Entwicklung stehen, sorgte Alex Karps positive Prognose für den dominanten Wachstumssektor der letzten Monate für Euphorie unter den Anteilseignern. Karp selbst fühlte sich durch die neuerlichen Erfolgsmeldungen einmal mehr bestätigt. Schon vor der Veröffentlichung des Geschäftsberichts hatte er selbstbewusst auf der Plattform MarketWatch angekündigt: „Bald werdet ihr die Zahlen sehen und sagen: Oh, sie hatten recht!“. Und tatsächlich legte Palantir gestern Abend hervorragende Statistiken über die zurückliegenden drei Monate vor.

„Der Kampf ums Überleben hat sich verändert“

Im zweiten Quartal steigerte Palantir seinen Umsatz um kräftige 27 Prozent im Jahresvergleich auf $678.1 Millionen, die Erwartungen der Analysten wurden damit um mehr als $25 Millionen übertroffen. An Gewinn blieben dem Unternehmen $134.1 Millionen übrig – eine Steigerung von beeindruckenden 377 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal, als man gerade einmal Profite in Höhe von $28.1 Millionen erzielte. Selbst in Relation zum starken ersten Quartal bedeutet der jüngste Gewinn eine deutliche Steigerung von gut 27 Prozent. Dabei hatte Palantir im ersten Frühjahr mit $105.5 Millionen erstmals in seiner Geschichte die $100-Millionen-Schallmauer durchbrochen. Auch der Gewinn pro Aktie entwickelte sich mit einem Sprung von $0.05 auf $0.09 und einem Zuwachs von 80 Prozent prächtig, Analysten hatten mit $0.08 gerechnet und damit denselben Wert erwartet wie in den ersten drei Monaten des Jahres. Interessant sind vor allem die Zuwächse bei den Umsätzen aus den wichtigsten Geschäftsfeldern: Der Umsatz mit Privatkunden stieg um ein Drittel auf $307 Millionen, etwas langsamer wuchsen mit 23 Prozent die Einnahmen aus Geschäften mit Regierungen

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Palantirs Einnahmen aus Geschäften mit privaten und Regierungskunden näherten sich bis Anfang 2024 an, gehen aktuell aber wieder auseinander

Trotz des starken Anstiegs seit dem zweiten Quartal 2023 gehen die zwei Sektoren beim Umsatz wieder etwas stärker auseinander. Bis zum Frühjahr gelang es Palantir, die Einnahmen aus dem Privatsektor kontinuierlich dem Umsatz mit Regierungskunden anzunähern – eine der zentralen Prioritäten des Unternehmens in letzter Zeit. Dieser Trend scheint aktuell etwas zu schwächeln, obgleich beide Bereiche deutlich wachsen. Betrachtet man die Umsatzentwicklung der letzten drei Jahre, scheint Palantir in diesem Bestreben aber recht erfolgreich zu sein. Vor drei Jahren machten Privatkunden an den gesamten Umsätzen des Unternehmens knapp 39 Prozent aus, heute sind es trotz der dezenten Verlangsamung im kommerziellen Sektor bereits mehr als 45 Prozent. Alex Karp jedenfalls ist optimistisch, warnt potenzielle Kunden aber auch vor den Imperativen des KI-Zeitalters: „Das Feld, auf dem alle Institutionen dieser Welt um ihr Überleben kämpfen, hat sich durch das Auftauchen von autonomen Algorithmen verändert. Die Einbindung von KI wird einer der wichtigsten Indikatoren für die künftige Leistungsfähigkeit eines Landes sein“. Und genau da will Palantir auch weiterhin den Fuß in der Tür haben. Wie sich die Aktie des Unternehmens in Zukunft entwickeln kann, erfahren Sie schon jetzt in den regelmäßigen Updates unseres TECH33-Pakets.

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Simeon Koch

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