Die kommende Handelswoche steht ganz im Zeichen der Geldpolitik. In Japan und China treffen Notenbanken neue Zinsentscheidungen, auch in den USA wird Federal-Reserve-Chef Jerome Powell die geldpolitische Marschrichtung vorgeben. Frische Einzelhandels- und Inflationsdaten aus mehreren Regionen könnten neue Hinweise auf das globale Konjunkturumfeld liefern – besonders mit Blick auf mögliche Wendepunkte in der Wirtschaftspolitik.
Diese Wochenvorschau ordnet alle relevanten Termine strukturiert nach Ländern und erklärt nicht nur die geplanten Veröffentlichungen, sondern auch deren wirtschaftliche Bedeutung – damit Sie nicht nur wissen, was ansteht, sondern auch, warum es wichtig ist.
Montag: Konjunktur in China
Am Montag, den 16. Juni 2025, richtet sich der Blick nach China. Um 04:00 Uhr morgens deutscher Zeit stehen gleich zwei wichtige Konjunkturdaten an: Die Einzelhandelsumsätze sowie die Industrieproduktion, jeweils im Vergleich zum Vorjahr. Zuletzt wuchsen die Einzelhandelsumsätze bei 5.1 Prozent im Jahresvergleich. Erwartet werden nun runde fünf Prozent. Ein höherer Wert würde auf einen anhaltend starken Konsum und damit eine robuste Binnenwirtschaft hindeuten, ein Rückgang könnte dagegen erste Schwächesignale im Konsumverhalten zeigen.
Die Industrieproduktion lag zuletzt bei 6.1 Prozent und wird nun auf ein etwas schwächeres Wachstum von 5.9 Prozent prognostiziert. Steigende Produktionszahlen signalisieren wirtschaftlichen Auftrieb, vor allem im Exportbereich – ein Rückgang könnte auf nachlassende Nachfrage oder Produktionsengpässe hindeuten. Die zuletzt gebeutelte chinesische Wirtschaft, die unter einem kriselnden Immobilienmarkt und schwacher Binnennachfrage litt, braucht dringend positive Nachrichten aus Industrie und Einzelhandel. Diese Woche könnte den zarten positiven Trend der letzten Monate fortsetzen.
Dienstag: Japans Zinsentscheid, Einzelhandel in den USA
Am Dienstag, den 17. Juni 2025, wird es spannend in Japan: Die Bank of Japan (BoJ) veröffentlicht um 05:00 Uhr morgens deutscher Zeit ihre geldpolitische Erklärung und gibt eine neue Zinsentscheidung bekannt. Der Leitzins liegt aktuell bei 0.50 Prozent. Eine Anhebung würde die fortgesetzte Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik unterstreichen und könnte die globalen Märkte wegen Bedenken rund um den Yen-Carrytrade verunsichern. Um 08:30 Uhr folgt die BoJ-Pressekonferenz, bei der mögliche geldpolitische Ausblicke konkretisiert werden.
In den USA stehen um 14:30 Uhr die Einzelhandelsumsätze (zuletzt +0.1 Prozent) sowie die Kontrollgruppe der Einzelhandelsumsätze (zuletzt –0.2 Prozent) an. Die Kontrollgruppe schließt stark schwankende Güter wie Autos und Benzin aus und gibt einen klareren Blick auf den Konsumtrend. Die Einzelhandelsumsätze sollen laut Prognose um 0.7 Prozent fallen, was auf rückläufige Binnennachfrage und sinkende Kaufkraft hindeuten würde. Für die Geldpolitik der Fed würde sich ein aktuelles Dilemma verschärfen: Anhaltend hohe Inflation trifft auf abkühlende Konjunktur und zurückhaltende Verbraucheraktivität. Unsicherheit auf den Aktienmärkten dürfte dadurch zunehmen.
Mittwoch: Fed-Zinsen und EU-Inflation
Am Mittwoch, den 18. Juni 2025, veröffentlicht Japan um 01:50 Uhr morgens deutscher Zeit wichtige Außenhandelsdaten. Die saisonbereinigte Handelsbilanz lag zuletzt bei –408.91 Milliarden Yen, was auf ein deutliches Defizit hindeutet. Gleichzeitig werden Exporte (zuletzt +2 Prozent) und Importe (zuletzt –2.2 Prozent) veröffentlicht. In beiden Fällen dürften sich die Aussichten eintrüben: Für die Exporte rechnen Experten mit –3.8 Prozent, bei den Importen sogar mit –6.7 Prozent. Sinkende Exporte zeigen Schwäche im Außenhandel, sinkende Importe lassen auf eine schwächelnde Binnennachfrage schließen. Beides sind keine guten Vorzeichen für die japanische Wirtschaft.
Um 11:00 Uhr vormittags deutscher Zeit folgen Inflationsdaten aus der Eurozone: Der harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) sowie der Kern-HVPI lagen zuletzt auf Monatssicht jeweils bei 0.00 Prozent, die Jahresrate des Kern-HVPI bei 2.30 Prozent. In beiden Fällen erwarten Experten keine Veränderung. Die EZB beobachtet insbesondere die Kerninflation – ein erneuter Anstieg könnte Zinssenkungen verzögern.
Am Mittwochabend richtet sich der Fokus auf die USA: Um 20:00 Uhr veröffentlicht die Fed ihre neuen Zinsprojektionen (zuletzt: 3.9 Prozent aktuell, 3.4 Prozent für 2026, 3.1 Prozent für 2027 und 3.0 Prozent langfristig) sowie den wichtigen aktuellen Zinsentscheid. Der Leitzins steht derzeit bei 4.5 Prozent. Eine Bestätigung dieses Niveaus wäre ein Signal für Stabilität und wird vom Markt mit überwiegender Mehrheit erwartet. Eine Veränderung könnte die Märkte deutlich bewegen. Um 20:30 Uhr folgt die Pressekonferenz mit Jerome Powell mit tieferen Einblicken in die kurz- und mittelfristige Zinsstrategie der Fed. Auch Jerome Powells Aussagen könnten Volatilität bei Aktien und Kryptowährungen nach sich ziehen.
Freitag: Verbrauchervertrauen in der EU, Leitzins in China
Am Freitag, den 20. Juni 2025, steht erneut eine Zinsentscheidung an – diesmal von der People’s Bank of China (PBoC). Der aktuelle Zinssatz liegt bei 3.0 Prozent. Sollte die Notenbank an diesem Kurs festhalten (wovon der Markt aktuelle ausgeht), wäre dies ein weiteres Zeichen für die öffentlich demonstrierte Besonnenheit der chinesischen Zentralbank bei der sukzessiven geldpolitischen Lockerung. Eine Senkung könnte als Stimulus für die Konjunktur dienen, die zuletzt auch schon durch Subventionspakete angekurbelt wurde.
Um 16:00 Uhr am Freitag veröffentlicht schließlich die Eurozone den neuesten Stand des Verbrauchervertrauens, das zuletzt bei –15.2 Indexpunkten und damit im eher misstrauischen Bereich lag. Erwartet wird eine weitere Abschwächung auf –14.5 Punkte, was auf wirtschaftliche Abschwächung und Sorgen unter Konsumenten hinweist. Ein verbesserter Wert würde auf mehr Zuversicht der Verbraucher hindeuten – ein wichtiger Frühindikator für Wachstum im Euroraum.




