Es ist Freitag und wir lassen eine spannende Handelswoche hinter uns. Was in der Welt der Finanzen passiert ist, schauen wir uns im HKCM-Wochenrückblick an.
Montag – Totalverlust? Varta mit „Kampfansage“ an Aktionäre
Der massiv in der Bredouille steckende Batteriekonzern Varta steht vor einem entscheidenden Wendepunkt: Das Sanierungskonzept des Ellwanger Unternehmens sieht vor, das Grundkapital auf null zu reduzieren und die Kleinanleger ohne Entschädigung aus dem Unternehmen zu drängen. Anlegerschutzorganisationen wie die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), die mehr als 3000 Varta-Aktionäre vertritt, kritisieren diesen Schritt scharf und bereiten rechtliche Schritte vor. DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler bezeichnete die Vorgehensweise der Unternehmensführung als „Kampfansage“ an die freien Aktionäre. Besonders umstritten ist der Einsatz des Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetzes (StaRUG), mit welchem die Interessen der Aktionäre außer Kraft gesetzt werden können. Im Rahmen des Sanierungsplans sollen Porsche und Mehrheitsaktionär Michael Tojner das Unternehmen mit jeweils 30€ Millionen stützen, während die Gläubiger zusätzliche 60€ Millionen bereitstellen. Die freien Aktionäre würden in diesem Fall leer ausgehen, ihnen bleibt keine Beteiligung an der geplanten Kapitalerhöhung. DSW-Vizepräsident Klaus Nieding spricht in diesem Zusammenhang von einer „kalten Enteignung“. Er fordert, „dass die bisherigen Aktionäre zumindest für den Verzicht auf die Bezugsrechte entschädigt werden“. Eine Klage könnte die Sanierung verzögern, was weder im Interesse der Aktionäre noch der Varta-Mitarbeiter liege, betonte Nieding.
Dienstag – DHL möchte 50 Prozent Umsatz-Plus bis Ende des Jahrzehnts
Die DHL Group plant, ihren Umsatz bis 2030 um 50 Prozent auf rund 120€ Milliarden zu steigern, 2023 lagen die Erlöse des Konzerns bei etwa 82€ Milliarden. CEO Tobias Meyer betont, dass man „schneller und profitabler wachsen“ wolle. Hierbei konzentriert sich das Unternehmen primär auf organisches Wachstum, Übernahmen könnten laut Meyer zwar in bestimmten Fällen sinnvoll sein, spielen in den Planungen derzeit aber eine untergeordnete Rolle. Ein Großteil des Wachstums soll im boomenden E-Commerce-Sektor realisiert werden, schon heute macht der Online-Handel rund ein Viertel der Umsätze aus. Auch spezialisierte Logistiklösungen in den Bereichen Pharma, erneuerbare Energien und in der Automobilbranche sollen ausgebaut werden. Zudem möchte man die Präsenz in Regionen wie Asien, dem Nahen Osten und Afrika deutlich steigern. Darüber hinaus kündigt DHL eine Umstrukturierung an: Die Bereiche E-Commerce sowie Post & Paket Deutschland werden künftig als eigenständigen Gesellschaften geführt, um die Konzernstruktur zu vereinfachen. Eine Abspaltung des schrumpfenden Briefgeschäfts sei nicht geplant, dieses werde auch zukünftig unter der Deutschen Post AG geführt. Der Aktienkurs stieg nach der Ankündigung um rund zwei Prozent. Wie es mit dem Wertpapier in Anbetracht der ambitionierten Ziele weitergehen könnte, erfahren die Abonnenten unseres DAX40-Aktienpakets in den täglichen Marktupdates.
Mittwoch – Lithiummine in Serbien: Rio Tinto möchte Bevölkerung „aufklären“
Der durchaus skandalträchtige Minenkonzern Rio Tinto intensiviert derzeit seine Bemühungen, die Bevölkerung in Serbien für das umstrittene Lithiumminenprojekt im Jadar-Tal zu gewinnen. Trotz massiver Ablehnung seitens der Bevölkerung – etwa zwei Drittel der Serben und auch eine Vielzahl an Wissenschaftlern sprechen sich wegen Sorgen um die Umwelt dagegen aus – möchte das Bergbauunternehmen das Projekt realisieren. Deshalb versucht es nun durch eine breit angelegte Aufklärungskampagne die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Laut der serbischen Regierung würde die Mine in Serbiens Westen Lithium liefern, das für Batterien von rund einer Million Elektrofahrzeugen pro Jahr reichen und demzufolge bis zu 20 Prozent des europäischen Bedarfs decken könnte. Rio Tinto sieht das Projekt als Schlüssel zur Diversifizierung seines Geschäfts. Serbiens Präsident Aleksandar Vučić bezeichnet das Vorhaben Rio Tintos als „Game-Changer“ für das Land. Er rechnet mit Milliardeninvestitionen globaler Autobauer und einer möglichen Steigerung des serbischen Bruttoinlandsprodukts um bis zu 12€ Milliarden jährlich. Trotz des Widerstands hofft Rio Tinto, noch in diesem Jahr die Genehmigung für das Minenprojekt zu erhalten. Wie sich der Aktienkurs von Rio Tinto in der nahen und ferneren Zukunft entwickelt, analyiseren wir in unserem Minen-Aktienpaket, das 15 weiterer Minen-Schwergewichte sowie sechs Minen-ETFs aus den Bereichen Gold, Silber, Kupfer und Bitcoin-Mining beinhaltet.
Donnerstag – Cloud-Markt: Google schwärzt Microsoft bei EU-Kommission an
Der US-Suchmaschinenbetreiber Google hat bei der EU-Kommission Beschwerde gegen seinen Konkurrenten Microsoft eingereicht. Konkret geht es um den Vorwurf wettbewerbswidriger Geschäftspraktiken im Cloud-Markt. Laut Google soll Microsoft die dominierende Position der Windows-Software ausnutzen, um Kunden an seine Azure-Cloud-Dienste zu binden und den Wechsel zu anderen Anbietern zu erschweren. Durch Microsofts Lizenzbedingungen würden für europäische Unternehmen und öffentliche Einrichtungen jährlich bis zu 1€ Milliarde an Mehrkosten anfallen. So verlangt Microsoft deutlich höhere Gebühren von Kunden, die ihre Windows-Software auf Cloud-Dienste von Wettbewerbern wie Google Cloud oder Amazon Web Services (AWS) verlagern möchten. Diese zusätzlichen Kosten entfallen, wenn die Nutzer Microsofts Azure verwenden. Google fordert die Europäische Union daher auf, diese Vorgehensweise zu untersuchen und gegebenenfalls Maßnahmen zu ergreifen, um den Wettbewerb im Cloud-Markt fairer zu gestalten. „Wenn Kunden bereits für ihre Lizenzen bezahlt haben, sollten sie frei wählen können, auf welcher Plattform sie diese nutzen“, fordert Amit Zavery, Vice President bei Google Cloud. Microsoft erklärte, man habe erst im Juli eine Einigung mit europäischen Cloud-Anbietern erzielt, um ähnliche Vorwürfe beizulegen. Google findet diese Vereinbarung nicht ausreichend.
Freitag – Herbstgutachten: Forscher senken Prognose für deutsche Wirtschaft
In ihrem kürzlich veröffentlichten Herbstgutachten haben führende Forschungsinstitute ihre Prognose für die deutsche Wirtschaft zusammengestrichen. Für das aktuelle Jahr erwarten die Forscher einen Rückgang des deutschen Bruttoinlandsprodukts um 0.1 Prozent. Damit würde die größte Volkswirtschaft der Europäischen Union das zweite Jahr in Folge negativ abschließen, bereits im Jahr 2023 war das deutsche BIP um 0.3 Prozent zurückgegangen. Im Frühjahr hatten die Wirtschaftsforscher für das Gesamtjahr noch mit einem marginalen Plus von 0.1 Prozent gerechnet, im Frühsommer schienen sich die Aussichten aufzuhellen. Nach einem negativen Quartalsabschluss trübte sich die Stimmung aber schon im August wieder spürbar ein. Kurzfristig bestätigt die Negativ-Prognose des Herbstgutachtens die großen Konjunktursorgen – schon 2025 aber soll Deutschland laut den Forschern mit einem zarten Plus von 0.8 Prozent wieder zurück auf Wachstumskurs gelangen. Für 2026 wird eine Erholung auf solide BIP-Zuwächse von 1.4 Prozent erwartet. An sein Wachstum vor Corona werde Deutschland dennoch “auf absehbare Zeit nicht anknüpfen können”, konstatierte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Verantwortlich sind dafür laut DIW vielfältige Herausforderungen rund um die Dekarbonisierung, Digitalisierung und den demografischen Wandel.
Das war’s schon mit dem Rückblick. Wir hoffen, er hat Ihnen einen kleinen Überblick gegeben. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein schönes und erholsames Wochenende!







