Es ist Freitag und wir lassen eine spannende Handelswoche hinter uns. Was in der Welt der Finanzen passiert ist, schauen wir uns im HKCM-Wochenrückblick an.
Montag – Kalifornien: Gouverneur Newsom lehnt KI-Gesetz ab
Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom hat ein Gesetz zur Regulierung von Künstlicher Intelligenz (KI) mit der Begründung abgelehnt, es könnte die Innovationskraft des Bundesstaates zukünftig beeinträchtigen. Das Gesetz hätte Unternehmen, die fortschrittliche KI-Modelle mit Entwicklungskosten von über $100 Millionen entwickeln, strenge Auflagen erteilt, darunter unter anderem die Einführung eines Not-Aus-Schalters „zur Vermeidung katastrophaler Schäden“. Technologiekonzerne wie Google, OpenAI und Meta hatten sich vehement gegen das Gesetz ausgesprochen, da sie befürchteten, dass eine vorschnelle Regulierung Kaliforniens führende Rolle in der KI-Entwicklung gefährden könnte. Newsom teilte diese Bedenken und erklärte, dass das Gesetz „die Innovation einschränken könnte, die den Fortschritt im Interesse der Allgemeinheit vorantreibt“. Er wies darauf hin, dass Kalifornien Heimat von 32 der weltweit führenden KI-Unternehmen sei. Senator Scott Wiener, der das Gesetz eingebracht hatte, bezeichnete das Veto als „Rückschlag“, da die großen Tech-Konzerne weiterhin ohne wirksame Regulierungen operieren könnten. Newsom kündigte an, an wissenschaftlich fundierten Maßnahmen für den verantwortungsvollen Einsatz von KI festzuhalten. Übrigens: Auch SAP-CEO Christian Klein warnte kürzlich die EU davor, Künstliche Intelligenz zu überregulieren, da dies Europas Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den USA schwächen könnte. „Man sollte nicht die Technologie regulieren, sondern die Auswirkungen“, sagte Klein. Der DAX-Konzern SAP investiert jährlich 2€ Milliarden in KI und entwickelt unter anderem den Chatbot Joule, der Geschäftsprozesse optimieren soll.
Dienstag – Adnoc übernimmt Covestro
Das Geschäft ist besiegelt: Der staatliche Ölkonzern Adnoc aus Abu Dhabi übernimmt den deutschen Kunststoffkonzern Covestro. Die Übernahme, die sich Adnoc im Gesamten knapp 16€ Milliarden kosten lässt, soll im zweiten Halbjahr 2025 abgeschlossen werden. Teil der Vereinbarung ist eine Kapitalerhöhung, die Covestro zur Finanzierung der Nachhaltigkeitsstrategie weitere rund 1.2€ Milliarden Euro bescheren soll. Zudem hat Adnoc zugesagt, bis Ende 2028 keine wesentlichen Veränderungen bei Covestro vorzunehmen, Betriebsvereinbarungen sollen bis dahin entsprechend eingehalten werden, die bestehenden Arbeitsplätze sind demnach gesichert. Covestro-CEO Markus Steilemann möchte beim DAX40-Konzern auch nach der Übernahme weiter auf dem Chefsessel sitzen. So ließ er gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters verlauten, dass er über einen „laufenden Vertrag bis 2028“ verfüge, der auch weiterhin „Gültigkeit und Bestand“ habe. Für Steilemann ist die Partnerschaft mit Adnoc ein wichtiger Schritt, um Covestro auf einen starken Wachstumskurs zu bringen, „Kultur und Werte des Unternehmens“ sollen derweil unverändert bleiben. Adnoc wirbt bereits seit über einem Jahr um Covestro und sieht in der Übernahme einen „wichtigen Schritt“ auf dem eingeschlagenen Weg, der in die Top Fünf der größten Chemiekonzerne der Welt führen soll.
Mittwoch – Nike: rückläufiger Umsatz und Gewinn, Jahresprognose einkassiert
Der nordamerikanische Sportartikelhersteller Nike verzeichnete im jüngsten Quartal – trotz der Fußball-EM in Deutschland und der Olympischen Spiele in Paris – im Vergleich mit dem Vorjahresquartal einen Umsatzrückgang in Höhe von zehn Prozent auf $11.6 Milliarden. Noch düsterer präsentiert sich im Jahresvergleich die Entwicklung beim Gewinn: Dieser sackte nämlich um 28 Prozent ab, sodass letztlich unterm Strich noch $1.1 Milliarden standen. Begründet werden die enttäuschenden Zahlen mit den anhaltenden Problemen im Einzelhandel sowie einer insgesamt schwächelnden Nachfrage nach Nike-Produkten, vor allen Dingen in Nordamerika und China. Auch deshalb zog das Unternehmen vorerst die Prognose für das Gesamtjahr zurück, zudem wurde ein für November geplantes Investorentreffen verschoben – und bislang wurde noch kein neuer Termin kommuniziert. Die Anleger zeigten sich verunsichert, die Aktie ratterte in der Spitze über neun Prozent nach unten. Wie wir bereits berichtet haben, steht Nike kurz vor einem wichtigen Führungswechsel: CEO John Donahoe streicht nach vier Jahren im Amt die Segel und wird ab dem 14. Oktober von Nike-Veteran Elliott Hill abgelöst. Finanzchef Matthew Friend betonte, dass der Rückzug der Jahresprognose Hill „die notwendige Flexibilität“ geben soll, die Strategie des Unternehmens zu bewerten und gegebenenfalls neu auszurichten.
Donnerstag – $157-Milliarden-Bewertung: frische $6.6 Milliarden für OpenAI
Der KI-Marktführer OpenAI hat in einer neuen Finanzierungsrunde weitere $6.6 Milliarden eingesammelt, das Unternehmen wird nun mit schier unglaublichen $157 Milliarden bewertet. Zur illustren Geldgeberrunde zählen Investoren wie Microsoft, Nvidia, Thrive Capital und Khosla Ventures sowie Altimeter Capital und Fidelity. Auch die staatliche Investmentgesellschaft MGX aus Abu Dhabi war mit von der Partie. Das frische Kapital soll in die Weiterentwicklung von KI-Modellen und Rechenkapazitäten investiert werden, um „Werkzeuge zu schaffen, die Menschen dabei helfen, schwierige Probleme zu lösen“, erklärte das Unternehmen. Die Finanzierung erfolgte in Form von Wandelanleihen und ist an die geplante Umwandlung OpenAIs in ein gewinnorientiertes Unternehmen gebunden, das nicht länger unter der Kontrolle eines gemeinnützigen Vorstands steht. Sollte diese Umstrukturierung nicht innerhalb von zwei Jahren abgeschlossen werden, haben Investoren das Recht, ihr Kapital zurückzufordern oder neu zu verhandeln. OpenAI strebt für das laufende Jahr einen Umsatz von $3.6 Milliarden an, erwartet jedoch Verluste von über $5 Milliarden. Für 2025 rechnet das Unternehmen mit einem Umsatzsprung auf $11.6 Milliarden.
Freitag – EU-Staaten stimmen für Strafzölle für E-Autos aus China
Die EU-Staaten haben grünes Licht für Strafzölle auf Elektroautos aus China gegeben. Trotz Widerstands aus Deutschland – Bundeskanzler Olaf Scholz hatte sich noch am Donnerstag dafür ausgesprochen, dass Deutschland dagegen votieren solle – stimmte die Mehrheit der Mitgliedsländer dem Vorschlag der EU-Kommission zu. Spätestens ab Anfang November sollen die Zölle für vorerst fünf Jahre gelten. Hierbei werden bis zu 35.3 Prozent auf Importe von E-Autos aus China erhoben – und zwar zusätzlich zu den bereits bestehenden Zöllen in Höhe von zehn Prozent. Betroffen sind Hersteller, die in China produzieren und in die EU exportieren. Während der nordamerikanische Tesla-Konzern, der ebenfalls zu Teilen in China produziert, mit 7.8 Prozent besteuert wird, sollen Unternehmen, die im Rahmen der jüngsten Untersuchung nicht mit der EU-Kommission kooperierten, den Höchstsatz zahlen. Für alle anderen, darunter auch die deutschen Automobilriesen VW, Mercedes und BMW, die ebenfalls teils im ostasiatischen Land produzieren, ist ein Zoll in Höhe von 21.3 Prozent geplant. Volkswagen kritisierte die Entscheidung und forderte weitere Verhandlungen mit Peking, um einen Handelskonflikt zu vermeiden. Die vorgesehenen Zölle seien der „falsche Ansatz“, sie würden die „Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Automobilindustrie nicht verbessern“. Auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) spricht sich für weitere Verhandlungen aus. Wir hatten bereits im Juni aufgezeigt, warum sich die EU mit solchen Zöllen wohl ins eigene Knie schießt.
Das war’s schon mit dem Rückblick. Wir hoffen, er hat Ihnen einen kleinen Überblick gegeben. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein schönes und erholsames Wochenende!







