Es ist Freitag und wir lassen eine spannende Handelswoche hinter uns. Was in der Welt der Finanzen passiert ist, schauen wir uns im HKCM-Wochenrückblick an.
Montag – Für 1$ Milliarde: BYD baut Werk in der Türkei 
Wie am Montag bekanntgegeben wurde, möchte der chinesische BYD-Konzern in der Türkei für rund $1 Milliarde zeitnah ein eigenes Werk errichten – wohl auch, um sich vor den kürzlich von der Europäischen Union auf den Weg gebrachten Strafzöllen für in China gefertigte E-Fahrzeuge zu schützen (inwiefern diese Zölle als sinnvoll oder gar vielmehr als Eigentor für die EU zu werten sind, haben wir übrigens in diesem Artikel beleuchtet). Somit geht die BYD-Großoffensive auf den europäischen Markt in die nächste Runde: Seit Ende Februar schippert der Autobauer, der sich Anfang des Jahres kurzzeitig am E-Auto-Branchenführer Tesla vorbeischieben konnte, seine Fahrzeuge mit eigenen Frachtern nach Europa, allein in Deutschland sollen in naher Zukunft planmäßig über 100 BYD-Autohäuser entstehen. Darüber hinaus plant das Unternehmen auch in Ungarn den Bau eines Fertigungswerks. Abseits des europäischen Kontinents möchte BYD zudem in Brasilien und Thailand mit neuen Fabriken Fuß fassen. Im geplanten Werk in der Türkei, in welchem etwa 5000 Mitarbeiter beschäftigt werden sollen, werden laut Unternehmensangaben jedenfalls jährlich rund 150 000 Fahrzeuge vom Band rollen. Was viele nicht wissen: Aufgrund der günstigen (Schnittstellen-)Lage zwischen Europa, dem Nahen Osten und Asien hat sich die Marmararegion rund um die Metropole Istanbul in den vergangenen Jahrzehnten zu einem der führenden Zentren der globalen Automobilindustrie entwickelt; so betreiben unter anderem Fiat, Renault, Toyota, Hyundai oder Ford bereits seit Langem Werke in dieser Region.
Dienstag – Sorgenkind der Lüfte: Boeing mit fehlerhaften Sauerstoffmasken
Für den zuletzt von Skandal zu Skandal stolpernden Boeing-Konzern war auch die vergangene Woche wieder eine zum Vergessen: Als das Unternehmen am Sonntag respektive Montag zugab, dass man die nordamerikanische Regierung im Hinblick auf die Aufarbeitung der beiden 737-MAX-Flugzeugabstürze aus den Jahren 2018 und 2019 hinters Licht geführt hatte und sich entsprechend des Betrugs schuldig bekannte, flatterte bereits wenige Stunden später die nächste Hiobsbotschaft in die Firmenzentrale in Arlington County: So könnten nach Aussagen der nordamerikanischen Flugaufsichtsbehörde (Federal Aviation Administration; kurz: FAA) die in den Boeing 737-Fliegern verbauten Sauerstoffmasken im Ernstfall nicht ordnungsgemäß funktionieren. Grund hierfür seien (wohl aufgrund eines mangelhaften, seit August 2019 eingesetzten Klebstoffes) verrutschende Halteriemen, an welchen die Sauerstoffgeneratoren befestigt sind. Der Konzern, der offenbar bereits Mitte Juni eine Mitteilung an Fluggesellschaften hinsichtlich einer Sichtinspektion der Sauerstoffmasken verschickt hatte, ließ verlauten, dass man nun wieder den „alten Klebstoff“ verwende, „um sicherzustellen, dass die Generatoren wie vorgesehen fest an ihrem Platz bleiben“. Insgesamt ordnete die FAA an, dass 2600 737-Flugzeuge inspiziert werden müssen; die betroffenen Airlines haben dazu fünf Monate Zeit.
Mittwoch – KI-Deal zwischen xAI und Oracle geplatzt: Musk nun auf eigene Faust unterwegs
Tech-Milliardär Elon Musk erhöht in Sachen Künstliche Intelligenz das Tempo: So wurde ein geplanter Milliarden-Deal zwischen dem Cloud-Anbieter Oracle und Musks KI-Startup xAI nun abgeblasen. Ursprünglich sollte Oracle für xAI ein Datenzentrum mit 100 000 Nvidia-H100-Prozessoren errichten. Die Verhandlungen scheiterten jedoch, da Oracle die geforderte Bauzeit für unrealistisch hielt und Bedenken zur Stromversorgung äußerte. Musk kündigte an, dass xAI das Projekt nun eigenständig umsetzen wird, um das „mächtigste Trainings-Cluster der Welt“ zu schaffen: „Wenn unser Schicksal davon abhängt, mit Abstand der Schnellste zu sein, müssen wir das Lenkrad selbst in die Hand nehmen, statt auf dem Rücksitz zu sitzen." Das Geschäft mit Oracle sollte eine bestehende Vereinbarung erweitern, in deren Rahmen xAI Nvidia-Chips von Oracle mietet. Der erste xAI-Chatbot Grok wurde mit 24 000 von Oracle gemieteten H100-Chips trainiert. Der Nachfolger Grok 2 soll nächsten Monat auf den Markt kommen. Nvidia, der Börsenshootingstar der vergangenen Monate, dominiert den Markt für KI-Chips und erreichte im letzten Jahr einen Marktanteil von 80 Prozent.
Donnerstag – KI-Boom: TSMC schwingt sich in $1-Billion-Klub
Der taiwanesische Chiphersteller TSMC präsentierte in der vergangenen Woche erste Zahlen für das zweite Quartal und übertraf hierbei die Prognosen der Analysten: Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum konnte das wertvollste Unternehmen Asiens seinen Umsatz um 32 Prozent auf rund $20.67 Milliarden nach oben schrauben; die Experten waren von etwa $20.18 Milliarden ausgegangen. Der weltweit größte Auftragsfertiger von Chips, der Kunden wie Nvidia und Apple beliefert, profitiert massiv von der boomenden Nachfrage nach KI-fähigen Chips. Die TSMC-Aktien stiegen in diesem Jahr um fast 80 Prozent, was weit über dem Benchmark Taiwan SE Weighted Index liegt, der im gleichen Zeitraum um 35 Prozent zulegte. Am Donnerstag kletterten TSMC-Aktien an der Börse in Taipeh um mehr als zwei Prozent und bescherten dem Unternehmen so eine Marktkapitalisierung in Höhe von $1.08 Billionen. Im Ranking der wertvollsten Unternehmen der Welt, welches vom $3-Billionen-Trio Microsoft, Apple und Nvidia angeführt wird, belegt TSMC derzeit den zehnten Platz. Taiwanesische Unternehmen scheinen auch bei ausländischen Investoren zunehmend an Beliebtheit zu gewinnen; in diesem Jahr flossen bereits $4.8 Milliarden aus dem Ausland in den Aktienmarkt, der von TSMC dominiert wird. Im Rahmen unserer Produktpalette decken wir Werte aus Taiwan übrigens (bislang noch) nicht ab. Jedoch analysieren wir neben dem Hongkonger Leitindex Hang Seng 20 chinesische Hochkaräter im Rahmen unseres China-Titans-Pakets.
Freitag – China exportiert mehr – und importiert weniger aus Deutschland 
Nach Informationen des chinesischen Zolls konnten die Unternehmen im ostasiatischen Land ihre globalen Exporte im Juni im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um ganze 8.6 Prozent nach oben schrauben; bereits im Mai wurde hier eine Steigerung von 7.6 Prozent vermeldet. Dementgegen stehen im Juni rückläufige Importe; in der Gesamtheit gingen diese um 2.3 Prozent zurück. Letztlich wurde bei einem Außenhandelsvolumen in Höhe von $516.6 Milliarden ein Handelsüberschuss von fast $100 Milliarden verzeichnet. Blickt man nun explizit auf die Handelsbeziehung zwischen China und Deutschland, wird zum einen deutlich, dass China im Vorjahresvergleich 8.5 Prozent mehr Waren nach Deutschland exportierte. Zum anderen belegen die Zahlen, dass die Importe aus Deutschland um 14.2 Prozent einbrachen. Wie sich der chinesische Außenhandel in den kommenden Monaten entwickeln wird, bleibt abzuwarten. So könnten auf die potenziellen EU-Strafzölle auf chinesische E-Autos und die bereits bestehenden Strafzölle seitens der USA auf E-Autos und Solarzellen unter anderem in Kanada, der Türkei und Indonesien alsbald weitere Handelsbeschränkungen folgen.
Das war’s schon mit dem Rückblick. Wir hoffen, er hat Ihnen einen kleinen Überblick gegeben. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein schönes und erholsames Wochenende!




