Hedgefonds shorten ETH: Bricht die Ethereum-Foundation auseinander?
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Hedgefonds shorten ETH: Bricht die Ethereum-Foundation auseinander?

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Simeon Koch

Innerhalb der Ethereum-Foundation (EF), der gemeinnützigen Organisation hinter dem ETH-Netzwerk, rumort es gewaltig. Ein wachsender Teil der Community kritisiert die Führungsstruktur, was sogar in der Gründung einer konkurrierenden Organisation gipfelte, der sogenannten Second Foundation. Im Zentrum des Streits stehen die Rolle von Vitalik Buterin, die Zukunft der Skalierungsstrategie und die Frage, ob die EF die Interessen der Community überhaupt noch vertritt. In diese innere Krise platzte gestern die Nachricht, dass internationale Hedgefonds an US-Börsen mit Rekordvolumen auf einen Ethereum-Crash wetten. Diese historische Short-Offensive sorgte für weitere Verunsicherung um den ohnehin schon schwächelnden Altcoin-Marktführer. Dabei dürfte hinter den Leerverkäufen der Hedgefonds ein ganz anderes Kalkül stehen, als ETH von der preislichen Klippe zu stürzen.

Kommt es in der Ethereum-Foundation zur Spaltung?

Lange war die Ethereum-Foundation so etwas wie das Twitter des Kryptomarktes: Anstatt in den aggressiven Konkurrenzkampf unter Mitbewerbern einzusteigen, verließ man sich auf die eigene Position als Marktführer und demonstrierte Harmonie nach innen wie außen. Eine Oase der konstruktiven Ruhe und individuellen Entfaltung sollte die Foundation sein. Zuletzt aber bröckelte diese Fassade merklich. Der Unmut innerhalb der Ethereum-Community ist in den vergangenen Monaten immer lauter geworden. Besonders die Geschäftsführerin der Ethereum-Foundation, Aya Miyaguchi, steht in der Kritik. Seit ihrem Amtsantritt im Jahr 2018 verfolgt sie eine Philosophie des harmonischen Miteinanders, während Ethereum zunehmend Marktanteile an Konkurrenzplattformen wie den alten Erzfeind Solana oder den neuen Smart-Contract-Shootingstar Sui verliert.

Aya Miyaguchi, Geschäftsführerin der Ethereum-Foundation, geriet wegen ihres Führungsstils in die Kritik und bekommt es mit internen Gegnern zu tun.

Miyaguchis Kritiker werfen der Geschäftsführerin vor, falsche Prioritäten zu setzen, und fordern ihren Rücktritt. Die Situation eskalierte jüngst sogar zu persönlichen Angriffen und Drohungen. Gemeinsam mit Miyaguchi steht auch die Finanzstrategie der Ethereum-Foundation unter Beschuss. Der jahrelange Verkauf von Ethereum durch die Stiftung zur Finanzierung operativer Kosten wird von Kritikern schon länger als schädlich für das Vertrauen in die Kryptowährung gesehen. Zudem stößt die Layer-2-fokussierte Skalierungsstrategie, die eine stärkere Zentralisierung befürchten lässt, auf Widerstand. Diese Gemengelage führte schließlich zu drastischen Konsequenzen: Konstantin Lomashuk, Mitgründer des Staking-Protokolls Lido, kündigte Ende Januar die Gründung einer Second Foundation an. Eine Art Gegenentwurf zur bestehenden Stiftung als Symbol für die innere Zerrissenheit des Altcoin-Marktführers.

Ethereum-Mitgründer Vitalik Buterin versucht in dieser undurchsichtigen Gemengelage, die aufgebrachte Community zu besänftigen – bisher mit mäßigem Erfolg. In einem Beitrag auf X betonte Buterin in Reaktion auf Lomashuks Pläne einer Gegenbewegung, dass die Ethereum-Foundation nicht alle Probleme allein lösen müsse, sondern bewusst Raum für andere Organisationen lassen sollte. Den diplomatischen Duktus ließ Buterin aber gleich im nächsten Satz schon wieder fallen: „Die Person, die das neue EF-Führungsteam bestimmt, bin ich“, erklärte er unmissverständlich. Kritiker befürchten, dass Buterin ein Netzwerk aus loyalen Führungskräften um sich schart, um kritische Stimmen aus der Foundation herauszuhalten. Auch die Rolle von Danny Ryan, einem ehemaligen Protokollforscher, rückt dabei in den Fokus. Ryan gilt als möglicher Nachfolger von Miyaguchi und scheint bereits Gespräche mit Buterin über eine zukünftige Führungsrolle zu führen.

Ist Ethereum „wie eine Diktatur“?

Auf Social Media kochte der Unmut daraufhin wieder hoch. Der Krypto-Wagniskapitalgeber Justin Bons etwa schrieb, dass Ethereum „wie eine Diktatur geführt“ und „von oben herab“ durch eine Gruppe träumerischer „Entwickler in Elfenbeintürmen“ regiert werde. Uniswap-Gründer Hayden Adams meldete sich ebenfalls zu Wort und sprach sich für eine stärkere Trennung von Forschung und technischer Entwicklung innerhalb der Ethereum-Foundation aus, um die Effizienz in der Weiterentwicklung der Blockchain-Infrastruktur zu gewährleisten, die zuletzt gelitten habe. Shytoshi Kusama, Chefentwickler von Shiba Inu, kritisierte in einem öffentlichen Statement, dass seine Versuche, mit Buterin über Ethereum-Entwicklungsthemen zu sprechen, auf taube Ohren gestoßen seien und schlug damit in eine ähnlich Kerbe die der VC-Manager Bons.

Vitalik Buterin sagte zum Streit in der Ethereum-Foundation: „Social Media schafft ein toxisches Umfeld. Einige unserer besten Entwickler sind bestürzt über den Ton der Debatte.“

Allerdings sind auch die aufrührerischen Ideen von Konstantin Lomashuk, dem Begründer der zweiten ETH-Foundation, alles andere als unumstritten. Lomashuks Protokoll Lido hat als führender Staking-Anbieter enorme Macht über Ethereum. Gegner werfen ihm vor, seinen persönlichen Einfluss ausweiten zu wollen und die neue Foundation als Vorwand zu nutzen. Vitalik Buterin bemüht sich derweil, den Fokus zurück auf die technische Entwicklung zu lenken und hat vor einigen Tagen große Pläne für Ethereum vorgestellt. In einem Blogpost skizzierte er eine Strategie, die auf technologische Verbesserungen und eine Stärkung von Ether als Anlageklasse abzielt. Besonders wichtig ist ihm die Weiterentwicklung von Layer-2-Technologien, die Ethereum effizienter und günstiger machen sollen.

Das für März 2025 geplante Pectra-Upgrade soll dabei helfen, die Skalierung voranzutreiben. Langfristig könnte das Netzwerk so bis zu 100 000 Transaktionen pro Sekunde verarbeiten. Das wäre sogar deutlich mehr als bei Solana oder Sui. Trotzdem kommt um Ethereum selbst bislang keine wirklich spürbare Euphorie auf, der ETH-Preis dümpelt seit Monaten durchs Niemandsland unterhalb der mehrfach erfolglos attackierten 4000-Dollar-Marke und rauschte beim Abverkauf Anfang letzter Woche innerhalb weniger Stunden um mehr als ein Drittel ab. Eine Rolle könnten dabei auch Leerverkäufe großer Hedgefonds spielen. Das zumindest mutmaßen Analysten, die gestern auf historisch hohe Short-Positionen institutioneller Trader auf den Ethereum-Kurs hinwiesen.

Rekord-Shorts bei ETH: Wetten Market Maker auf den Crash?

An der führenden US-Derivatbörse Chicago Mercantile Exchange (CME) stiegen die Wetten auf fallende ETH-Preise in der vergangenen Woche um 40 Prozent, verglichen zum November des Vorjahres wuchs das Short-Volumen um alarmierende 500 Prozent. Akuter Grund zur Sorge ist diese Short-Positionierung aber noch nicht, schließlich deuten derartige Ausschläge im Open Interest häufig auf eine delta-neutrale Positionierung großer Fonds hin, die vor allem in wenig volatilen Marktphasen auftritt. Hedgefonds nutzen delta-neutrale Hebelstrategien, um Preisschwankungen im eigenen Portfolio abzuschwächen und von Gebühren zu profitieren. Dabei wird ein Spot-Einstieg in Ethereum mit einer Short-Position kombiniert, sodass sich deren Preisbewegungen ausgleichen und das Gesamtdelta (die Differenz der Gewinne und Verluste beider Positionen) null beträgt.

Auf der US-amerikanischen Futures-Börse CME erreichten die Ethereum-Short-Positionen neue Höchststände. Spekulieren Hedgefonds auf einen ETH-Crash?

Eine Spot-Investition in ETH hat ein positives Delta, da sie bei steigenden Kursen an Wert gewinnt. Eine Short-Position in Futures-Märkten erzeugt ein negatives Delta. Hedgefonds eröffnen in ruhigeren Marktphasen als Ausgleich zu ihren Ethereum-Käufen über Spot-ETFs gleichzeitig ETH-Short-Positionen, um das Delta auszugleichen, das eigene Portfolio abzusichern und von Finanzierungsgebühren (Funding Fees) zu profitieren. Die Funding Fees entstehen, wenn Long-Positionen Gebühren an Short-Positionen zahlen, weil mehr Marktteilnehmer auf steigende Kurse setzen. Hedgefonds setzen somit nicht auf Kursveränderungen, sondern nutzen die Einnahmen aus der Funding Rate bei gleichzeitig neutraler Positionierung (weil sich Short- und Spot-Einstiege ausgleichen und damit das Risiko in beide Richtungen minimieren).

Während die Shorts wachsen, kratzen auch die ETH-ETF-Zuflüsse an Rekorden – ein mögliches Zeichen für eine delta-neutrale Positionierung großer Fonds.

Delta-Neutralität erfordert regelmäßige Anpassungen. Steigt ETH, muss die Short-Position vergrößert werden, fällt ETH, muss sie reduziert werden. Deshalb werden delta-neutrale Positionen bevorzugt eingenommen, wenn kurz- bis mittelfristig von geringer Volatilität auszugehen ist. Besonders lukrativ ist die Strategie in Märkten mit hohem Long-Interesse, da steigende Nachfrage die Funding Fees für Short-Positionen erhöht. Sollte es sich bei den aktuellen Short-Positionen an der CME tatsächlich um delta-neutrale Einstiege handeln, könnten die Hedgefonds damit auf eine baldige Zunahme des Long-Interesses spekulieren, die nach den Rekord-Liquidationen letzte Woche wieder aufgebaut werden. Für die These einer delta-neutralen Positionierung spricht außerdem, dass die Ethereum-ETFs in den vergangenen Tagen deutliche Zuflüsse verzeichneten. Diese Spot-Einstiege könnten von Hedgefonds als delta-positive Gegengewicht zu den aktuellen Short-Positionen genutzt werden.

Wissen die Hedgefonds mehr als wir?

Freilich ist die Vermutung, dass hinter den Rekord-Shorts eine delta-neutrale Strategie großer Hedgefonds steckt, nicht abschließend zu belegen. Dennoch wäre es für große Player ungewöhnlich, so aggressiv auf eine Preisrichtung zu spekulieren – vor allem nach dem heftigen Abverkauf letzte Woche, der bereits großes Liquidierungspotenzial auf der Unterseite ausgeschöpft hat. Bewahrheitet sich die These der delta-neutralen Positionierung, so ist das Signal ein völlig anderes als man auf den ersten Blick meinen könnte: Statt den großen Ethereum-Crash zu prophezeien, würden Hedgefonds in diesem Szenario vorerst ruhige Marktbedingungen und wachsende Zuversicht (in Form zunehmender Long-Positionen) erwarten, um maximal von den Funding Fees profitieren zu können. Denn gerade den großen Fischen dürfte klar sein, dass es – trotz anhaltender Querelen in der Ethereum-Foundation – keine gute Idee ist, den Altcoin-Marktführer in einem Krypto-Bullrun massiv zu shorten.

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Simeon Koch

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