Sui ist der Senkrechtstarter dieses Bullenmarktes. Quasi aus dem Nichts kämpfte sich das Altcoin-Projekt, das ursprünglich Facebooks eigene Kryptowährung werden sollte, an die Spitze des Blockchain-Marktes vor. Grund dafür sind nicht nur technologische Vorzüge und die Geschwindigkeit des Netzwerks, sondern auch Suis Alleinstellungsmerkmal als hochleistungsstarker Smart-Contract-Allrounder, der von Gaming über Tokenisierung bis hin zu Finanz-Anwendungen so ziemlich alles abdeckt, was eine Blockchain können muss. Ab heute analysieren wir Sui in unserem Altcoin-Paket. Höchste Zeit also, um zu klären, was Sui eigentlich so wertvoll macht.
Zuckerbergs Bitcoin-Ziegen und Facebooks Abfalleimer
Haben Sie gewusst, dass Meta-Chef Mark Zuckerberg eine Ziege hat, die Bitcoin heißt? Genau genommen hat er zwei Ziegen; eine heißt Bitcoin, die andere Max. Vor Jahren hat Zuckerberg eine seiner damaligen Ziegen – es war weder Bitcoin noch Max – geschlachtet und mit Twitter-Gründer Jack Dorsey zum Abendessen verspeist. Um genau zu sein, aß Dorsey eigentlich gar nicht mit. Später verriet er, dass er aufs Fleisch verzichtet und sich an diesem Abend lieber auf Salat verlegt habe –obwohl Zuckerberg mit dem Ziegenbraten gute Absichten verfolgte.
2021 postete Mark Zuckerberg ein Bild von Bitcoin und Max.
Laut eigener Aussage hatte sich der Facebook-Gründer damals, vor gut zehn Jahren, vorgenommen, nur noch Fleisch von Tieren essen, die er selbst großgezogen und geschlachtet hatte, um den Bezug zum Lebewesen hinter dem Lebensmittel nicht zu verlieren. Wie Zuckerberg auf Dorseys Verzicht reagierte, ist nicht überliefert. Und eigentlich spielt das für die Erklärung der Sui-Blockchain auch gar keine Rolle. Also der Ziegenbraten. Wichtig ist hingegen, dass Zuckerberg bis heute eine Ziege namens Bitcoin hat. Denn ohne Zucks Vorliebe für Kryptowährungen gäbe es Sui heute wahrscheinlich gar nicht. Zumindest nicht in dieser Form.
Sui ist in der Move-Programmiersprache aufgesetzt worden. Move wurde ursprünglich von Facebook entwickelt, um den eigenen Stablecoin Libra zu programmieren, der 2019 angekündigt wurde und fürderhin Bargeld-Transaktionen über Meta-Apps wie WhatsApp oder Instagram ermöglichen sollte. Wegen regulatorischer Schwierigkeiten stampfte Meta das Projekt 2022 zwar wieder ein, die technischen Grundlagen aber überlebten und wurden von einigen ehemaligen Facebook-Programmierern aufgegriffen, um ein neues Projekt aufzusetzen: die Sui-Blockchain. Sui kletterte also quasi aus dem Facebook-Abfalleimer in die Spitzengruppe des Kryptomarktes.
Sui versteht sich als "erste programmierbare Blockchain mit Internet-Skalierbarkeit". Von Smart Contracts über Tokenisierung bis zu Gaming ist fast alles dabei.
Für seine technische Entwicklung stützt Sui sich seit dem Launch im Mai 2023 streng auf die Wissenschaft: Investorengelder von Branchengrößen wie dem bekannten Wagniskapitalgeber Andreessen Horowitz (a16z) oder auch der Kryptobörse Binance werden in Partnerschaften mit Universitäten weltweit investiert. Neben der London Business School arbeiten auch die ETH Zürich, die Uni Bern und die nationale Universität von Singapur mit Sui zusammen, um innovative Blockchain-Programme zu entwerfen.
Was Sui kann – und wofür der Coin genutzt wird
Sui ist sehr ähnlichen Zielen verpflichtet, wie auch der Libra-Stablecoin ursprünglich verfolgen sollte. Primär geht es den Sui-Entwicklern darum, Blockchain-Technologie niederschwellig im klassischen Internet zugänglich zu machen. Dabei deckt Sui als Smart-Contract-Plattform eine große Bandbreite möglicher Dienstleistungen ab und bietet optimale Blockchain-Infrastruktur für Gaming-Anwendungen oder die Erstellung und Verwaltung komplexer NFTs, die beispielsweise in Kunst, Sammelobjekten oder digitalen Identitäten Anwendung finden.
Schon jetzt läuft auf Sui eine ganze Reihe von Apps. Besonders beliebt sind NFTs, Gaming und dezentralisierte Finanzen (DeFi).
Auftrumpfen kann Sui außerdem in Sachen dezentrale Finanzen (DeFi). Zugute kommen der Blockchain dabei ihre hohe Skalierbarkeit bei gleichzeitiger Sicherheit. Die Programmiersprache Move, die neben Sui auch auf der Aptos-Blockchain Verwendung findet, wurde speziell entwickelt, um sicher und effizient mit digitalen Vermögenswerten zu arbeiten. Sie sorgt dafür, dass Fehler oder Angriffe, die bei anderen Blockchains häufig vorkommen, deutlich seltener den Betrieb stören.
Suis Beliebtheit zeigt sich im Kurs: Seit dem Launch vervielvachte sich der Sui-Preis trotz zwischenzeitlicher Turbulenzen im Sommer.
Auch beim Thema Benutzerfreundlichkeit hat Sui im Vergleich zu anderen Blockchains die Nase vorn. Schließlich ist das Netzwerk gezielt darauf ausgelegt, die Zugangshürden für den Otto Normalverbraucher so niedrig wie möglich zu setzen. Nutzer können sich bei Anwendungen auf der Sui-Blockchain mit ihren bestehenden Konten von Plattformen wie Google oder Facebook anmelden. Das erleichtert den Einstieg und macht die Nutzung von Blockchain-Technologien auch für Neulinge zugänglicher.
Der SUI-Coin ist die native Kryptowährung der Sui-Blockchain und wird für mehrere wichtige Funktionen innerhalb des Netzwerks verwendet. Er dient als Staking-Token, mit dem Nutzer Validatoren unterstützen, die Transaktionen verifizieren und das Netzwerk sichern, um dafür Belohnungen zu erhalten. Zudem ermöglicht der SUI-Coin die Governance des Netzwerks, was bedeutet, dass Inhaber des Tokens über wichtige Entscheidungen, wie Änderungen an der Blockchain oder neue Funktionen, mitbestimmen können. Der Coin wird auch für die Zahlung von Transaktionsgebühren auf der Plattform benötigt und hilft, die Ökonomie des Netzwerks zu unterstützen.
Kann Sui mit Solana und Ethereum mithalten?
Ein weiterer Vorteil der Sui-Blockchain ist ihre Skalierbarkeit. Theoretisch kann die Blockchain bis zu knapp 300 000 Transaktionen pro Sekunde abwickeln; unter realen Bedingungen sind allerdings eher gute 100 000 möglich. Damit ist Suis Durchsatz – zumindest in der Theorie – zwar immer noch doppelt so groß wie beim größten unmittelbaren Konkurrenten Solana, nachweisen musste Sui dieses Potenzial bisher aber noch nicht. Seit dem Launch der Plattform hatte das Netzwerk selbst zu Spitzenzeiten nie mehr als 1000 Transaktionen pro Sekunde zu verarbeiten.
Gegenüber Solana fand Sui im Sommer sein bisheriges Tief und steigt seitdem stetig. Ab dem dritten Quartal performte Sui deutlich besser.
Wichtiger als das theoretische Potenzial ist aber ohnehin die Technik, die Sui seine Skalierbarkeit beschert. Ein zentraler Aspekt von Sui ist nämlich die Fähigkeit, Transaktionen parallel zu verarbeiten. In einfachen Worten bedeutet das, dass viele Vorgänge auf der Blockchain gleichzeitig bearbeitet werden können, anstatt nacheinander wie bei den meisten anderen Blockchains. Dadurch wird das Netzwerk schneller, insbesondere, wenn die Nutzerzahlen steigen. Sui wurde so konzipiert, dass auch bei hoher Auslastung keine Verzögerungen oder hohe Kosten entstehen.
Im Jahr 2024 lag das höchste tägliche Volumen für Sui bei gut 58 Millionen Blockchain-Transaktionen. Zum Vergleich: Solanas Rekord in den letzten zwölf Monaten waren knapp 67 Millionen, Ethereum verarbeitet auf der ETH-Hauptblockchain in der Regel gut eine Million Transaktionen pro Tag. Der Rekord für die meisten aktiven Nutzer am Tag lag bei Sui in den zurückliegenden zwölf Monaten bei rund 2.5 Millionen, bei Solana waren es in der Spitze mehr als 6.6 Millionen. In Sachen Effizienz kann Sui also schon mit den großen Konkurrenten mithalten. Bei Ethereum ist natürlich zu beachten, dass die meisten Transaktionen auf Layer-2-Protokollen wie Arbitrum und Optimism ausgeführt werden und die Hauptchain-Statistik deshalb wenig aussagekräftig ist.
Gegen Ethereum stieg Sui nach dem Sommerloch-Tief (im Dollar-Wert) sprunghaft an und erreichte zuletzt neue Rekordstände in Relation zu ETH.
Deutlichen Rückstand hat Sui auf Solana und Ethereum allerdings noch beim Total Value Locked (TVL). TVL bezeichnet den gesamten Betrag an Geld oder Krypto, der in einer DeFi-Plattform (wie einer dezentralen Bank) festgelegt oder hinterlegt ist, um zum Beispiel Kredite zu bekommen oder an einem Pool für den Handel teilzunehmen. Es zeigt, wie viel Vertrauen die Nutzer in diese Plattform haben oder wie umfangreich die Blockchain genutzt wird.
Ethereum ist hierbei mit fast 65 Milliarden US-Dollar einsamer Spitzenreiter, Solana kommt auf gut 8.5 Milliarden. Sui hat mit rund zwei Milliarden Dollar TVL noch einiges an Aufholpotenzial – hatte seit seinem Launch im Mai 2023 aber auch noch nicht so viel Zeit, höhere Beträge anzuhäufen. Sollte das Wachstum bei Sui allerdings so rasant weitergehen wie in den letzten Monaten, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis Sui zumindest in einigen der wichtigsten Metriken zu seinen großen Vorbildern aufsteigen kann.




