Künstliche Intelligenz (KI) wird die Arbeitswelt grundlegend verändern und könnte die Einkommensungleichheit verschärfen, warnt der Internationale Währungsfonds (IWF). Ein aktueller Bericht hebt möglice Risiken der generativen KI hervor, die massive Arbeitsmarktstörungen und eine Konzentration von Kapital und Macht verursachen könnte. Gleichzeitig fordert der IWF Regierungen weltweit dazu auf, Maßnahmen wie etwa die Verbesserung der Arbeitslosenversicherung zu ergreifen, um den Übergang zu einer weitgehend automatisierten Wirtschaft zu erleichtern. Elon Musk, CEO von Tesla und SpaceX, teilt diese Sorgen und prophezeit, dass KI nahezu alle Jobs übernehmen könnte, wodurch menschliche Arbeit optional werden könnte. Konkrete Berechnungen dazu, wie Künstliche Intelligenz eine gesamte Volkswirtschaft und ihren Arbeitsmarkt beeinflussen könnte, legte ein österreichisches Forschungsinstitut in Zusammenarbeit mit dem Software-Giganten Microsoft vor. Demnach könnten allein in Österreich bald schon Milliarden Arbeitsstunden pro Jahr von autonomen Algorithmen übernommen werden.
„Schmerzhafter Übergang für Arbeitende“
„Ernsthafte Bedenken“ hat der Internationale Währungsfonds laut seines am Montag veröffentlichten Reports angesichts der fortschreitenden Implementierung von KI-Technik im Arbeitsmarkt. Der Bericht argumentiert, dass die Verbreitung von KI in den Industrieländern bis zu 60 Prozent der Jobs betreffen könnte. In Schwellenländern könnte dieser Anteil bei rund 40 Prozent und in Ländern mit niedrigem Einkommen bei etwa 26 Prozent liegen. Diese Unterschiede entstehen, weil KI besonders geistige Arbeit ersetzen kann, die in Industrienationen vorherrscht. Laut der IWF-Studie sind die Chancen und Risiken der KI aber auch innerhalb des heimischen Arbeitsmarkts ungleich verteilt. Dabei würden insbesondere ältere Arbeitnehmer Gefahr laufen, abgehängt zu werden, wenn sie sich nicht schnell genug an die neuen Technologien anpassen. Dies könnte zu einer weiteren Verschärfung der Einkommensungleichheit führen, da diejenigen, die in der Lage sind, mit den KI-Entwicklungen Schritt zu halten, laut IWF überproportionale Einkommenssteigerungen erwarten könnten. Era Dabla-Norris, stellvertretende IWF-Direktorin und Co-Autorin des Reports erkennt darin eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung: "Wir wollen, dass die Menschen auf breiter Basis vom Potenzial dieser Technologie profitieren können, und wir wollen sicherstellen, dass für die Menschen Möglichkeiten geschaffen werden.“
Elon Musk sieht die Entwicklung der KI auf dem Arbeitsmarkt noch drastischer. Auf einer Tech-Konferenz in Paris Ende Mai prophezeite der Tesla-CEO, dass KI alle Jobs übernehmen könnte und Arbeitsplätze optional werden könnten. „Wahrscheinlich wird keiner von uns mehr einen Job haben“, sagte Musk. In diesem Szenario wäre ein „universelles hohes Einkommen“ notwendig, um den Lebensstandard zu sichern. Während der IWF darauf hinweist, dass KI das Potenzial hat, die Produktivität erheblich zu steigern, warnt er auch davor, dass die Technologie zu einer weiteren Konzentration von Kapital und Macht in den Händen weniger großer Unternehmen führen könnte. Dies könnte die Marktkräfte verzerren und die wirtschaftliche Ungleichheit weiter verstärken. Die stellvertretende IWF-Direktorin Era Dabla-Norris warnte in ihrem Statement, dass „dieser Übergang für Arbeitnehmer schmerzhaft werden könnte“ Also müsse man „diesen schwierigen Übergang abfedern, um den sozialen Zusammenhalt in unseren Gesellschaften zu sichern“. Von gesonderten KI-Steuern rät der Währungsfonds aber ab – schließlich könnten derartige Abgaben die Entwicklung und Forschungstätigkeit beeinflussen. Vielmehr müssten Regierungen Kapitalgewinne und Profite stärker besteuern, um Vermögensungleichheit zu nivellieren.
800€ Milliarden mehr für Deutschland?
Aus Dabla-Norris‘ Sicht ist es „so wichtig wie nie zuvor, dass Länder hierbei zusammenarbeiten“. Schließlich könnte mehr als jeder dritte Job weltweit künftig von Künstlicher Intelligenz übernommen werden. Über die künftige Beschäftigung der dadurch obsoleten Arbeitskräfte gibt es bisher wenig offizielle Überlegungen – zumindest öffentlich. Einen ersten Schritt in diese Richtung möchte die Europäische Union mit ihrem umstrittenen KI-Gesetz machen, das unter anderem den Einsatz autonomer Algorithmen für Fahndungszwecke oder Social Scoring behandelt. Branchenkenner halten die Warnungen des IWF teils für überzogen. Häufig und medienwirksam ist das Argument zu hören, dass die Gesellschaft auch mit früheren technischen Disruptionen umzugehen gelernt hat: Die Automatisierung von Fabriken kostete viele Fließband-Arbeiter ihre Jobs. Jetzt könnten all jene dran sein, die geistige Arbeit verrichten – wobei das stark vereinfacht ist, wenn man Ökonomen glaubt. Schließlich sei es leicht, die Arbeitsplätze zu sehen, die durch KI ersetzt würden, aber viel schwieriger, jene Möglichkeiten zu erfassen, die durch Künstliche Intelligenz geschaffen würden, schrieb etwa John Thornhill, Redakteur bei den Financial Times in seiner Betrachtung des IWF-Reports.
Bei der Frage, welche Auswirkungen KI auf den deutschen Arbeitsmarkt haben könnte, lohnt sich ein Blick ins Nachbarland Österreich. Hier zeigt eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts Economica, dass KI in verschiedenen Branchen 2,24 Milliarden Arbeitsstunden übernehmen könnte, was die gesamte Arbeitsleistung der Hauptstadt Wien deutlich übersteigt. Österreichs Wirtschaft könnte demnach durch den Einsatz von KI innerhalb von zehn Jahren eine Wertschöpfungssteigerung von 18 Prozent erzielen. In Österreich wären das etwa 80€ Milliarden, in Deutschland bei einem ähnlichen Verhältnis ganze 800€ Milliarden. Besonders hoch ist die Digitalisierungslücke laut der österreichischen Studie bei Klein- und Mittelbetrieben, die auch das Rückgrat der deutschen Wirtschaft darstellen und gerade durch die aktuelle wirtschaftliche Situation akut gefährdet sind. Weniger als zehn Prozent dieser Betriebe nutzen in Österreich bereits KI, was die Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich beeinträchtigt. In Zukunft dürfte es viel wichtiger sein, KI für bestimmte Aufgaben zu trainieren oder anzuleiten, anstatt selbst geistige Arbeit zu leisten: Studien von OpenAI und der University of Pennsylvania zeigen, dass Berufe wie Buchhalter, Programmierer und Journalisten besonders von KI betroffen sein könnten.
Elon Musk grübelt über Roboter – und den Lebenssinn
Goldman Sachs prognostiziert, dass bis zu zwei Drittel der derzeitigen Arbeitsplätze einem gewissen Grad an KI-Automatisierung ausgesetzt sind. Die globale Automatisierung könnte das Äquivalent von 300 Millionen Vollzeitarbeitsplätzen betreffen, was zu erheblichen Störungen auf dem Arbeitsmarkt führen würde. Experten sind angesichts dieser Entwicklung aber nicht nur pessimistisch – Analysten von Economica etwa betonen, dass die zusätzliche Zeit und menschliche Arbeitskraft für andere produktive Tätigkeiten genutzt werden könnte. Und das hält etwa Elon Musk für gar nicht so schlecht: „Wenn wir in Zukunft einen Job haben wollen, wird das mehr wie ein Hobby sein. Abgesehen davon werden Roboter und Künstliche Intelligenz alle Waren und Dienstleistungen zur Verfügung stellen, die wir wollen“. Psychologisch wäre das allerdings eine Herausforderung, gesteht der Milliardär ein: „Dann müssen wir uns die Frage nach dem Sinn stellen. Wenn Computer und Roboter alles besser können als wir, hat unser Leben dann noch eine Bedeutung?“ Problematisch sieht Musk auch Medien, die mit „Dopamin-maximierender KI“ arbeiten, wie der Unternehmer Algorithmen beschreibt, die möglichst viel Interaktion hervorrufen sollen. Ganz unabhängig davon ist Musk davon überzeugt, dass in wenigen Jahren mehr Roboter als Menschen auf der Erde leben werden, wie er bei einer großen Tesla-Versammlung kürzlich zum Besten gab. Tesla würde davon definitiv profitieren, unsere technische Analyse geht von langfristig starkem Kurswachstum bei der Aktie des Elektroauto-Giganten aus. Mehr dazu erfahren Sie in unseren täglichen Updates zu den wichtigsten Tech-Aktien – neben Tesla sind Granden wie Microsoft, Apple, Google, Nvidia oder Amazon dabei.



