Seit Wochen konsolidiert der Bitcoin im Bereich seines vergangenen Allzeithochs aus dem November 2021. Mehrfach versuchte die größte Kryptowährung, ihren jüngsten Rekordstand bei etwa $73 000 zu überbieten, wurde aber ebenso oft abgewiesen. Während die meisten Altcoins bei Bitcoin-Anstiegen schon kaum mehr mitziehen, weil die Euphorie der raschen Anstiege nach der Spot-ETF-Zulassung langsam verpufft, deuten gleich mehrere Indikatoren darauf hin, dass der Bullenmarkt bald wieder Fahrt aufnehmen könnte. Eine niedrige Funding-Rate, verhaltenes Open Interest und Kaufdruck auf dem Spot-Markt versprechen auf technischer Ebene nachhaltigeres Wachstum als zuletzt. Positives Momentum könnte demnächst aber auch aus den traditionellen Märkten herüberschwappen: Der Abgabedruck aus dem Grayscale Bitcoin Trust (kurz: GBTC) soll laut Grayscale-Geschäftsführer Michael Sonnenshein zeitnah schwächer werden, wodurch eine der prominentesten Kursbremsen wegfiele. Weitere Nachfrage könnte in naher Zukunft aus China kommen: Noch im April sollen in Hong Kong die ersten Spot-ETFs für die Krypto-Leitwährung genehmigt werden. Die größten nationalen Vermögensverwalter scharren mit den Hufen.
Wann wird die GBTC-Handbremse gelöst?
Seit der Zulassung der ersten Bitcoin-Spot-ETFs in den Vereinigten Staaten hängen die Abflüsse aus dem GBTC bleischwer am Kurs der Krypto-Leitwährung. Phasenweise wurden mehrere $100 Millionen täglich an Bitcoin-Beständen aus dem ehemals abgeschlossenen Fonds abverkauft, die kürzliche Stagnation in der Preisentwicklung schien den Abgabedruck noch zu verschärfen. Zumindest rutschte der Saldo der ETF-Zuflüsse zu Beginn der aktuellen Konsolidierungsphase erstmals ins Minus. Mittlerweile belaufen sich die gesamten Abflüsse aus dem GBTC auf über $15 Milliarden, in den letzten 30 Tagen verließen mehr als 125 000 BTC den ETF. Seit der GBTC in einem Spot-ETF umgewandelt wurde, hat sich sein verwaltetes Vermögen in Bitcoin fast halbiert: Anfang Januar umfasste er noch rund 620 000 Bitcoin, aktuell nur noch knapp 320 000. Hochrechnungen machten die Runde, dass der GBTC spätestens im Juli leerlaufen müsse, wenn die Verkäufe mit konstanter Geschwindigkeit voranschreiten. Das rekordverdächtige Debüt der Spot-ETFs dürfte in die nächste bullische Phase übergehen, sobald die GBTC-Handbremse gelöst wird – und das könnte schon vor den Sommermonaten der Fall sein.
Für verlangsamte Abflüsse aus dem GBTC spricht, dass die Bestände der bankrotten Krypto-Plattform Genesis, die infolge des FTX-Debakels in die Knie ging und mithilfe der verbleibenden GBTC-Anteile ihre Gläubiger auszahlen will, schon verkauft sein dürften. Mitte Februar hatte ein nordamerikanisches Gericht den zuständigen Insolvenzverwaltern erlaubt, die von Genesis noch gehaltenen $1.6 Milliarden in GBTC-Anteilen zu verkaufen. Auch aus der FTX-Insolvenzmasse wurden GBTC-Bestände abgestoßen. Laut Experten dürften diese Liquidierungen die wichtigsten Treiber der GBTC-Abverkäufe in den vergangenen drei Wochen gewesen sein. Nennenswerte Zuflüsse gibt es beim Grayscale-ETF derweil nicht, schließlich sind dessen Gebühren mit 1.5 Prozent auf eingezahlte Bestände etwa siebenmal so hoch wie bei den Konkurrenz-Produkten von BlackRock, ARK Invest oder Fidelity, deren Gebühren zwischen 0.1 und 0.25 Prozent liegen. Dennoch müsse der GBTC nicht erst leerlaufen, damit der Verkaufsdruck ein vorläufiges Ende finde, prognostizierte Grayscale-CEO Sonnenshein bei einem Interview am Mittwoch: „Wir glauben, dass der Fond ein Gleichgewicht erreicht und die antizipierten Abflüsse – entweder durch die Insolvenz-Verkäufe oder Investoren, die zu anderen Anbietern wechseln – zu großen Teilen hinter uns liegen“. Und prompt verzeichnete der GBTC gestern mit weniger als $20 Millionen das geringste Minus seit ETF-Zulassung.
Grayscales Plan B – und die ersten chinesischen BTC-ETFs
Seit Anfang März versucht Grayscale, einen günstigeren Mini Bitcoin Trust auf den Weg zu bringen, um die Investorenflucht aus den hauseigenen BTC-Produkten zu stoppen. Der neue ETF soll nicht nur geringere Gebühren, sondern auch steuerliche Vorteile bieten, da Anleger ihre Anteile tauschen könnten und nicht verkaufen müssten, wie es ein Wechsel in konkurrierende BTC-ETFs erfordert. „Wir wollen mehr Investoren ins Ökosystem bringen und das Produkt weiter verbessern“, versicherte Sonnenshein, „langfristig gehen wir davon aus, dass die GBTC-Gebühren sinken werden, während der Markt sich festigt“. Der erste Schritt in diese Richtung liegt in Form des Mini-ETFs noch auf Eis, die nordamerikanische Börsenaufsicht (engl.: Securities and Exchange Commission; kurz: SEC) hat bislang noch kein grünes Licht gegeben. Sonnenshein zeigt sich dennoch zuversichtlich: „Wir sind optimistisch, dass die SEC auf der richtigen Seite dieses historischen Moments stehen und diese Produkte für den breiten Markt zulassen wird“. Ein Vorbild an der SEC dürften sich nun auch die Aufsichtsbehörden in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hong Kong nehmen. Schon vor einigen Tagen war durchgesickert, dass mehrere milliardenschwere chinesische Vermögensverwalter finale Anträge für Bitcoin-Spot-ETFs stellen, laut Insider-Berichten dürfte diesen innerhalb der nächsten Tage stattgegeben werden.
Hong Kong würde damit zur ersten asiatischen Region werden, die derartige Anlageprodukte auf den Markt bringt, im eher Krypto-skeptischen China kommt das überraschend. Mitten im Bullenmarkt 2021 sprach die chinesische Staatsführung ein Verbot für Krypto-Handel und Mining aus. Eine Zulassung von Bitcoin-ETFs in der teilautonomen Provinz Hong Kong könnte (ähnlich wie in den Vereinigten Staaten, wo mittlerweile rund $12 Milliarden in die neuen Spot-ETFs geflossen sind) nun auch in Asien zu starken Krypto-Investitionen aus dem traditionellen Finanzsektor führen. Die Hong Konger Börsenaufsicht SFC (engl.: Securities and Futures Commission) erlaubte kürzlich den regionalen Ablegern zweier großer chinesischer Vermögensverwalter, Portfolios zusammenzustellen, die mehr als zehn Prozent ihres Gesamtwerts in virtuellen Währungen halten. Hong Kong könnte damit zum chinesischen Bitcoin-Versuchslabor avancieren, ein grundlegendes chinesisches Umdenken mit Blick auf Kryptowährungen ist nicht ausgeschlossen und scheint mit Hong Kongs Vorpreschen wahrscheinlicher zu werden. Wie sich der Bitcoin-Preis nach dem historischen Novum eines Allzeithochs vor dem Halving jetzt weiter entwickelt, erfahren Sie in den regelmäßigen Updates unseres Bitcoin/Ethereum-Pakets. Ebenso wie in unseren Altcoin-Analysen bekommen Abonnenten auch hier Signale für lukrative Einstiegs- und Handelsmöglichkeiten in Echtzeit.




