Googles 2029-Deadline: Werden Quantencomputer zur Bitcoin-Gefahr?
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Googles 2029-Deadline: Werden Quantencomputer zur Bitcoin-Gefahr?

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Simeon Koch

Das Wichtigste in Kürze:

  • Google warnt vor neuer Quanten-Technik, die Bitcoin-Wallets hacken könnte.
  • Potenziell in Gefahr: rund sieben Millionen (!) BTC.
  • Google rät, Blockchain-Systeme bis 2029 quantensicher zu machen.

Dass der Tag näher rückt, an dem klassische Wallet-Verschlüsselungen auf der Bitcoin-Blockchain durch Quantencomputer geknackt werden können, ist kein Geheimnis. Bisher war man aber davon ausgegangen, dass dem Kryptomarkt noch mindestens zehn Jahre bleiben, um sich darauf vorzubereiten. Diese Galgenfrist verkürzt sich nun drastisch: Google hat gestern eine neue Technologie vorgestellt, die Kryptowährungen schon 2029 hacken könnte. Und Bitcoin ist darauf nur bedingt vorbereitet.


Bitcoin wurde schon häufig für tot erklärt. Doch die Lage ist ernst: Können Quantencomputer bald Bitcoin-Wallets hacken?


An Lösungen wird zwar schon gearbeitet, aber der Druck steigt. Verunsicherung macht sich um die Wallets von Satoshi Nakamoto breit, dessen Bitcoin-Bestände als ewig eingefroren galten. Allein in Satoshis Wallets liegen mehr als eine Million BTC. Panik ist aber verfrüht. Denn Googles 2029-Deadline ist mehr Warnung als konkrete Gefahr.

Google warnt: Ist Bitcoin 2029 tot?

Zukünftige Quantencomputer könnten bereits um 2029 in der Lage sein, heutige Kryptografie zu brechen – mit dieser Warnung eröffnet Google den gestern veröffentlichten Bericht über die Fortschritte im Bereich des Quantencomputings. Im Zentrum der Sorge steht die sogenannte elliptische Kurven-Kryptografie.

Über diese Technologie funktionieren bei Bitcoin und Ethereum die eindeutige Signatur und Zuordnung von Krypto-Beständen – also die technische Verifizierung, dass die Coins in einer Wallet auch tatsächlich ihrem Besitzer gehören. Es geht also nicht um einen Hack der Bitcoin-Blockchain selbst, sondern um technisch immer stärkere Möglichkeiten, um Wallets zu kompromittieren und BTC-Bestände zu stehlen.


Google zeigt nicht nur Gefahren für Kryptowährungen auf, sondern auch Lösungen. Die Ergebnisse wurden zur Sicherheit verschlüsselt publiziert.


Wenn diese Technik geknackt wird, könnten Angreifer fremde Wallets fälschen und Transaktionen manipulieren. Für Kryptowährungen ist das laut Google eine existenzielle Bedrohung, denn „die meisten Blockchain-Technologien verlassen sich derzeit auf diese Verfahren für kritische Sicherheitsaspekte“. Deshalb drängt Google zur Eile: „Lösungen existieren, werden aber Zeit zur Umsetzung benötigen.“

Wie brisant das Thema ist, zeigt Googles Vorgehen bei der Veröffentlichung: Anders als in früheren Studien legte man die technischen Details der eigenen Forschung nicht einfach offen, sondern wählte eine verschlüsselte Methode. Dazu arbeitete Google auch mit der US-Regierung zusammen und appellierte an Wettbewerber, ähnlich diskret vorzugehen.

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Zur Einordnung der Bitcoin-Warnungen ist allerdings zu sagen: Quantencomputer haben aktuell noch so hohe Fehlerquoten, dass sich für Googles Modell nicht nur die Rechenleistung, sondern auch die Präzision deutlich verbessern müsste. Beides in Kombination ist deutlich schwieriger zu erreichen und könnte noch deutlich längere Zeit in Anspruch nehmen. Googles Warnungen sind nicht unberechtigt, aber in vielerlei Hinsicht recht plakativ.

Primär geht es dem Suchmaschinen-Giganten mit der 2029-Deadline darum, Aufmerksamkeit zu schaffen. Im Fokus stehen dabei neben Blockchains vor allem auch staatliche Behörden und große Unternehmen, deren Anpassung langsam läuft. Bis Bitcoin akut in Gefahr gerät, dürfte es laut Experten noch länger dauern. Google zielt mit dem aktuellen Report darauf ab, rechtzeitig Aufmerksamkeit zu schaffen, damit langwierige Anpassungs- und Absicherungsprozesse zeitgereicht stattfinden.

BIP 360: So soll Bitcoin quantensicher werden

Das finale Urteil der neuen Google-Studie: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Bitcoin und Co. von Quantencomputern gehackt werden können. Ausweglos ist die Lage aber nicht. Gemeinsam mit dem neuen „Modell, um die Codebrechungsfähigkeiten zukünftiger Quantencomputer zu erklären“, suche man bereits Wege, „ihre Folgen abzumildern“. Dennoch muss sich die Blockchain selbst um Lösungen des Problems kümmern. Und genau das wird im Fall von BTC gerade probiert.

Auf der Bitcoin-Blockchain hat ein Wettlauf begonnen, um die Technologie rechtzeitig umzubauen. Entwickler diskutieren in Foren über Zeitpläne und Risiken: Laut Crypto Valley Journal (CVJ) könnten knapp sieben Millionen Coins in veralteten Wallets gefährdet sein, also ein Drittel der BTC-Umlaufmenge. Wichtig zu wissen: Selbst wenn Quantencomputer so schnell so stark werden, sind vor allem Wallets mit öffentlichem Public Key gefährdet. Öffentlich wird der Public Key, wenn man selbstständig Transaktionen durchführt (etwa BTC verschickt). Empfängt eine Wallet nur, ohne selbst zu schicken, ist das Risiko demnach geringer.


In einem Testnetzwerk wird der Bitcoin-Ernstfall geprobt. Laut Entwicklern könnte die Umstellung sieben Jahre dauern.


Die Community reagiert darauf mit technischen Gegenmaßnahmen. Ein zentraler Ansatz ist ein neuer Vorschlag namens BIP 360, der Transaktionen so umbaut, dass weniger verwundbare Daten überhaupt öffentlich werden. Vereinfacht gesagt: Statt wie bisher Schlüssel offenzulegen, werden Transaktionen stärker „versteckt“ strukturiert. Ziel ist es, „die Angriffsfläche zu reduzieren“, ohne die Funktionsweise von Bitcoin grundlegend zu verändern.

Parallel wird bereits praktisch getestet, ob solche Lösungen funktionieren. In speziellen Testnetzwerken laufen erste Versionen dieser neuen Technik. Die Zeit wird allerdings knapp: Laut einem der Entwickler von BIP-360 dürfte es sieben Jahre dauern, bis die Bitcoin-Blockchain umgestellt ist. Davon entfallen drei Jahre allein auf das Update, weitere Zeit wird die eigenständige Umstellung der Nutzer in Anspruch nehmen. Mit den drei Jahren für BIP-360 kratzt Bitcoin haarscharf an Googles Quanten-Deadline 2029.

Wallets werden angreifbar: So schützen sich Bitcoin-Halter

Jede Bitcoin-Adresse wird durch einen privaten Schlüssel geschützt, der öffentlich sichtbare Ableitungen erzeugt. Bei älteren Wallets – etwa vielen Coins von Satoshi Nakamoto – ist die Verschlüsselung nicht mehr auf dem neuesten Stand der Technik. Ein leistungsfähiger Quantencomputer könnte theoretisch den privaten Schlüssel berechnen und die Coins stehlen, wenn keine Updates zur Absicherung gegen Quantenangriffe gemacht werden. Je weniger aktiv die Wallet in ihrer Historie allerdings war, desto schwieriger ist der Hack.

Das verringert die Angreifbarkeit von Satoshis Coins: Eine Wallet ist laut Google umso anfälliger für künftige Quanten-Hacks, je öfter sie auf der Blockchain aktiv wurde. Das erhöht die Sichtbarkeit der öffentlichen Schlüssel, die zur Kompromittierung der Verschlüsselung nötig sind. Dass Satoshi viele Wallets nur nutzte, um geschürfte BTC-Bestände zu verwahren und ansonsten kaum Transaktionen vollzog, macht seine Bestände also offenbar schwerer zu knacken.

Aktive Nutzer moderner Wallets sind ohnehin deutlich sicherer. Quantensichere Wallets nutzen bereits neue Verschlüsselungsmethoden, die auch gegen künftige Quantenangriffe resistent sind. Das Problem der Absicherung alter Wallets liegt in ihrer Umsetzbarkeit: Bestehende Adressen können nicht einfach aufgerüstet werden, ohne dass der Besitzer dem Update zustimmt oder es initiiert.


Satoshi Nakamoto hält mehr als eine Million Bitcoin in technisch veralteten Wallets. Wie schützt man diese Wallets ohne Zustimmung des (verschollenen) Besitzers?


Ein externes Update der Verschlüsselung alter Coins ist schwierig, weil dafür der private Schlüssel benötigt wird. Der jeweilige Wallet-Besitzer müsste also aktiv darauf zugreifen, um ein Sicherheits-Update durchzuführen. Bei Satoshi Nakamoto oder verlorenen Wallets wird das aber kaum möglich sein. Externe Zugriffe der Entwickler sind unpopulär, weil sie die Dezentralität der Bitcoin-Blockchain infrage stellen würden.

Bisher gibt es keine akute BTC-Bedrohung, aber zeitnahe Vorbereitung und Migration auf quantensichere Systeme sind laut Google-Report entscheidend, um Bitcoin langfristig gegen diese Art von Angriffen zu schützen. Wie effektiv und schnell die geplanten Blockchain-Updates sein werden, muss sich zeigen. Bis Quantencomputer aber die notwendige Rechenleistung mit der Präzision für effiziente Bitcoin-Attacken verbinden können, kann es durchaus noch länger dauern als die von Google angekündigten drei Jahre.

Tot ist Bitcoin also noch lange nicht. Und sollten Quantencomputer dieses Level erreichen, ist Krypto die geringste Sorge des Finanzmarktes. Denn auch Webseiten, Zahlungsnetzwerke und beinahe sämtliche digitalen Anwendungen weltweit wären (ohne einschlägigen Schutz) gefährdet. Entsprechend groß ist das Interesse nicht nur in der Bitcoin-Community, Schutzmechanismen zu entwickeln. Eine Perspektive, die Googles Warnung relativiert und auch für den Kryptomarkt Hoffnung macht.

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Simeon Koch

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