Glück oder Können? Philip Hopf verrät, was einen erfolgreichen Anleger wirklich ausmacht
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Glück oder Können? Philip Hopf verrät, was einen erfolgreichen Anleger wirklich ausmacht

Author

Muriel Ayari

An der Börse richtigzuliegen, bedeutet noch lange nicht, auch Geld zu verdienen. Doch woran liegt es, dass manche Anleger langfristig erfolgreich sind, während andere trotz guter Prognosen immer wieder Verluste erleiden? Im Gespräch erklärt Philip Hopf, warum er wenig von Glück hält, welche Rolle Erfahrung und Emotionen spielen und weshalb selbst richtige Prognosen Verluste nicht verhindern können. Dabei greift er zwei bekannte Börsenweisheiten von Warren Buffett und Peter Lynch auf und zeigt, warum konsequentes Risikomanagement und die Überzeugung hinter einer Investition entscheidend sein können.

 

Auch spannend: Im letzten Artikel sprach Hopf über seine eigenen Trading-Verluste und erklärte, warum er heute eindringlich vor dem kurzfristigen Handel warnt.

 

Das Wichtigste in Kürze:

  • Glück oder Können? Philip Hopf erklärt, was hinter langfristigem Börsenerfolg steckt.

  • Selbst richtige Marktprognosen können Anlegern Verluste bescheren.

  • Warum Erfahrung, Risikomanagement und Emotionen entscheidend sein können.

 

Als Neobroker den Aktienhandel für eine breitere Bevölkerung zugänglich machten und immer mehr Menschen an die Börse strömten, profitierte auch das Unternehmen von Philip Hopf von der steigenden Nachfrage. Doch war das wirklich Glück? Schließlich hatte man bereits Jahre zuvor in den Aufbau der eigenen Reichweite investiert. Für Hopf liegt genau darin der Unterschied zwischen Menschen, die Chancen erkennen und nutzen, und jenen, die sie ungenutzt verstreichen lassen.

War es also Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein? Oder steckt hinter außergewöhnlichem Erfolg vor allem harte Arbeit? Für Philip Hopf ist die Antwort ziemlich eindeutig. „Ich glaube per se nicht an Glück“, erklärt er im Gespräch. Zumindest nicht an die klassische Vorstellung eines zufälligen Ereignisses, das einen Menschen plötzlich in eine bessere Position bringt. Stattdessen verweist er auf ein Konzept, das im Englischen als Luck Surface Area bezeichnet wird.

Dahinter steckt ein einfacher Gedanke: Wer aktiv handelt, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich Chancen ergeben. Wer beispielsweise neue Geschäftskontakte knüpfen möchte, aber ausschließlich zu Hause bleibt, wird kaum jemanden kennenlernen. Wer dagegen regelmäßig auf andere Menschen zugeht, vergrößert seine Möglichkeiten. Doch welche Regeln sind darüber hinaus entscheidend für den Börsenerfolg? Hopf verrät, worauf es ankommt.

Regel 1: Verlier nie Geld. Regel 2: Vergiss nie Regel 1.

Doch selbst wer Chancen erkennt und Entwicklungen richtig einschätzt, ist an der Börse noch lange nicht erfolgreich. „Man kann mit seiner Prognose richtig liegen und trotzdem Geld verlieren“, erklärt Hopf. Dazu liefert er ein anschauliches Beispiel: „Ich kann sagen, morgen fällt der Goldpreis. Doch zunächst steigt der Kurs am Morgen etwas an. Weil ich meine Position nicht richtig aufgebaut habe, werde ich ausgestoppt. Danach fällt er ganz dramatisch.“ Obwohl die Prognose richtig war, konnte der Anleger von der erwarteten Kursbewegung nicht profitieren. Allerdings ist ein ausgelöster Stop-Loss nicht zwangsläufig ein Fehler. Im Gegenteil: Wird er auf Grundlage einer fundierten technischen Analyse sinnvoll gesetzt, kann er größere Verluste verhindern, sollte sich der Kurs entgegen der Erwartung weiterentwickeln.

Für Hopf zeigt dieses Beispiel, dass die Qualität einer Prognose allein nicht ausreicht. Entscheidend sei vielmehr, welche finanziellen Entscheidungen daraus folgen. Dabei verweist er auf Warren Buffetts berühmte Börsenregeln: „Rule No. 1: Never lose money. Rule No. 2: Never forget Rule No. 1.“ Wer sein Kapital durch konsequentes Risikomanagement schützt, kann sich auch mehrere falsche Prognosen erlauben, ohne seine finanzielle Existenz zu gefährden. Entscheidend ist somit nicht, wie häufig ein Anleger richtigliegt oder ausgestoppt wird, sondern wie sich Gewinne und Verluste langfristig auf sein Kapital auswirken.

 

Was macht einen wirklich guten Analysten aus?

Was unterscheidet einen guten Analysten von jemandem, der einfach nur ein paar Mal richtiggelegen hat? Für Hopf ist die Antwort eindeutig: „Ein Analyst ist jemand, der möglichst frei von Emotionen auf neutrale Art und Weise etwas analysieren kann, ohne sich in seine Position zu verlieben.“ Genau darin liege eine der größten Herausforderungen.

Wer sich beispielsweise intensiv mit der Tesla-Aktie beschäftigt und zunehmend von den Zukunftsaussichten des Unternehmens überzeugt ist, läuft Gefahr, irgendwann nur noch Argumente wahrzunehmen, die seine ursprüngliche Einschätzung bestätigen. „Die werden dann quasi Fans ihrer eigenen Analyse“, beschreibt Hopf dieses Phänomen. Die Folge: Der objektive Blick auf das Unternehmen geht zunehmend verloren.

„Deswegen ist Elliott Wave so gut, weil es komplett frei von Emotionen ist“, erklärt er. Seiner Ansicht nach ermöglicht die Methode eine stärker von persönlichen Meinungen losgelöste Betrachtung des Marktes. Doch auch hier spielt Erfahrung eine entscheidende Rolle. Viele Fehler ließen sich zwar rückblickend vermeiden, gerade zu Beginn fehlt Anlegern jedoch häufig das notwendige Gespür für Risiken und die eigenen emotionalen Reaktionen.

 

Der Punkt, an dem die meisten mit zittrigen Händen verkaufen

An den Finanzmärkten treffen rationale Überlegungen auf zutiefst menschliche Verhaltensweisen. Angst, Gier und Hoffnung können Anlegern einen Streich spielen und dazu führen, dass sie ihre ursprüngliche Strategie über Bord werfen. Besonders gefährlich werde es laut Hopf, wenn nach mehreren Verlusten der Druck entstehe, mit dem nächsten Investment unbedingt erfolgreich sein zu müssen

 „Wenn du sagst, das muss jetzt funktionieren, weil die letzten zwei Male habe ich fett Geld verloren, dann setzt du das Prinzip Hoffnung über die Analyse“, erklärt er. Statt einer sachlichen Einschätzung bestimmen dann zunehmend die eigenen Emotionen das Handeln.

Hier zeigt sich eine gewisse Ironie: Während erfolgreiche Analysten ihre eigenen Emotionen möglichst ausblenden sollten, basiert ein großer Teil des Marktgeschehens gerade auf den Emotionen anderer Anleger. Besonders deutlich wird das an Marktwendepunkten. „Der Punkt, an dem die meisten Leute mit zittrigen Händen verkaufen, ist oftmals der Boden eines Marktes“, erklärt Hopf.

Umgekehrt gelte: „Der Punkt, wo die allermeisten Leute, die keine Ahnung haben, an der Spitze aus Gier nochmal kaufen, bildet das Top eines Marktes.“ Angst und Euphorie können Anleger somit genau dann zum Handeln verleiten, wenn sich eine Kursbewegung bereits ihrem Ende nähert.

 

Im Zweifel auf das hören, was Peter Lynch sagt

Eine wichtige Rolle spielt für Hopf die Überzeugung hinter einer Investitionsentscheidung. Der bekannte Fondsmanager Peter Lynch brachte es mit dem Grundsatz „Know what you own and know why you own it“ auf den Punkt. Anleger sollten also wissen, welche Aktie sie besitzen und warum sie diese gekauft haben.

Hopf verdeutlicht das an einem Beispiel: Ein Anleger kauft eine Aktie für 30 US-Dollar, weil er ihren tatsächlichen Wert auf 40 US-Dollar schätzt. Fällt der Kurs anschließend auf 20 US-Dollar, entspricht das einem Buchverlust von rund 33 Prozent. Während manche Anleger aus Angst verkaufen, könnte ein überzeugter Value-Investor darin eine Kaufgelegenheit sehen. Schließlich erhält er die Aktie nun mit einem Abschlag von 50 Prozent auf den von ihm angenommenen Wert.

Voraussetzung ist allerdings, dass die fundamentalen Aussichten des Unternehmens weiterhin intakt sind. Wer dagegen aus Euphorie oder allein auf Empfehlung anderer eingestiegen ist, ohne sich ausreichend mit dem Investment auseinanderzusetzen, könnte bei stärkeren Kursrückgängen schneller verunsichert werden und aus Angst verkaufen. Ein Ausstieg aufgrund eines zuvor festgelegten technischen Signals kann hingegen ein sinnvoller Bestandteil des Risikomanagements sein. Fundamentale und technische Analyse verfolgen dabei unterschiedliche Ansätze: Während die fundamentale Betrachtung dabei hilft, den Wert und die Geschäftsaussichten eines Unternehmens einzuschätzen, kann die technische Analyse wichtige Orientierung für Ein- und Ausstiege sowie die Absicherung einer Position liefern.

 

Die wichtigste Eigenschaft eines erfolgreichen Anlegers

Was unterscheidet also langfristig erfolgreiche Anleger von jenen, die immer wieder an der Börse scheitern? Für Hopf ist es weniger die Fähigkeit, jede Kursbewegung vorherzusagen, als vielmehr der richtige Umgang mit Unsicherheit. Eine gesunde Mischung aus Erfahrung, einer klaren Strategie und konsequentem Risikomanagement bilden seiner Ansicht nach die Grundlage. Ebenso wichtig sei es, die eigenen emotionalen Schwächen zu erkennen und Entscheidungen nicht von kurzfristiger Euphorie oder Panik bestimmen zu lassen.

Am Ende wird deutlich, dass Börsenerfolg kein Zufallsprodukt ist. Wer sich vorbereitet, Chancen aktiv sucht und Risiken kontrolliert, schafft bessere Voraussetzungen für langfristigen Erfolg. Eine Garantie gibt es dennoch nicht. Entscheidend ist letztlich eines: Langfristiger Börsenerfolg hängt somit weniger davon ab, jede Kursbewegung richtig vorherzusagen, als vielmehr davon, Risiken zu begrenzen und kostspielige Fehler zu vermeiden.

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Muriel Ayari

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