„Gefahr für nationale Sicherheit“: China und USA kämpfen um Gold, Silber und Kupfer
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„Gefahr für nationale Sicherheit“: China und USA kämpfen um Gold, Silber und Kupfer

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Simeon Koch

Ehrgeizige Wachstumsziele aus China bereiten westlichen Industrienationen immer größere Sorge. Seit Jahren warnen Experten vor einem möglichen Monopol Chinas auf industriell wichtige Rohstoffe wie Seltene Erden oder sogenannte kritische Mineralien, zu denen die Europäische Union etwa das für Batterien unverzichtbare Lithium oder auch Aluminium zählt. Nachdem das wirtschaftliche Wachstum im Reich der Mitte zuletzt verhalten ausfiel, will die Staatsführung um den chinesischen Präsidenten Xi Jinping neue Expansion mit Milliarden-Investitionen vorantreiben, die rasant wachsenden nachhaltigen Industriezweige rund um Elektromobilität und Erneuerbare Energien offenbaren einen immer größeren Bedarf an Silber und Kupfer. Damit verschärft sich die Konkurrenzsituation auf dem Edel- und Industriemetallmarkt. Bereits Ende 2023 nahmen die Vereinigten Staaten Kupfer zum ersten Mal in die nationale Liste der kritischen Rohstoffe auf, immer lauter werden nun Stimmen in den USA, Europa und Kanada, auch Silber dieses Prädikat zu verleihen.

Silber für die „nationale Sicherheit“

Schutzzölle und Embargos sind im wirtschaftlichen Wettlauf zwischen China und den Vereinigten Staaten nichts Neues: 2018 verhängte der damalige nordamerikanische Präsident Donald Trump Strafabgaben über chinesische Importgüter, vor allem billigen Stahl aus Fernost wollte man vom eigenen Markt fernhalten. In Wachstumsbranchen wie der Elektromobilität, wo China mit aufstrebenden Marken wie BYD, Xpeng oder Li Autos eine ernsthafte Gefahr für Tech-Giganten wie Tesla darstellt, oder bei Hardware-Produkten zur Entwicklung von Künstlicher Intelligenz ergriff die nordamerikanische Regierung zuletzt ebenfalls Maßnahmen gegen die Expansion Chinas. Nun fordern Vertreter wichtiger nordamerikanischer Industriemetall-Produzenten, ähnliche Regelungen auch für kritische Rohstoffe wie Silber oder Kupfer festzulegen. Bereits Ende 2022 hatte Kanada chinesische Firmen aufgefordert, ihre Anteile an drei Lithium-Firmen abzugeben. Dafür erließ die kanadische Regierung ein Gesetz, das es „nicht gleichgesinnten“ Staaten erschwert, in nationale Minen-Unternehmen zu investieren, darunter auch Kupfer-Förderstätten. Ende letzten Jahres bekräftigte der kanadische Industrieminister Francois-Philippe Champagne die restriktive Marschroute: „Die Aufgabe jeder Regierung ist es, die nationale Sicherheit und Wirtschaft zu beschützen. Einige der kritischen Mineralien sind von strategischer Wichtigkeit für unser Land.“

Für die Industriemetall-Branche ist der Schutz der eigenen Rohstoffversorgung noch nicht ausreichend: In einem offenen Brief fordern gleich mehrere internationale Vorstände von Silberminen-Betreibern den kanadischen Energieminister Jonathan Wilkinson auf, Silber in die Liste der kritischen Mineralien aufzunehmen. Unterzeichnet haben unter anderem der Geschäftsführer des einflussreichen Bergbauunternehmens First Majestic Silver, Keith Neuymeyer, und Michael DeRenzo, Präsident des nordamerikanischen Silver Institute, das seit mehr als 50 Jahren die Interessen des Sektors vertritt. Laut dem Brief erfülle Silber alle Kriterien, um in Kanada und den Vereinigten Staaten als unentbehrlicher Rohstoff eingestuft zu werden: Es werde benötigt, um die Dekarbonisierung und Digitalisierung der Wirtschaft voranzutreiben und mache Kanada aufgrund seiner Produktionskapazitäten zu einem wertvollen Verbündeten. Die Konkurrenz durch China wächst derweil zusehends, in den letzten Jahren flossen rund 20 Prozent des industriell genutzten Silbers ins Reiche der Mitte. Allein auf die Photovoltaik-Branche, die am schnellsten wachsende Technologie mit Silber-Bedarf, entfielen im vergangenen Jahr rund 14 Prozent der globalen Silbernachfrage.

China kauft Goldminen – und fordert Kanada heraus

Umso wichtiger sei es, Silber zur nationalen Priorität zu erklären, urgieren die Verfasser des offenen Briefs: „Forscher aus der ganzen Welt weisen darauf hin, dass rund um Silber ein potenzieller Engpass beim Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft entstehen könnte – und zwar wegen Import-Beschränkungen, unterbrochenen Lieferketten und erhöhter Nachfrage“. Der Ruf von Silber „als leicht verfügbares, preisgünstiges Edelmetall“ habe „leider zu Missverständnissen geführt, die bisher eine Anpassung der Politik an diesen wissenschaftlichen Konsens verhindert haben“. Verschärft wird die Situation durch ein globales Silberdefizit, das in den letzten Jahren Rekordwerte erreichte. Kanada selbst gilt als einer der größten Silberproduzenten der Welt und ist der zweitgrößte Zulieferer für den nordamerikanischen Markt, der mehr als ein Fünftel seines Silberbedarfs aus Beständen des nördlichen Nachbarn deckt. Laut einer Studie von Carnegie Endowment for International Peace, einer Non-Profit-Organisation für internationale Verständigung, die 1910 vom US Steel-Magnaten Andrew Carnegie gegründet wurde, bestehen in naher Zukunft signifikante Lieferrisiken für eine ganze Reihe von industriell notwendigen Mineralien um Graphit, Kobalt, Nickel, Zinn und Silber. Alle in der Studie genannten Rohstoffe sind in Kanada als kritische Rohstoffe deklariert – bis auf Silber.

Ausgerechnet in dieser angespannten Situation versucht China, sich in den kanadischen Edelmetallmarkt einzukaufen. Mit $368 Millionen ist die Übernahme des in Vancouver ansässigen Goldminen-Betreibers Osino Resources durch den milliardenschweren chinesischen Gold-Konzern Yintai Gold zwar ein relativ kleiner Deal – die politischen Wogen gingen aber umso höher. Besonders das Osino-Engagement in der Lithium-Förderung stellt die kanadische Gesetzgebung um kritische Rohstoffe auf eine harte Probe. Aus den Vereinigten Staaten meldete sich der Parlamentsabgeordnete Jim Risch zu Wort und wies darauf hin, dass „zu wenige Menschen verstehen, wie sehr die Kontrolle über die Produktion kritischer Mineralien die Zukunft unseres Landes bestimmt. Unser alltägliches Leben basiert auf dem Abbau und der Produktion von wichtigen Metallen, von denen die meisten aus Übersee bezogen werden“. Demnach seien „Gold, Silber, Kupfer und Dutzende andere Metalle unersetzliche Komponenten der Produkte, die wir jeden Tag nutzen. Von Autos über Handys bis hin zur Energie: Aus dem Bergbau stammen die Materialien, die unser modernes Leben möglich machen.“

4900 Tonnen: Goldhandel auf Allzeithoch

Aus China gibt es zwar keine Anzeichen für eine offene Konfrontation, die Edelmetall-Nachfrage ist aber ungebrochen, etwa bei Gold: Mit einem um fast neun Prozent gestiegenen Goldverbrauch trug China zum historischen Nachfragerekord bei, den die Goldmärkte in den zurückliegenden zwölf Monaten laut dem World Gold Council verzeichneten. Bezieht man den Aktienhandel und große Käufe institutioneller Anleger im Hintergrund mit ein, wechselten im Jahr 2023 rund 4900 Tonnen Gold auf internationalen Handelsplätzen den Besitzer. Im Jahr zuvor waren es noch rund 4740 Tonnen gewesen. Kupfer und Silber stehen in China ebenfalls hoch im Kurs, laut dem offenen Brief an den kanadischen Energieminister ist das keine Überraschung: „Silber gilt als der beste elektrische Leiter, der beste metallische Wärmeleiter und das beste reflektierende Material. Diese Eigenschaften machen Silber zu einem unentbehrlichen und unersetzlichen Bestandteil für viele industrielle und technologische Anwendungen“ – und das hat China längst verstanden, wo sich auch dank des Nikkei-Booms in Japan die jüngste Panik an den Aktienmärkten langsam auflöst. Während First Majestic Silver und die Bergbauvereinigung in den USA auch bei der nordamerikanischen Energiebehörde darauf drängen, Silber zum kritischen Rohstoff zu erklären, geht das Rennen zwischen dem nordamerikanischen und dem chinesischen Markt um Gold, Silber und Kupfer also weiter.

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Simeon Koch

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