Gastgewerbe in Deutschland erlebt größten Umsatzeinbruch seit 2021
#Deutschland

Gastgewerbe in Deutschland erlebt größten Umsatzeinbruch seit 2021

Author

Carlo Schmid

Seit der Corona-Pandemie kämpft das deutsche Gastgewerbe mit erheblichen Herausforderungen. Während die Branche 2024 von der wiedergewonnenen Reisefreiheit und einer erhöhten Konsumfreude profitieren konnte, hat sich das Blatt im Jahr 2025 gewendet. Steigende Lebenshaltungskosten und eine zunehmende wirtschaftliche Unsicherheit führen nun zu einem der größten Umsatzrückgänge seit Jahren.

Im Mai 2025 meldeten deutsche Restaurants, Kneipen, Hotels und andere Beherbergungsstätten einen Umsatzrückgang von 2.2 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Inflationsbereinigt betrug der Rückgang sogar 4.6 Prozent, was den größten Einbruch seit der Corona-Pandemie im Dezember 2021 bedeutet. Im Vergleich zum Mai 2024 fiel der Umsatz real um runde vier Prozent. Diese Entwicklung wird als schlechtes Omen für den privaten Konsum angesehen, da auch der Einzelhandel zuletzt schwache Geschäfte verzeichnete.

Hotels und Gastronomie besonders betroffen

Deutschland verdient mit dem Tourismus so wenig wie seit Corona nicht mehr. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) führt die negative Entwicklung nicht nur auf saisonale Schwankungen zurück. Dehoga-Präsident Guido Zöllick erklärte vielmehr, dass die Preissensibilität und Konsumzurückhaltung der Verbraucher spürbar zugenommen haben: „Viele Gäste gehen seltener essen, wählen günstigere Gerichte, verzichten auf Extras wie Vorspeisen oder das zweite Getränk.“ Diese Verhaltensänderungen belasten die Branche zusätzlich zu den gestiegenen Kosten, die sowohl die Betriebe als auch die Gäste treffen.

Besonders stark betroffen waren Hotels und andere Beherbergungsunternehmen, die einen realen Umsatzrückgang von sieben Prozent im Vergleich zum Vormonat verzeichneten. Auch Restaurants, Kneipen und andere Gastronomiebetriebe mussten ein reales Minus von 3.9 Prozent hinnehmen. Diese Entwicklungen sind ein Zeichen für die angespannte Lage der Branche, die bereits im ersten Quartal 2025 von steigenden Ausgaben der privaten Haushalte profitiert hatte, was das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands stützte.

Die wirtschaftliche Belastungsgrenze vieler Betriebe ist mittlerweile erreicht, da sinkende Umsätze mit steigenden Kosten einhergehen. Die Branche steht vor der Herausforderung, mit den zunehmenden Personalkosten umzugehen, die durch die geplante Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 13.90 Euro pro Stunde ab Januar 2026 weiter steigen werden. Ein Jahr später soll der Mindestlohn dann auf 14.60 Euro angehoben werden.

Hoffnung auf politische Unterstützung

Der Dehoga-Branchenverband hofft auf neue Impulse für das Gastgewerbe durch die schwarz-rote Koalition, die im Koalitionsvertrag eine dauerhafte Senkung der Umsatzsteuer für Speisen in der Gastronomie von 19 auf sieben Prozent ab Januar 2026 vorsieht. Diese Maßnahme könnte die finanzielle Belastung der Betriebe verringern, auch wenn unklar bleibt, ob die Preise auf den Speisekarten dadurch tatsächlich sinken werden.

Trotz der aktuellen Herausforderungen hofft die Branche auf saisonale Impulse durch die Sommerferien und eine steigende touristische Nachfrage. Diese könnten kurzfristig für eine Erholung der Umsätze sorgen. Langfristig bleibt jedoch abzuwarten, wie sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entwickeln und ob die geplanten politischen Maßnahmen die erhoffte Entlastung bringen werden.

Wann werden die Deutschen wieder konsumfreudiger?

Ab Januar 2026 plant die Bundesregierung, die Umsatzsteuer für Speisen in der Gastronomie dauerhaft zu senken. Gleichzeitig stehen die Betriebe vor der Herausforderung steigender Personalkosten durch die Erhöhung des Mindestlohns. Eine konjunkturelle Kehrtwende, die erhoffte Rückkehr zum sektorübergreifenden Wirtschaftswachstum und Steuersenkungen sollen der kriselnden Gastro-Branche nun unter die Arme greifen. Wann deutsche und ausländische Touristen wieder konsumfreudiger werden, ist derweil kaum abzuschätzen.

Author

Carlo Schmid

Schlagzeilen

Es wurde noch keine Einwilligung erteilt.

Du musst zuerst zustimmen, um Inhalte von TradingView zu sehen.