Frieden zwischen Iran und Israel? Was Gold, Öl und Bitcoin verraten
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Frieden zwischen Iran und Israel? Was Gold, Öl und Bitcoin verraten

Author

Simeon Koch

Die wichtigsten Punkte des Artikels auf einen Blick:

  • Israel hat militärische Ziele im Iran bombardiert, darunter Urananlagen, Ölfelder und hochrangige Militärs. Ziel ist die Schwächung des Regimes und eine Verhinderung einer iranischen Atombombe.


  • Iran reagierte mit Vergeltungsschlägen gegen israelische Städte. Teheran betont, keine Atomwaffen zu bauen.


  • Öl- und Gaspreise schossen in die Höhe, da wichtige iranische Energie-Infrastruktur getroffen wurden und die Straße von Hormus bedroht ist


  • Aktien und Kryptowährungen gerieten kurzfristig unter Druck, während Gold als Krisenwert zulegte. Die Erholung folgte schnell, als Iran diplomatische Kontakte zu Israel anregte.


  • Die nächste Zinsentscheidung der US-Notenbank (Fed) am Mittwoch könnte durch die Nahost-Spannungen beeinflusst werden.

Einst enge Freunde, nun bittere Feinde

Seit Jahrzehnten führen Israel und der Iran – bis Ende der 1970er Jahre enge Freunde – einen erbitterten Schattenkrieg, der Ende letzter Woche eine neue Eskalationsstufe erreicht hat. Mit gezielten Luftangriffen hat das israelische Militär am Wochenende hochrangige Militärs des Iran getötet, darunter den höchsten Kommandeur der iranischen Armee und den Geheimdienst-Chef.

Primäres Ziel der Angriffe waren Einrichtungen zur Anreicherung von Uran, das für Atombomben verwendet werden kann. Um die radikal-islamische Regierung des Iran zu schwächen, bombardierte Israel außerdem die Energie-Infrastruktur des Landes. Der Iran reagierte mit Gegenschlägen auf israelische Städte, Ökonomen warnen vor Versorgungsengpässen bei Öl und Gas. Donald Trump hingegen erwartet baldigen Frieden. Bitcoin und Gold offenbar auch.

Warum führen Israel und der Iran Krieg?

Es waren martialische Worte, die sich israelische und iranische Politiker in den letzten Stunden entgegenschleuderten. Das israelische Volk habe im Zweiten Weltkrieg einen Holocaust durch die Nationalsozialisten erlitten – nun aber wehre man sich rechtzeitig, um „einen nuklearen Holocaust“, ausgelöst durch den Erzfeind Iran, zu verhindern, drohte Israels Premierminister Benjamin Netanjahu Ende letzter Woche vor laufenden Kameras. Die iranische Regierung sprach von einer offenen Kriegserklärung. Schon am Freitag hatte Israel mehrere iranische Militäreinrichtungen bombardiert, die iranische Luftabwehr soll weitgehend handlungsunfähig sein.

Der Ölpreis (hier die Referenzsorte Brent) schoss nach Israels Angriff am Wochenende nach oben, kühlt aktuell aber wieder ab.
Premier Netanjahu sagte im israelischen Fernsehen: „Wir haben uns den Weg nach Teheran gebahnt. Unsere Piloten am Himmel werden dem Ayatollah-Regime Schläge versetzen, das es sich noch nicht vorstellen kann.“ Das Ajatollah-Regime im Iran entstand 1979 nach der Islamischen Revolution unter Ajatollah (dem geistlichen Herrscher) Khomeini. Es basiert auf einer theokratischen Herrschaft, in der Geistliche die höchste politische Macht ausüben. Israel wird vom Regime als illegitimer Staat betrachtet, vor allem wegen seiner Unterstützung für den Westen und seiner Besetzung palästinensischer Gebiete.


Vor der Islamischen Revolution waren Israel und der Iran enge Verbündete mit florierenden Wirtschaftsbeziehungen, seither aber herrscht Feindschaft. Schon im vergangenen Sommer war der Schattenkrieg kurz eskaliert, als Israel Stellungen der Hisbollah im Libanon angegriffen und Hassan Nasrallah, den Chef der Hisbollah-Miliz getötet hatte.

Die Hisbollah ist eine enge Verbündete der iranischen Regierung, im Militär-Jargon spricht man auch von einem Proxy. Auch die Huthi-Miliz im Jemen, die Anfang vergangenen Jahres den Suezkanal blockierte und damit für Unsicherheiten auf dem globalen Brennstoff-Markt sorgte, wird angeblich vom Iran alimentiert. Ebenso die Hamas im Gaza-Streifen, die Israel seit dem Terrorangriff im Oktober 2023 offen bekämpft.

Kurzfristig rechnen wir bei Brent mit einer Korrektur in Richtung der 50-Dollar-Marke, anschließend steht eine lange Rallye bevor.
Nach der Schwächung von Hamas und Hisbollah durch die israelischen Angriffe fehlen dem Iran wichtige Stützen seiner geopolitischen Macht im Mittleren Osten – ein Umstand, den Israel nun für seinen Präventivschlag nutzt. Kritiker werfen der in Teilen rechtsextremen israelischen Regierung um Benjamin Netanjahu vor, mit den außenpolitischen Aggressionen gegen die Hamas, die Hisbollah und nun den Iran von innenpolitischen Spannungen abzulenken. Harsch kritisiert wurde Israel in den letzten Monaten etwa für die Rücksichtslosigkeit im Gaza-Streifen, wo tausende Zivilisten Hunger leiden und nicht fliehen können.

Israel warnt vor Atombombe: Droht ein großer Krieg?

Als Präventivschlag bezeichnet man einen Angriff, der darauf abzielt, einen Gegner zu schwächen, bevor er selbst angreifen kann. Israel argumentiert seine Bombardierungen iranischer Militär- und Forschungsanlagen mit der Gefahr einer möglichen Atombombe, an der iranische Forscher arbeiten sollen. Für eine Atombombe muss radioaktives Uran auf zumindest 90 Prozent Reinheit angereichert werden, natürliches Uran enthält weniger als ein Prozent. Für die waffenfähige Anreicherung sind technisch und zeitlich aufwendige Verfahren notwendig, für Atomkraftwerke reicht ein Wert von rund fünf Prozent.

Mit dem Ölpreis stieg auch der Goldkurs kräftig an: Das Krisenasset kletterte zurück über 3400 Dollar pro Unze und kratzt am Allzeithoch.
Laut Medienberichten soll der Iran bereits über Uran mit einem Reinheitsgehalt von 60 Prozent verfügen – auf die notwendigen 90 Prozent zu kommen, ist von diesem Wert aus laut Experten nicht mehr allzu schwierig. Eine Atombombe in iranischer Hand werten Israel und dessen westliche Verbündete wie etwa die USA und Deutschland als akute Gefahr für den Frieden in der Region und weltweit. Deshalb rechtfertigt Israel seine militärischen Angriffe auf den geschwächten Feind Iran mit der vermeintlich akuten Gefahr einer fertig entwickelten Atombombe des Ajatollah-Regimes.

Kurz nach Beginn der Angriffe auf den Iran rief Israels Premier Benjamin Netanjahu die USA formal dazu auf, in den Konflikt einzutreten, was Donald Trump zunächst ablehnte. Zuvor waren Verhandlungen über das Atomprogramm des Iran mit Vertretern der USA gescheitert. Eine weitere Verhandlungsrunde, die für Sonntag angesetzt gewesen war, wurde aufgrund des israelischen Angriffs abgesagt. Trump selbst forderte den Iran auf, Zugeständnisse sowie einen Deal mit Israel und den USA zu machen. Ansonsten würden dem Iran weitere harte Angriffe drohen, wie Trump auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social schrieb.

Mittelfristig rechnen wir beim Goldpreis mit einer Top-Bildung und anschließend mit einer langen Korrektur. Die übergeordnete Zählung bleibt bullisch.
Wie am Montagmorgen vom Schiffbeobachtungsdienst Marine Traffic gemeldet wurde, soll der US-Flugzeugträger Nimitz auf dem Weg nach Nahost sein. Eine Einmischung von US-Streitkräften in den Konflikt zwischen Israel und Iran könnte verheerende Folgen haben und den Krieg auf westliche Staaten ausweiten. Bisher aber deutet nichts darauf hin, dass europäisches oder amerikanisches Militär verwickelt wird. Vielmehr starteten die USA und mehrere europäische Staaten Evakuierungen von politischem Personal und Zivilisten aus der Region. Der iranische Präsident Massud Peseschkian beteuert derweil, dass sein Land nicht die Absicht habe, Atomwaffen zu entwickeln und sich nicht verbieten lassen wolle, an Atomenergie zu forschen.

Trump will Frieden – was machen Aktien und Bitcoin?

Geht es nach Donald Trump, wird sich der Konflikt zwischen Israel und dem Iran nicht ausweiten, ganz im Gegenteil: „Wir werden schon bald Frieden haben“, schrieb Trump vor wenigen Stunden auf Truth Social und kündigte an: „Iran und Israel werden eine Abmachung finden.“ Der Iran scheint nicht abgeneigt. Trotz der Gegenangriffe auf israelische Städte und aggressiver Ankündigungen weiterer Vergeltungsschläge sagte der iranische Außenminister Abbas Araghchi, dass man bereit sei, eigene Angriffe einzustellen, sobald Israel seinerseits damit aufhöre. Unterstützer der iranischen Regierung kritisierten Araghchi dafür scharf, die internationalen Finanzmärkte atmeten auf.
Der Bitcoin hat kurzfristig laut unserer Prognose noch etwas Platz nach oben, dürfte dann aber in eine längere Korrektur gehen...
Dass die globalen Aktienmärkte Ende letzter Woche unter Druck gerieten, lag daran, dass Israel auch Förderanlagen für Rohöl und Erdgas im Iran bombardierte. So etwa trafen israelische Angriffe das Erdgasfeld Süd-Pars, das zu den größten Förderstätten der Erde zählt. Der Iran besitzt die zweitgrößten Erdgas-Vorkommen der Welt und zeichnet für rund vier Prozent der globalen Rohöl-Förderung verantwortlich. Außerdem kann die iranische Regierung mit der Straße von Hormus eine Meerenge im Persischen Golf schließen, die als wichtigste Transportroute für Erdöl nach Asien, Europa und in die USA gilt.

... und erst nach dem Tief der blauen Korrekturwelle (ii) die nächste lange Rallye starten. Dann kann es in Richtung 200 000 Dollar gehen.
Eine solche Sanktion wäre für den Iran, der existenziell auf Einnahmen aus dem Geschäft mit fossilen Brennstoffen angewiesen ist, zwar schwer zu verkraften, könnte aber auch die westlichen Gegner massiv unter Druck setzen. Schon jetzt dürften die israelischen Angriffe auf iranische Öl- und Gasanlagen für weltweite Verknappung sorgen. Sollte die Straße von Hormus blockiert werden, drohen drastische Preisanstiege für Öl- und Gasprodukte. Entsprechend deutlich stiegen Werte wie Brent, WTI und Erdgas an den internationalen Rohstoffmärkten Ende letzter Woche. Risiko-Assets wie Tech-Aktien oder Kryptowährungen gerieten unter Druck, während das Krisen-Asset Gold in Richtung der jüngsten Allzeithochs kletterte.

Warum ist der Krieg für Bitcoin und Aktien schlecht?

Der Grund für die temporäre Schwäche bei Aktien und Kryptowährungen lag in Befürchtungen vor steigender Inflation durch erhöhte Öl- und Gaspreise. Ein solches Szenario könnte die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) dazu zwingen, ihre Leitzinsen weiter hochzuhalten oder sogar erneut anzuheben. Straffe Geldpolitik ist für Aktien und Kryptos problematisch, weil riskantere Anlagen viel freies Kapital im Markt brauchen, um zu wachsen. Straffe Geldpolitik reduziert diese Liquidität allerdings, geopolitische Spannungen sorgen zusätzlich dafür, dass volatilere Assets abgestoßen und vermeintlich sichere Werte wie Gold gekauft werden.

Auch der Erdgas-Preis hüpfte nach Israels Angriffen auf iranische Förderanlagen aufwärts, bleibt allerdings vorerst korrektiv.
Die Märkte allerdings scheinen aktuell von keiner weiteren Eskalation des Konflikts auszugehen. Die Ölpreise setzten Anfang der Woche wieder etwas zurück, auch der Anstieg des Goldpreises geriet ins Stocken. Dafür konnten Bitcoin und vor allem kleinere Kryptowährungen merklich aufatmen. Analysten hatten im Ernstfall eines langanhaltenden Konflikts zwischen Israel und dem Iran mit Ölpreisen nahe der 100-Dollar-Marke gerechnet, was die US-Inflation womöglich in Richtung fünf Prozent heben könnte.

Dass die Brennstoff-Preise wieder etwas abkühlen, nimmt diesen Spekulationen aber erstmal Wind aus den Segeln. Und tatsächlich könnte der Markt rechtgehabt haben: Am Montagnachmittag wurde bekannt, dass der Iran über arabische Vermittlerstaaten den diplomatischen Austausch mit Israel gesucht haben soll. Entspannung scheint also näher als zunächst gedacht. Die nächsten wichtigen geldpolitischen Signale erhalten Bitcoin und Aktien am Mittwoch bei der Zinsentscheidung der Fed. Dabei dürften die geostrategischen Verwerfungen im Mittleren Osten und deren Entwicklung bis dahin eine Rolle spielen.

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