Fetch.ai-Probleme auf Trade Republic: Was passiert mit den gesperrten FET?
#Kryptowährungen

Fetch.ai-Probleme auf Trade Republic: Was passiert mit den gesperrten FET?

Author

Simeon Koch

Mitte der Woche ist es so weit: Die drei KI-Altcoins Fetch.ai (FET), Singularity Net (AGIX) und Ocean Protocol (OCEAN) werden sich zur Artificial Superintelligence Alliance zusammenschließen. Was sich episch anhört, sorgte in der Community für Verwirrung: Die geplante Token-Umwandlung der drei Kryptowährungen in den neuen ASI-Token verläuft offenbar holpriger als gedacht. Das liegt nicht an den Altcoin-Projekten selbst, die schon vor Wochen alle Umwandlungsmöglichkeiten offengelegt haben. Vielmehr scheint der reibungslose Übergang für viele Anleger im deutschsprachigen Raum an einer wichtigen Handelsbörse zu scheitern: Der Neo-Broker Trade Republic teilte am Wochenende mit, dass Fetch.ai-Bestände bald nicht mehr handelbar sein werden. Der Verkauf aber war phasenweise deaktiviert – ob und wie die Umwandlung zu ASI-Coins auf Trade Republic funktionieren soll, wurde nur bruchstückhaft kommuniziert. Was bedeutet das für Nutzer der App?

Probleme bei historischer ASI-Fusion

Schon Mitte April teilte Fetch.ai auf der eigenen Webseite mit, dass die Abstimmung über die ASI-Fusion unter den Token-Haltern positiv verlaufen sei. FET, AGIX und OCEAN sollen vollständig im neuen ASI-Token aufgehen und restlos umgetauscht werden. ASI soll dadurch auf einen Schlag eine Marktkapitalisierung von mehr als $7 Milliarden erreichen und „einen entscheidenden Moment in der KI-Landschaft markieren, der drei einflussreiche dezentrale Marktführer vereint“, wie es im Statement von Fetch.ai heißt. Geschäftsführer Humayun Sheikh kündigte an: „Unsere Mission ist es, eine dezentralisierte KI-Infrastruktur in großem Maßstab zu schaffen, die ethische und vertrauenswürdige Nutzung gewährleistet.“ Durch die Fusion der drei Plattformen stärke man „Entwickler und Nutzer gleichermaßen“ und fördere „ein demokratischeres und transparenteres KI-Ökosystem“. Bei der ASI-Fusion handelt es sich um ein Novum in der Krypto-Landschaft und den größten jemals erfolgten Zusammenschluss verschiedener Altcoin-Projekte.

Der Tauschprozess selbst sollte eigentlich weitgehend automatisiert ablaufen, um den Übergang für die Token-Halter so effizient wie möglich zu gestalten. Wer seine FET, AGIX oder OCEAN auf zentralisierten Börsen hält, wird automatisch in den Umtauschprozess einbezogen und muss selbst nicht aktiv werden. Für den Umtausch ist schon vor Wochen ein Wechselkurs festgelegt worden: FET wird 1:1 in ASI übertragen. Für jeden AGIX- oder OCEAN-Token bekommt man demnach rund 0.43 ASI-Einheiten. Zentralisierte Krypto-Börsen werden die Umwandlung intern vornehmen, sodass die Nutzer lediglich die neuen ASI-Token in ihren Wallets vorfinden. Für Selbstverwahrer, die ihre Tokens in dezentralen Wallets halten, werden offizielle Kanäle und Plattformen bereitgestellt, über die der Umtausch ebenfalls unkompliziert durchgeführt werden kann. Dies soll sicherstellen, dass alle Token-Halter gleichermaßen vom neuen System profitieren können, ohne technische Hürden überwinden zu müssen. Soweit zumindest die Theorie bis Ende vergangener Woche. Dann plötzlich rumorte es vor allem in der deutschsprachigen Krypto-Community.

Werden FET auf Trade Republic zwangsverkauft?

Mit Trade Republic schien sich einer der wichtigsten Online-Broker des Landes querzustellen. Allein in Deutschland hat Trade Republic mehr als zwei Millionen Kunden und eine entsprechende Reichweite. Primär ist die Plattform auf den Handel mit Aktien ausgelegt, allerdings kamen in den letzten Jahren auch immer mehr Kryptowährungen hinzu – unter anderem Fetch.ai. Blockchain-Befürworter kritisieren an Neo-Brokern wie Trade Republic, dass man die erworbenen Kryptowährungen auf der Plattform lediglich im Gegenwert erwerben kann, also keine Handhabe über die tatsächlichen Coins hat. Bitcoin und Altcoins können also nicht von der Plattform abgezogen oder transferiert werden, nachdem man sie gekauft hat. Das liegt daran, dass Trade Republic die Kryptowährungen zwar hält, seine Kunden aber lediglich den Gegenwert auf Papier vermittelt. Man erhält also Anteile, die man handeln kann, ohne die Coins tatsächlich in einer eigenen Wallet zu halten. Das Besitzverhältnis ist damit nicht mehr dezentral. Ähnlich wie beim Aktienhandel tritt die Börse nicht nur als Intermediär auf, sondern hält auch die abgebildeten Assets selbst.

Das ist zwar auf Krypto-Börsen wie Coinbase und Binance zunächst nicht anders. Letztere aber ermöglichen, die Token durch Transfers in eine eigene Wallet dezentral zu verwalten, was bei Neo-Brokern wie Trade Republic nicht möglich ist. Zu vergleichen ist diese Situation mit den Bitcoin-Spot-ETFs, bei denen Anleger auch nur ETF-Anteilsscheine kaufen, über die BTC-Bestände selbst aber nicht verfügen können. Das verleiht der jeweiligen Börse deutlich mehr Macht über die Coins ihrer Kunden – und genau das bekamen Trade Republic-Kunden am Wochenende zu spüren. Auf der Social-Media-Plattform Reddit schlugen Nutzer schon am Freitag Alarm und berichteten von einer Benachrichtigung, in der Trade Republic darüber aufklärte, dass man Fetch.ai-Bestände bis Sonntagabend verkaufen müsse. Allerdings schien der Handel mit dem Coin ausgesetzt zu sein. In einigen Foren wurden bereits Sammelklagen geplant – Trade Republic selbst schien dann aber für vorläufige Aufklärung zu sorgen. Screenshots von neuen Nachrichten machten die Runde, in denen Trade Republic mitgeteilt haben soll, dass ASI ebenfalls handelbar werden soll. Damit würde die Plattform den Umtausch offenbar übernehmen.

Broker-Probleme verärgern Anleger

Zuvor war über Zwangsverkäufe und die Liquidierung von FET-Beständen der Nutzer spekuliert. In diesem Fall hätte Trade Republic die FET-Einlagen selbstständig abgestoßen und seinen Kunden den Gegenwert in der jeweiligen Währung gutgeschrieben. Das hätte für einige Nutzer ungewollte Verluste oder unerwartete Steuerpflicht durch frühere Realisierung als geplant bedeutet. Die aktuell schwache Nachfrage im Altcoin-Sektor steigerte den Ärger in der Community noch – schließlich sind nach den tiefroten letzten Wochen viele Altcoin-Depots unter Wasser. Die anfänglichen Gerüchte einer Zwangsliquidierung schien dann aber doch voreilig. Freilich lässt sich die vermeintlich von Trade Republic herausgegebene Ankündigung künftiger Handelsmöglichkeiten für den ASI-Token zum aktuellen Zeitpunkt nicht letztgültig verifizieren. Zwischenzeitlich dürfte der Verkauf von FET-Token am Wochenende wieder funktioniert haben, Nutzer klagten dennoch über einen vergleichsweise niedrigen Preis und einen hohen Spread – also eine große Marge für die Börse, um sich gegen etwaige Volatilität abzusichern. Einige Anleger verkauften im Verlust, andere scheiterten beim Versuch.

Wertlos werden die FET-Bestände auf Trade Republic entgegen kursierender Gerüchte aber mit ziemlicher Sicherheit nicht – selbst, wenn man es selbst nicht mehr geschafft hat, sie abzustoßen. Im Raum stehen nun die zwei Möglichkeiten eines tatsächlichen Verkaufs durch Trade Republic oder – und das wäre für die meisten Nutzer wohl die bessere Variante – eine automatische Umwandlung in den neuen ASI-Token. Die von Trade Republic ausgerufene Frist ist gestern um Mitternacht ausgelaufen, ein weiteres Statement der Plattform steht noch aus. Abgesehen von diesen Querelen dürfte die ASI-Fusion für Anleger erhebliche Vorteile bieten. Durch die Konzentration auf einen einzigen starken Token wird die Liquidität und Marktposition verbessert. Darüber hinaus profitieren die Inhaber von einer stärkeren Community und höherem Handelsvolumen. Die Unternehmen hinter FET, AGIX und OCEAN können von der vereinten Expertise und den gebündelten Ressourcen profitieren, was die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen beschleunigen könnte. Wie es in unserem Altcoin-Paket nach der Umwandlung von FET weitergeht, teilen wir Ihnen zeitnah mit.

Author

Simeon Koch

Schlagzeilen

Es wurde noch keine Einwilligung erteilt.

Du musst zuerst zustimmen, um Inhalte von TradingView zu sehen.