Das Wichtigste in Kürze:
- Zinsen unverändert, Powell warnt vor neuer Inflation durch Energiepreise und Zölle.
- FED signalisiert nur einen kleinen Zinsschritt nach unten, gleichzeitig steigen Inflationsprognosen.
- Bitcoin und Ethereum reagieren schwächer, billigeres Geld und neue Liquidität bleiben aus.
Gestern Abend wurde es erneut ernst in Washington. Die US-Notenbank ließ den Leitzins bei 3.5 bis 3.75 Prozent. Doch die eigentliche Nachricht lag zwischen den Zeilen: Powell klang vorsichtiger, die Inflationsprognosen stiegen, und selbst im Ausschuss gab es Streit. Stephen Miran wollte sofort um 0.25 Prozentpunkte senken. Für den Kryptomarkt war das erst kurz Erleichterung, dann Ernüchterung. Am 19. März korrigiert Bitcoin zeitweise unter die Marke von 70 000 US-Dollar und damit deutlich tiefer als am Vortag. Auch Ethereum fällt kurzzeitig unter 2 000 US-Dollar.
Die Fed pausiert weiter und Powell warnt vor neuer Inflation
Die Entscheidung selbst war keine Überraschung. Überraschend war der neue Schwerpunkt. In ihrem Statement schreibt die Fed, die Unsicherheit für den Ausblick bleibe hoch. Zugleich verwies sie ausdrücklich auf die unklaren Folgen der Entwicklungen im Nahen Osten für die US- und globale Wirtschaft.
Powell sagte dazu, die Inflation sei noch immer etwas erhöht. Höhere Energiepreise würden die Teuerung kurzfristig nach oben drücken, aber es sei noch zu früh, um Umfang und Dauer der Folgen sicher zu kennen. Dazu kommt ein weiterer Punkt: Laut Powell wurde die Güterinflation zuletzt auch von Zöllen nach oben getrieben. Das ist keine Entwarnung, sondern ein Warnschild.
Die Dot-Plots blieben fast gleich, wirken aber trotzdem straffer
Auf den ersten Blick sieht der neue Dot-Plot harmlos aus. Der Median für die Fed Funds Rate liegt Ende 2026 weiter bei 3.4 Prozent, für 2027 bei 3.1 Prozent und für 2028 ebenfalls bei 3.1 Prozent. Das heißt: Die Fed signalisiert weiterhin nur einen Zinsschritt nach unten in diesem Jahr. Denn vom aktuellen Zielband 3.5 bis 3.75 Prozent aus gerechnet entspricht ein Endwert von 3.4 Prozent ungefähr einem einzigen Cut um 0.25 Prozentpunkte.
Die Veränderung steckt deshalb nicht in der Schlagzeile, sondern im Umfeld der Dots. Die Fed hob ihre BIP-Prognose für 2026 von 2.3 auf 2.4 Prozent an. Gleichzeitig stieg die Projektion für die PCE-Inflation von 2.4 auf 2.7 Prozent und für die Kerninflation von 2.5 auf 2.7 Prozent. Der langfristige Zins wurde leicht von 3.0 auf 3.1 Prozent angehoben.
Im Dot-Plot selbst bleibt der Schwerpunkt 2026 in einem relativ hohen Bereich zwischen grob 3.38 und 3.87 Prozent. Übersetzt heißt das: Die Fed sieht die Wirtschaft robuster, die Inflation hartnäckiger und den neutralen Zins leicht höher. Das ist keine dovishe Wende. Es ist eine Pause mit erhobenem Zeigefinger.
Was das zunächst konkret für Bitcoin und Ethereum bedeutet
Für BTC und ETH ist das kurzfristig kein Geschenk. Krypto lebt in solchen Phasen stark von Liquidität, sinkenden Renditen und der Hoffnung auf lockerere Finanzbedingungen. Genau diese Hoffnung hat Powell gestern nicht geliefert. Reuters berichtet von steigenden US-Renditen nach dem Entscheid, vor allem am kurzen Ende. Das passt zum Kursbild: Kein Crash-Signal von der Fed, aber auch kein neuer Treibstoff für Risikoanlagen. Bitcoin hält sich damit noch vergleichsweise stabil über der Zone um 70 000 US-Dollar. Ethereum reagiert schwächer, was zum Charakter des Marktes passt: ETH wird in risk-off-Phasen oft härter verkauft als BTC.
Der wichtigste Punkt für Krypto ist deshalb simpel. Die Fed hat den Markt nicht erschreckt, aber sie hat ihm auch keine Abkürzung nach oben geöffnet. Wer auf eine schnelle Rückkehr des billigen Geldes gesetzt hat, bekam gestern einen Dämpfer. Für Bitcoin und Ethereum heißt das: Makro bleibt das dominante Thema. Der nächste echte Schub braucht nun weichere Inflationsdaten, schwächere Konjunktur oder einen klareren Schwenk der Fed. Bis dahin bleibt Powells Botschaft nüchtern: abwarten, Daten prüfen, nichts versprechen. Und genau das war für Krypto gestern die eigentliche Nachricht.
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Veränderung der FED Dot-Plots

