Die wichtigsten Punkte
Die EU-Kommission hat am 25. September 2025 ein Wettbewerbsverfahren gegen den Softwarekonzern SAP eröffnet. Der Vorwurf: SAP könnte seine Marktmacht bei Wartungs- und Supportleistungen missbraucht haben. Konkret geht es um automatische Vertragsverlängerungen, zusätzliche Gebühren und die Kopplung von Lizenzen mit teuren Services, die Kunden den Wechsel zu anderen Anbietern erschweren sollen. Sollte sich der Verdacht bestätigen, droht SAP eine Geldstrafe von bis zu zehn Prozent des weltweiten Umsatzes, das wären derzeit rund 3.4 Milliarden Euro. SAP weist die Vorwürfe zurück, will aber eng mit der EU-Kommission zusammenarbeiten.
Worum es geht
Die Europäische Kommission, die für die Einhaltung des Wettbewerbsrechts in der EU zuständig ist, prüft, ob SAP seine starke Marktstellung unfair ausnutzt. SAP ist in vielen Unternehmen weltweit das zentrale Software-System, etwa für Buchhaltung, Logistik oder Personalverwaltung. Wer einmal auf SAP umgestiegen ist, bindet viele Geschäftsprozesse an die Programme des Konzerns. Für diese Kunden sind Wartung und technischer Support besonders wichtig, da ein Ausfall schnell zu hohen Kosten führen kann. Genau hier setzt die Untersuchung an: Brüssel vermutet, dass SAP seine dominante Position bei diesen Diensten missbraucht, indem es Kunden kaum echte Wahlmöglichkeiten lässt.
Die Vorwürfe im Detail
Laut der EU-Kommission sollen viele SAP-Lizenzen automatisch mit Wartungs- und Supportleistungen verbunden sein. Das bedeutet: Wer eine Software kauft, muss oft auch gleich den SAP-Service buchen, selbst wenn andere Anbieter möglicherweise günstigere Alternativen anbieten könnten. Zusätzlich gibt es Hinweise, dass sich diese Verträge automatisch verlängern, wodurch Unternehmen länger als gewünscht an SAP gebunden bleiben. Kunden könnten außerdem gezwungen sein, für Wartung von Software zu zahlen, die sie gar nicht mehr aktiv nutzen. Wer den Support kündigt und später doch wieder aufnehmen möchte, müsse mit hohen Nachzahlungen rechnen. Diese sogenannten „Wiederaufnahmegebühren“ könnten in Einzelfällen so hoch sein wie die regulären Kosten für den gesamten Servicezeitraum. Aus Sicht der Kommission könnte dies ein klares Hindernis für Wettbewerb darstellen.
EU-Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera erklärte, Ziel der Untersuchung sei es sicherzustellen, dass Unternehmen, die auf SAP-Software angewiesen sind, frei entscheiden können, welche Wartungs- und Serviceleistungen sie nutzen. Für die Kommission geht es also um mehr als nur um Gebühren, Sie will verhindern, dass ein einzelner Anbieter den Markt kontrolliert.
Mögliche Folgen und Strafrahmen
Sollte die Kommission nach Abschluss ihrer Untersuchung tatsächlich einen Verstoß feststellen, droht SAP eine hohe Geldstrafe. Nach EU-Recht können bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes verhängt werden. Bei SAP, das zuletzt einen Umsatz von über 34 Milliarden Euro gemeldet hat, entspricht das rund 3.4 Milliarden Euro. Die genaue Höhe hängt jedoch vom Verlauf des Verfahrens ab und davon, wie schwer die Verstöße gewertet werden. Es gibt zudem keine feste Frist: Wettbewerbsverfahren dieser Art können sich über Monate oder sogar Jahre hinziehen.
Reaktionen von SAP und Markt
SAP hat in einer ersten Stellungnahme betont, dass man eng mit der EU-Kommission zusammenarbeiten werde. Gleichzeitig betont der Konzern, dass die eigenen Richtlinien mit den europäischen Wettbewerbsregeln vereinbar seien. Das Unternehmen rechnet nicht mit gravierenden finanziellen Auswirkungen. An der Börse reagierten Anleger jedoch nervös: Die SAP-Aktie verlor am Tag der Bekanntgabe rund 2.6 Prozent und fiel auf etwa 222 Euro. Das zeigt, dass Investoren zwar noch keine Milliardenstrafe einkalkulieren, das Verfahren aber durchaus als Risiko sehen.
Wie es jetzt weitergeht
SAP wird nun Gelegenheit haben, auf die Vorwürfe zu reagieren und schriftlich Stellung zu nehmen. In solchen Fällen können Unternehmen auch sogenannte Verpflichtungszusagen machen. Das heißt: Sie bieten konkrete Änderungen ihrer Geschäftspraxis an, um die Bedenken der EU auszuräumen. Akzeptiert die Kommission diese Zusagen, kann ein Verfahren oft ohne Geldstrafe beendet werden. Sollte die Kommission dagegen auf einer Strafe bestehen, dürfte es zu einem längeren Rechtsstreit kommen. Ein genauer Zeitplan ist noch nicht bekannt.
Kontext: SAPs Rolle im Markt
SAP ist das wertvollste DAX-Unternehmen und einer der weltweit führenden Anbieter von Unternehmenssoftware. Millionen Beschäftigte in Tausenden Firmen arbeiten täglich mit SAP-Systemen, von der Lohnabrechnung über die Finanzbuchhaltung bis zur Logistik. Die Software gilt als komplex und ist oft tief in die Strukturen eines Unternehmens integriert. Ein Wechsel zu einem anderen Anbieter ist deshalb sehr aufwendig. Diese starke Abhängigkeit macht SAP zu einem besonders mächtigen Player im Markt und erklärt, warum die EU-Kommission hier besonders genau hinschaut.




